Duschwand aus der Tasche

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Sandra Hoener zu Bentrup entwickelte Yava - ein Produkt für Reisende, die nicht auf eine private Duschumgebung verzichten wollen und dennoch das Gefühl von Freiheit und Flexibilität des Campens leben.

Offenbach - Nur fünf Produktgestalter, aber in der Addition angeblich erhebliche Semesterzahlen, füllten das Podium in der Aula der Hochschule für Gestaltung. Präsident Bernd Kracke zog in seiner Einführungsrede zur Diplompräsentation jedoch ein positives Fazit. Von Claus Wolfschlag

Schließlich sei es eine komfortable Situation für die HfG, ein mit Freiräumen gesegnetes Studium anzubieten, statt hektischen Vorgaben heutiger Bachelor-Studiengänge hinterher hechten zu müssen. So habe sich das Haus mit vielen Arbeiten an der „Luminale“ beteiligen können. Die Schule habe große Bedeutung, da eine nationale und internationale Wettbewerbssituation bestünde, innerhalb derer man sich bewähren müsse.

Den Reigen der Diplomanden eröffnete Sandra Höner zu Bentrup mit ihren mobilen Duschkabinen „Yava“ und „Yava Beach“. Die Studentin scheint kein Freund der ungezwungenen Freikörperkultur zu sein. Sonst hätte sie sich kaum so ausführlich Gedanken darüber gemacht, wie man unbeobachtet auf Campingplätzen oder am Strand den Körper reinigen könne. Dazu startete sie eine Online-Umfrage. Schließlich ergäbe sich oft eine „Veränderung der Gebrauchsmuster“, wenn man Mitduschende nicht kennt. Unbehagen stelle sich ein. Um Blicke abzuhalten, könne man nun das textile Gestell „Yava“ in Taschengröße transportieren und bei Bedarf als eine Art „Spanische Wand“ um die öffentliche Duschbrause herum aufbauen. Die Frage ist jedoch, ob das nicht noch mehr fremde Blicke anzieht.

Mischung aus Zeichentisch und Tablet-Computer

Daniel Kussmaul hat kein Hilfsmittel für Camper, sondern für die eigene Berufsgruppe entwickelt: Das digitale Zeichenboard „ETOS“. Die Mischung aus Zeichentisch und Tablet-Computer ist speziell für das Modellieren von 3D-Objekten entwickelt worden. Kameras überwachen die Augenbewegungen des Grafikers und ermöglichen durch Umsetzung auf den Bildschirm einen räumlichen Eindruck, ohne dass eine 3D-Brille benötigt würde. Als Arbeitsinstrument dient ein dem klassischen Stift nachempfundenes Gerät, das zudem Pinzette und Pipette enthält. So lassen sich 3D-Objekte etwa real „nach oben ziehen“.

Das Vortragswerkzeug „Kern“ wurde von Anthony Ransome-Jones vorgestellt. An Stelle des frontalen Vortrags eines Redners zum Publikum trete damit eine radiale Gesprächskultur. Mit „Kern“ werden Gesprächsinhalte kreisförmig auf die Tischoberfläche projiziert und können dort auch bearbeitet werden.

Ein mobiles Ultraschallgerät

Medizinischen Fragen haben sich hingegen Christopher Prenzel und Yamila Sauer gewidmet. Prenzel hat mit „sonOptic“ ein mobiles Ultraschallgerät konzipiert, dessen Form durchaus bewusst an einem Smartphone orientiert ist. Der Schallkopf ist durch ein Kugelgelenk mit einem kleinen Display verbunden, so dass der behandelnde Arzt das Ultraschallbild faktisch in seiner Hand hält und nicht ständig den Blick auf ein externes Gerät richten muss. Die Bauchschlagader oder Leberveränderungen kann man so noch bequemer untersuchen, zudem ist mit „sonOptic“ auch der Blutdruck messbar.

Anthony Ransome-Jones nennt sein Produkt „Kern“. Die gewünschten Inhalte werden kreisförmig auf Tischoberflächen projiziert.

Ebenfalls der Verbesserung medizinischer Standards hat sich Yamila Sauer angenommen. Mit dem von ihr gestalteten Gerät „HyGo“ soll die Händedesinfektion in Krankenhäusern verbessert werden. Statt wie bislang die Finger mühsam mit Waschlotionen einzureiben, würde der Vorgang nur noch wenige Sekunden dauern. Das „Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik“ ist derzeit dabei, moderne Formen der Desinfektion zu entwickeln. Den Bakterien soll mit Plasma, also ionisierten Gasen, zu Leibe gerückt werden. Ist diese „Hardware“ einsatzbereit, hofft Yamila Sauer ins Spiel zu kommen. Vergleichbar mit Lufttrocknern möchte sie „HyGo“ an Krankenzimmerwände montieren. Dann gehören dort die Hände nicht nur von Ärzten, sondern auch von Patienten und Besuchern hinein. „Alles ist nur als warmer Lufthauch erfahrbar. Die Desinfektion geht aber in jede Pore“, erläutert sie. Das Gerät hat auch einen biografischen Hintergrund. Vor zwei Jahren musste Sauer wegen eines Armbruchs ins Krankenhaus, wo sie mitbekam, welches Problem heute Krankenhausinfektionen darstellen – zumal mit resistenten Keimen.

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