Erinnerung an das Attentat in München 1972

„Zur heiteren Stimmung gab es kein Zurück“

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Schmitt im Jahr 1971 bei einem Länderspiel der Herren U23.

Offenbach - Als die ersten Schüsse fielen, schliefen die Spieler der Deutschen Fußball Amateur-Nationalmannschaft noch in ihren Betten. Unter ihnen war der damals 23-jährige Egon Schmitt, Abwehrspieler und Kapitän der Offenbacher Kickers. Von Sebastian Faerber

500 Meter Luftlinie lagen zwischen dem Quartier der Fußballer und dem der Israelis. Zu weit, als dass die Schüsse sie hätten wecken können.

Der ehemalige Kickers-Spieler Egon Schmitt vor zwei Jahren im Stadion auf dem Bieberer Berg.

Erst um circa 8 Uhr klopfte die Mannschaftsleitung turnusmäßig zum Aufstehen an die Türen. Trainer und Betreuer berichteten den Spielern, dass es in der Nacht zu einem Überfall auf das israelische Mannschaftsheim gekommen war. „Genaueres wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, und von einem Terroranschlag war keine Rede“, erinnert sich Schmitt. So blieb ein unmittelbarer Schock aus.

Erst nach und nach sickerten mehr Informationen über das Fernsehen durch. Und Schmitt und seine Teamkollegen begriffen, welches Drama sich einige Meter weiter ereignete. „Da hatte ich mir schon Gedanken gemacht. Wir Sportler waren eine Gemeinschaft. Und wir wussten noch nicht, dass der Angriff gezielt den Israelis galt. Also dachte ich, es hätte jeden im Olympischen Dorf treffen können. Das war ein beklemmendes Gefühl.“

Die Mannschaft fuhr wie gewohnt ins Trainingszentrum

Da nicht abzusehen war, wie es weiter gehen würde, ob die Geiselnehmer vielleicht schnell aufgeben würden, fuhr die Mannschaft wie gewohnt in ihr Trainingszentrum in Unterschleißheim.

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Später am Tag erreichte die Fußballer die Nachricht, dass die Terroristen mit Hubschraubern das Dorf verlassen haben. „Da war ich zunächst erleichtert, dass sich die Kämpfe nicht im Olympischen Dorf ausgebreitet haben“, sagt der 63-Jährige, der heute im Saarland lebt.

Am darauf folgenden Tag – nach dem blutigen Ende – kursierten zunächst widersprüchliche Meldungen. Einige Medien spekulierten auf einen Abbruch der Spiele. „Wir waren froh, als es dann hieß, dass wir am nächsten Tag spielen werden“, gibt Schmitt zu. „Schließlich war es unser Traum, einmal bei Olympia dabei zu sein.“ Die Entscheidung, weiterzumachen, findet Schmitt auch aus heutiger Sicht noch richtig. „Die fröhliche, heitere Stimmung, die bis dahin geherrscht hatte, war natürlich vorbei. Dahin gab es kein Zurück“.

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