Ehemaliger Praktiker-Baumarkt

Hängepartie im Niemandsland

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Der ehemalige Praktiker-Markt an der Strahlenbergerstraße ist verwaist, das Grillhaus auf dem Parkplatz aber ist geblieben. Angelina Chpigoun (links) und Mitarbeiterin Oksana hoffen, dass bald ein neuer Mieter in das leerstehende Gebäude einzieht und ihnen neue Laufkundschaft bringt.

Offenbach - Seit der Praktiker-Baumarkt an der Strahlenbergerstraße vor zwei Jahren dicht gemacht hat, bleibt dem Grillhaus auf dem Parkplatz die Kundschaft weg. Ob und wann ein neuer Mieter kommt, ist unklar. Von Jenny Bieniek 

Wer nicht weiß, dass er da ist, nimmt von dem Imbiss an der Strahlenbergerstraße keine Notiz. „Seit der Baumarkt weg ist, sind wir unsichtbar“, klagt Angelina Chpigoun, die auf dem Parkplatz des ehemaligen Praktiker-Markts das Grillhaus Livas betreibt. Seit 14 Jahren grillt die 37-Jährige dort Hähnchen, frittiert Pommes und serviert russische Hausmannskost. Seit Praktiker im Herbst 2012 seine Pforten geschlossen hat, ist ihr Arbeitsplatz jedoch von Niemandsland umgeben. Nur wenige Kunden verirren sich noch auf das in großen Teilen verwaiste Gelände. Geblieben ist neben Chpigoun nur ein Friseur in der Ladenzeile des Gebäudes.

Von der Straße aus ist das Livas trotz aufgestelltem Pavillon kaum zu sehen. Noch weniger, seit die benachbarte McDonald’s-Filiale umbaut und Bauzäune aufgestellt hat. Der Versuch, mit großflächigen Schildern auf sich aufmerksam zu machen, scheiterte an der fehlenden Genehmigung des Bauaufsichtsamts. Denn als sogenannte Haupteingangsstraße unterliegt die Strahlenbergerstraße bestimmten Richtlinien und Einschränkungen, die zu große oder falsch platzierte Werbetafeln verbieten. Neue Gesichter sind am Tresen entsprechend selten.

Verlass ist nur auf die Stammkunden

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Früher standen im Livas zur Mittagszeit fünf Mitarbeiter hinter der Theke, heute kann davon keine Rede mehr sein. „Nur die Stammkunden halten uns über Wasser“, sagt Pächterin Chpigoun und hofft, dass sich für das leer stehende Gebäude endlich ein neuer Mieter findet. Was einst als kleiner Imbiss vorm Markteingang anfing, vergrößerte sich nach und nach zu allen Seiten, bis Chpigoun vor sechs Jahren beschloss, sich mit dem Grillhaus breiter aufzustellen. „Der Standort war toll. Wir hatten durch den Markt viel Laufkundschaft von Bauarbeitern und Heimwerkern, aus den umliegenden Bürogebäuden kamen zur Mittagszeit viele Gäste“, erinnert sich die 37-Jährige. Mit dem Wegzug des Deutschen Wetterdienstes aus dem Kaiserlei Richtung Innenstadt im Jahr 2008 fielen erstmals Teile der Kundschaft weg. Die Schließung des Baumarkts vier Jahre später traf sie dann mit voller Wucht.

Neben der Laufkundschaft blieben plötzlich Stammkunden weg. „Die dachten, wir hätten ebenfalls dicht gemacht, und waren verwundert, uns noch anzutreffen“, erinnert sich Chpigoun. War der Samstag vorher der stärkste Tag der Woche, dominierten plötzlich leere Plätze, vor allem in den ersten Monaten nach der Praktiker-Schließung. „Da dachten wir, wir müssen zumachen – dabei läuft unser Vertrag noch bis Ende 2015.“

Es dauerte einige Zeit, bis die Stammkunden zurückkehrten. Inzwischen gibt es auch eine Sommerterrasse. Ob und wann nebenan ein neuer Mieter kommt, ist jedoch unklar. Zwar hat die Metro-Group als Verpächter dem Grillhaus – ebenso wie dem Friseurladen – wegen der fehlenden Laufkundschaft bereits Mietminderung gewährt. Gerüchte, wonach die Marktkette Globus die Immobilie übernimmt, dementiert ein Metro-Sprecher jedoch. „Globus wird nicht einziehen“, heißt es dort auf Nachfrage. Man stehe aber in Verhandlungen mit mehreren Interessenten.

„Wir sind natürlich auch daran interessiert, das Gebäude schnellstmöglichst zu vermieten, schließlich kostet uns der Standort Geld.“ Da der Mietvertrag zwischen Metro und Eigentümern jedoch zum 31. Dezember 2015 endet und die Laufzeit mit Metro als Vertragspartner demnach nur 17 Monate betragen würde, suche man bereits zusammen mit den Eigentümern Nachfolger.

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