Durchhalten ist angesagt

Offenbach ‐ In der Käthe-Kollwitz-Schule wartet Detlef Schwenger darauf, dass die Stadt wegen der Sanierung des Gebäudes auf ihn zukommt. Der Schulleiter ist nicht so glücklich mit der „Kommunikation zwischen Stadt und Schule“.Von Domenico Sciurti

Er habe nicht das Gefühl, sagt Schwenger, „dass man uns da sehr viel Mitspracherecht einräumt.“ Zudem ist er überzeugt, dass die Planungen in der benachbarten Theodor-Heuss-Schule schon weiter vorangeschritten sind. Ob das Kollwitz-Bestandsgebäude bis 2013 fertig sein wird? Schwenger zweifelt.

Auf dem Buchhügel ist derzeit allerdings einiges los; im städtischen Schulsanierungsprojekt werden sowohl Kollwitzschule wie auch Theodor-Heuss-Schule und die Grundschule saniert und erweitert. Die Nebenwirkungen zerren an den Nerven. Lärm und Staub zwingen Lehrer, mit geschlossenen Rollläden und Fenstern zu unterrichten. Das Gefühl, bei den Planern nichts zu sagen zu haben, ist auch nicht schön. Und Bauverzögerungen führen zu Frust bei den drei Schulleitern.

Detlef Schwenger ist außerdem der Meinung, dass zu wenig Geld in seine Schule investiert wird. Immerhin bräuchten sie Werkstätten, die viel teurer seien als normale Klassenräume. „Wenn ich auf das Schulsanierungsplakat der Stadt schaue, wird mir schlecht“, sagt er. Die Grundschule bekomme 7,7 Millionen Euro mehr als die Käthe-Kollwitz-Schule. „Die Relationen stimmen nicht, wir haben 1 400 Schüler, die Grundschule nur 300.“

Nebenan bestätigt Theodor-Heuss-Schulleiter Heinrich Kößler Schwengers Vermutung über die weitere Planung nicht: Auch in seiner Schule wurde mit der Sanierung am Bestandsbau noch nicht begonnen. Aber dass das alte Gebäude erst angegangen wird, wenn das neue steht, scheint ihm selbstverständlich.

Kollwitz- und Heussschule bilden zusammen das neue Berufsschulzentrum der Stadt. Sie bekommen einen gemeinsam zu nutzenden Verwaltungsneubau und eine Sporthalle, die schon existierenden Domizile werden fit gemacht für die neuen Anforderungen. Das Komplizierte dabei: Die Arbeiten werden nicht ausschließlich von der Stadt übernommen. Die Theodor-Heuss-Schule, inklusive Neubau und Turnhalle, wird in öffentlich-privater Zusammenarbeit (ÖPP) von der Firma Hochtief erledigt. Das bringt ein eigenes Verwaltungssystem mit sich, was vor allem für die Käthe-Kollwitz-Schule schwierig ist. Schwenger: „Die Verantwortungsbereiche sind unklar, alle Abläufe dauern länger.“ Auch Kößler empfindet das neue System als „gewöhnungsbedürftig“.

Ein paar hundert Meter ist die Buchhügel-Grundschule bereits in akustischer Bedrängnis. „Es ist schon sehr stressig, bei dem Baukrach den normalen Schulalltag durchzuziehen“, sagt Schulleiterin Birgitt Stolz. Eine doppelte Belastung seien die hallenden Container, in denen nun gelehrt wird. Und dass der Außenbereich kaum noch nutzbar ist, sei eine enorme Einschränkung. Denn die provisorischen Schulräume stehen direkt neben dem zu renovierenden Gebäude auf dem Schulhof.

Stolz hegt keine Hoffnung mehr, dass die Schüler wie geplant im Sommer zurück in echte Klassenzimmer können. Das wird auch von Werner Bühlen, Projektleiter der EEG Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH, bestätigt: „Die beiden letzten Winter waren hart, deswegen konnten wir erst verspätet mit den Arbeiten angefangen.“

„Alle sind froh, dass die Schule endlich erneuert wird“, sagt Stolz, trotz der Einschränkungen möchte sie nicht negativ klingen: „Und wenigstens für die Kinder ist die Baustelle ein Abenteuerspielplatz.“

Rubriklistenbild: © Dieter-Schütz / Pixelio.de

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