Ebbe im Hundesalon

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Ferenc Rehberger ist besorgt. Trotz seiner vielen Briefe an die EVO sollen ihm und seinen Nachbarn ab Montag das Wasser abgestellt werden. Dann muss Hundedame Micky von Frauchen Anna Velluso gebadet werden.

Offenbach ‐ „Ja, ich kann ihren Hund auch im Salon waschen“, erklärt Ferenc Rehberger einer Kundin am Telefon. Ein gutes Gefühl hat der Besitzer des Hundesalons in der Karlstraße 30 dabei jedoch nicht. Von Katharina Platt

Denn die EVO droht, ihm und seinen Nachbarn ab Montag das Wasser abzudrehen. „Dann kann ich meinen Laden zu machen“, sagt der 52-Jährige. „Dabei fängt die Saison gerade erst an.“ Seit September 2007 betreibt der Offenbacher den kleinen Salon „Hot Dog“. Als vor etwa zwei Jahren der Hauseigentümer wechselte, begannen die Probleme. Vor einem Jahr flatterten die ersten Mahnungen der EVO in die Briefkästen der Mieter. Der Hauseigentümer würde ausstehende Rechnungen nicht zahlen, hieß es in den Schreiben. Der Energieversorger forderte die Bewohner auf, mit dem Eigner in Kontakt zu treten, doch keiner von ihnen hat diesen jemals zu Gesicht bekommen. „Ich kenne diesen Mann nicht,“ sagt Ferenc Rehberger.

Wahrscheinlich hat der Eigentümer zwischenzeitlich Zahlungen geleistet, sonst wären der Salon und die Wohnungen schon längst ohne Wasser und der Hausflur ohne Strom.

Doch seit Oktober fordert die Energieversorgung erneut ihr Geld. Immer wieder mahnt das Unternehmen schriftlich den Eigentümer und die Mieter. Die geforderte Abschlagszahlung von zunächst mehr als 596 Euro wurde mittlerweile auf 400 Euro reduziert. Doch sollte diese Summe nicht bis Ende der Woche eingegangen sein, nimmt der Versorger am Montag das Haus vom Netz.

Rehbergers Nerven liegen blank

Ferenc Rehberger reagiert. Ausführlich schildert er die Situation und bittet die EVO um Verständnis. Sogar dem Vorstandsvorsitzenden Michael Homann hat er einen Brief geschrieben. „Wer soll sich um das Zusammentragen der Summe kümmern? Warum kann die EVO nicht jedem Bewohner eine detaillierte Rechnung schreiben?“, fragt er sich. „Ich will zahlen,“ sagt er. „Aber nicht für das ganze Haus.“

Die Nachbarn um eine entsprechende Summe zu bitten, ist schwer. Nicht jeder ist bereit, Rehberger oder dem Hausmeister, der das Geld im Haus einsammeln würde, Geld zu geben. Salonbesitzer Rehberger versteht außerdem nicht, warum alle zu gleichen Teilen belastet werden sollen. „Weil ich hier nicht wohne, verbrauche nicht so viel, wie die anderen Mieter“, erklärt er. Dass die Bewohner nun selbst Verwaltungsarbeiten leisten sollen, findet der Hundefreund zudem nicht fair.

Der Energieversorger bleibt hart. „Wir können keine Rechnung an die Mieter schreiben, denn Kunde ist der Vermieter“, erklärt EVO-Pressesprecher Harald Hofmann. „Wir bitten die Mieter miteinander zu sprechen und gemeinsam die geforderte Summe aufzutreiben.“ Man sei in solchen Fällen sehr kulant, versichert Hofmann. Der Hausbesitzer schulde der EVO eine hohe Summe, auf die man schon seit langem warte. „Irgendwann müssen wir handeln.“ Sobald der Betrag überwiesen sei, würde man auf die Strom- und Wassersperre verzichten.

Rehbergers Nerven liegen unterdessen blank. „Dieser Ärger belastet mich sehr. Mein Zucker geht hoch “, sagt der Diabetiker. Sein Terminkalender für die nächste Woche ist voll. Wird das Wasser abgestellt, kann er nicht arbeiten. Dann stehen seinen „Hundekunden“ haarige Zeiten bevor.

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