Familienfest

Besucherzentrum im Wetterpark eröffnet

+
Ein neues Ausflugsziel für Offenbach: Innerhalb von fünf Monaten ist am Wetterpark ein Besucherzentrum entstanden, das künftig Treffpunkt und Lernort für Jung und Alt sein soll. Zwar haperte es zum Eröffnungsfest noch mit den Toilettenschlössern. Dieser Makel sollte jedoch zeitnah behoben sein.

Offenbach - Die Diskussionen waren zäh, die Argumente beider Seiten nachvollziehbar. Nun aber steht das neue Besucherzentrum im Wetterpark, das als zweites Regionalpark-Portal gleichzeitig als Informationszentrum des Regionalparks Rhein-Main fungiert. Von Jenny Bieniek

Ob’s sich tatsächlich zum erwarteten Besuchermagnet mausert oder nur teures Prestige-Projekt bleibt, wird sich zeigen. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir jedenfalls prognostiziert zur Eröffnung: „In ein paar Jahren wird der Streit um die Errichtung vergessen und das Gebäude ein selbstverständlicher Teil Offenbachs sein.“ Ansehnlich ist das rund 1,25 Millionen teure neue Herzstück des Wetterparks allemal. Konzipiert als Kombination aus Holzhaus und Container, greift es das Thema Schutzhütte auf. Das Zinkblech an der Fassade ist Holzschindeln nachempfunden, ein nicht überdachter Zwischenraum bietet Besuchern auch außerhalb der Öffnungszeiten Informationen zur Regionalpark-Route.

Auf insgesamt 160 Quadratmetern Innen- und Außenfläche finden sich neben dem offenen Klassenzimmer - eine kleine Tribüne für Vorträge an der Kopfseite des Gebäudes - ein Ausstellungsraum mit Exponaten und Souvenirs rund ums Wetter, Sanitäranlagen, Informationstafeln sowie Infomaterial zum Mitnehmen. Die anfängliche Idee eines Unterstands mit Toiletten wurde damit weit übertroffen. Die Verantwortlichen hoffen, durch die Steigerung der Attraktivität künftig noch mehr Besucher in den Wetterpark zu locken. Im Inneren des Gebäudes ist es warm. Der Einbau einer Klimaanlage war aus Kostengründen nicht drin. „Die Idee war ohnehin, dass Besucher das Wetter spüren. Das Gebäude steht sozusagen im Wetter“, erklärt Architektin Claudia Meixner. Zusammen mit ihren Kollegen vom Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt und der Unit-Design GmbH hat sie das Gebäude entworfen und konzipiert.

Führung durch den Wetterpark Offenbach

Anspruch sei gewesen, kostenbewusst und dennoch funktional zu arbeiten. Die im Innern aufgestellten Info-Tafeln und Exponate stehen deshalb auf Rollen und weichen bei Bedarf Arbeitstischen und Stühlen. Die eingebaute Heizung gewährleistet im Winter Temperaturen über Null Grad. Kuschelige Wärme ermöglicht die eingebaute Heiztechnik dagegen nicht. „Das Zentrum ist für den Sommerbetrieb konzipiert“, betonen die Macher. Dank des Zentrums können sich Besucher künftig wetterunabhängig und wissenschaftlich fundiert über die Entstehung von Tornados und Perlmuttwolken informieren oder erfahren, was ein Brockengespenst ist. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bieten regelmäßig Führungen an, daneben gibt es Workshops und Sonderveranstaltungen. Eigens ausgebildete Regionalpark-Gästeführer informieren zudem über Ausflugsmöglichkeiten.

Ob’s ein bisschen weniger Anspruch an Design und Funktionalität nicht auch getan hätte, bleibt dahingestellt. 935.000 Euro hat sich die Stadt ihr Alleinstellungsmerkmal kosten lassen, weitere 320.000 Euro flossen aus den Töpfen des Regionalparks Rhein-Main. Das Land Hessen steuerte davon 100.000 Euro bei, die Fraport AG half mit 60.000 Euro. Gegner des Flughafenausbaus nutzten den feierlichen Festakt zur Eröffnung, um ihren Unmut über das Fraport-Sponsoring mit Plakaten kundzutun. Nicht zuletzt, weil auch Fraport-Sprecher Frank Cornelius zum Mikrofon griff und mit Pfiffen begrüßt wurde. Dass man sich mit Formulierungen wie „ein Stück Lärm über die Region bringen“ im lärmgeplagten Offenbach keine Freunde macht, dürfte nicht überraschen. Buh-Rufe erntete Cornelius zudem für die Behauptung, Offenbach habe durch das Besucherzentrum bald Frankfurter Niveau erreicht.

OB Horst Schneider zeigte angesichts der Demonstranten Verständnis, verwies jedoch auf die schwierige Lage Offenbachs. „Diese Stadt ist sehr bedürftig, was Investitionen angeht.“ Entsprechend nehme man finanzielle Unterstützung gerne an. „Das Fraport-Geld ist hier sehr gut investiert. Das Besucherzentrum ist wichtig für Offenbach“, ist er überzeugt. Neben Tarek Al-Wazir und Claudia Jäger als Aufsichtsratvorsitzende des Regionalparks Rhein-Main richteten auch Dr. Gerhard Adrian vom DWD und Wetterpark-Mitbegründerin Hanne Münster-Voswinkel Grußworte an die Besucher. Die Trommel-AG der Waldschule zeigte anlässlich der Eröffnung ihr Können; Vereine, Ämter und Institutionen sorgten für ein buntes Rahmenprogramm. Familie Repp ist oft auf dem Buchhügel unterwegs und freut sich über das neue Besucherzentrum, ebenso wie der Familienvater ein paar Meter weiter, der die Finanzierung jedoch kritisch sieht. Zwar sei es richtig und wichtig, die eigene Attraktivität zu steigern. „Aber machen wir uns nichts vor: Das Geld wird an anderen Ecken fehlen“, ist er sich sicher.

Kommentare