Echtzeit statt Fahrplan-Zeit

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Eine optimierte dynamische Fahrgastinformation, Verbesserungen besonders für ältere Buskunden: Im europäischen Verbund wird entwickelt und geplant.

Offenbach - (tk) Für Offenbacher Busnutzer sind die elektronischen Tafeln an den großen Stationen momentan noch nicht so richtig hilfreich. Die Anzeigen stellen eigentlich nur eine moderne Version des guten alten Fahrplans dar, der das Soll, nicht aber das Ist anzeigt.

Das soll sich ändern: Ab Mitte des Jahres werden die Tafeln ähnlich wie bereits bei der S-Bahn verraten, um welche Uhrzeit der Bus tatsächlich erwartet werden darf.

Das ist der ganz praktische und zeitlich nahe liegende Ausfluss eines auf drei Jahre angelegten Programms der Europäischen Gemeinschaft, das 380 000 Euro nach Offenbach fließen lässt. Die örtliche Lokale Nahverkehrsorganisation (LNO) muss die gleiche Summe aufbringen, was aber laut ihrer Geschäftsführerin Anja Georgi und der Verkehrsdezernentin Birgit Simon kein Problem darstellt: Der Großteil werde über die Personalkosten verrechnet.

Das EU-Projekt, das über die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs auf Klima- und Umweltschutz abzielt, heißt auf Deutsch „Verbesserung von Anschluss- und Zugangsmöglichkeiten zu öffentlicher Mobilität“. Außer Offenbach dabei sind Frankfurt, Pirmasens, Genk in Belgien, Dordrecht in Holland, die Loire-Region, Thun in der Schweiz sowie in England Aberdeen, Stockport und Manchester, das die Projekte steuert. Jeder Teilnehmer bearbeitet einen anderen Schwerpunkt.

Offenbachs Part betrifft außer den beschriebenen neuen Echtzeit-Funktionen des „rechnergestützten Leitsystems“ die älteren heutigen und künftigen Kunden der Verkehrsbetriebe. In der Hebestraße konzipiert werden Beratungen und Schulungen für Senioren einschließlich eines Handbuchs und Hilfen für die im Internet erhältlichen Informationen. Vorbereitet wird eine „Senioren-Mobilitätskonferenz 2010“. Geprüft wird zudem, wie dynamische Fahrgastinformationen etwa für Sehbehinderte nutzbar gemacht werden kann und wo sie außer an den Haltestellen noch sinnvoll sein könnten. Anja Georgi denkt etwa an Ärzte- oder Altenzentren, wo sich regelmäßig viele Menschen aufhalten. Was das kleine LNO-Team mit „enormer Arbeitsmehrbelastung entwickelt, soll allen nutzen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Simon - vor allem aber den Älteren, die vom Auto auf den Bus umsteigen wollen oder müssen.

Das geschieht nicht über deren Köpfe hinweg. In Kürze beginnt eine Umfrage unter der Zielgruppe. Offenbacher im fortgeschritteneren Alter werden auf der Straße, aber auch in Seniorenzentren angesprochen.

Von den Ergebnissen der Offenbacher profitieren letztlich alle Beteiligten an dem auf Nordwesteuropa begrenzten Programm. Das funktioniert auch umgekehrt. Unter anderem sollen „transparente Preis- und Kostenmodelle“ entworfen werden. Und die hätte zumindest der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der Offenbachs Personentransport nicht unwesentlich beeinflusst, schließlich dringend nötig.

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