Durch die Schlagader ins Rathaus-Foyer

+
An einer Plexiglas-Puppe wurde demonstriert, wie mittels eines Katheders ein verengtes Gefäß gespreizt und ein so genannter Stent eingesetzt wird.

Offenbach ‐ Man muss sich etwas ducken, um durch die Beckenschlagader des rechten Beins zu laufen. An den Wänden heben sich feinste Äderchen ab, der Boden ist mit gelblichem Bindegewebe bedeckt. Von Denis Düttmann

Es ist keine Geisterbahn, sondern eine begehbare Blutbahn, die am Samstag als ungewöhnliches Entree zum Gefäßtag im Rathaus dient.

Das Klinikum machte mit der Veranstaltung auf die Gefahren von Aneurysmen aufmerksam. Diese Aussackungen der Hauptschlagadern können platzen, was in einem Großteil der Fälle tödlich endet.

Das ist eine typische Wohlstandskrankheit, die vor allem durch erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie Rauchen und mangelnde Bewegung ausgelöst wird“, erklärt Arend Billing, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum Offenbach. „Besonders Männer um die 65 Jahre sind gefährdet.“ Rund 50 Prozent aller Patienten mit einem geplatzten Aneurysma sterben im Krankenhaus, wobei nur 20 Prozent die Klinik überhaupt noch lebend erreichen.

Dabei lässt sich die Krankheit recht einfach behandeln, wenn die Gefahr früh genug erkannt wird. „Wir plädieren seit Jahren für ein konsequentes Screening der 65-jährigen Männer“, sagt Billing, der sich für sein Anliegen in der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie engagiert. „Damit könnten wir sehr viele Menschen retten.“

Lange Schlangen vor den Untersuchungsstationen

Über mangelndes Interesse kann sich der Professor am Samstag nicht beschweren: Vor den vier mobilen Untersuchungsstationen, an denen Mitarbeiter des Klinikums mittels Ultraschall nach verdächtigen Verdickungen in der Aorta fahnden, bilden sich lange Schlangen. Auch die Krankenschwestern, die Blutzucker und Blutdruck messen, haben gut zu tun. Insgesamt beteiligen sich 25 Unternehmen und Organisationen an dem zweiten Gefäßtag. Das Haus der Orthopädie bietet Fußdruckmessungen an, eine Selbsthilfegruppe informiert über den Umgang mit Schlaganfall-Patienten und am Stand der Apotheke zum Löwen wird der Blutdruck gemessen.

Im Sitzungssaal der Stadtverordneten halten Experten im Viertelstundentakt Vorträge über so unterschiedliche Themen wie „Möglichkeiten der modernen Neurochirurgie“ und „Vitamine und Fischöl – sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel?“

Wir konnten diesen Informationstag nur organisieren, weil so viele gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Klinikmitarbeiter beispielsweise machen das heute ehrenamtlich“, so Arend Billing.

Katheder-Einführung an Plexiglas-Puppe demonstriert

Im Erdgeschoss führt Tarek Hassanein vorsichtig einen feinen Katheder in die Leiste einer Plexiglas-Puppe ein. „Mit einem Ballon am Ende des Katheders wird das verengte Gefäß gespreizt und schließlich ein so genannter Stent eingesetzt“, erklärt der Oberarzt in der Radiologie des Offenbacher Klinikums. „Dabei handelt es sich um ein beschichtetes Draht-Röhrchen, das das Gefäß dauerhaft offen hält.“ Dieser minimalinvasive Eingriff sei äußerst harmlos, gerade mal zwei Millimeter betrage der Durchmesser des Zugangs im Leistenbereich.

Wir hoffen, mit diesem Tag die Menschen für das Thema Gefäßerkrankungen sensibilisieren zu können“, sagt Chefarzt Billing. „Mit einer ausgewogenen Lebensführung in der gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung eine wichtige Rolle spielen, lassen sich viele gesundheitliche Probleme im Alter nämlich von vornherein vermeiden.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare