Ideen gegen den Leerstand

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Die Jugendkunstschule bringt schon mal Farbe in den ehemaligen Sitzungssaal der IHK (von links): Stadtplanerin Marion Rüber-Steins, Katharina Wagner und Felix Nowak vom Architekturbüro bb22 und Barbara Meyer, Leiterin der Jugendkunstschule.

Offenbach - Es ist der Versuch, in einer nicht mehr zeitgemäßen und leer stehenden Büroimmobilie in bester Innenstadtlage Wohnen und Arbeiten unter einem Dach zusammenzubringen. Von Matthias Dahmer

Im ehemaligen IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit läuft ein vom Bund gefördertes Modellprojekt. Im April soll unter dem Titel „WohnBüro Offenbach“ eine auf ein Jahr befristete Zwischennutzung des 1957 erbauten und seit einigen Jahren verwaisten Bürogebäudes starten. Zu den bisherigen Interessenten - weitere sind willkommen – zählen unter anderen eine Gruppe von Studenten der Fachhoschule Frankfurt, die Offenbacher Wohninitiative Kreativ-Haus und die Hochschule für Gestaltung. Die Nachfrage sei größer als das Angebot, sagt Felix Nowak vom Frankfurter Architekturbüro bb22, der zusammen mit der kommunalen Stadtplanerin Marion Rüber-Steins das Projekt betreut.

Ausgangspunkt des „WohnBüro Offenbach“ war ein Umnutzungskonzept, das von Studenten im Zuge des Architektursommers 2011 in Offenbach entwickelt wurde. Genutzt für die Erprobung neuer Wohn- und Arbeitsformen werden zunächst nur Erdgeschoss sowie erste und zweite Etage des sechsstöckigen Gebäudes, das der Mühlheimer Immobilienfirma Eduard Geisheimer KG gehört. Bei der Umwandlung von Büro- in Wohnraum sei man bestrebt, den „Charme der Arbeitswelt“ zu erhalten, so Felix Nowak.

Die IHK Offenbach nutze das Gebäude bis zum Jahr 1996, danach beherbergte der Bürobau bis 2006 das Staatliche Schulamt. Die Stockwerke sind jeweils zwischen 300 und 350 Quadratmeter groß und vom Zuschnitt naturgemäß eher wenig zum Wohnen geeignet. Dafür bestehe bislang aber die größte Nachfrage, berichtet Marion Rüber-Steins. Problematisch für eine übliche Wohnnutzung sind weniger die den früheren Büros geschuldete Aufteilungen der Räume als vielmehr die großen Sitzungs- und Tagungsräume sowie der Umstand, dass pro Etage nur zwei Toiletten und eine Küche zur Verfügung stehen. So sind Möglichkeiten zum Einbau von Duschen etwa begrenzt. Es gebe, typisch für solche Bürogebäude nur einen von unten nach oben verlaufenden „Nass-Strang“, sagt Architekt Nowak.

Sechs Euro pro Quadratmeter wird von den künftigen temporären Mietern verlangt. Der Preis ist nur zu halten, weil das „WohnBüro“ vom Bund ins Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städetbau“ aufgenommen wurde. Vom 1. Januar 2012, dem Start des Projekts, bis Ende 2014, also über drei Jahre gibt es einen Zuschuss von insgesamt 275 000 Euro. Gefördert werden damit eine begleitende Machbarkeitsstudie, die einjährige Zwischennutzung sowie am nächsten Sonntag beginnende Tage der offenen Tür (siehe Info-Kasten).

Was am Ende aus dem Modellprojekt wird, ob es einfach ausläuft oder ob aus ihm gar die Erkenntnis reift, es besteht Nachfrage nach einem Umbau in hochwertige Lofts, ist noch offen. Das sei letzlich die Entscheidung des Eigentümers, meint Stadtplanerin Rüber-Steins. Gedanklich und mittels Schaubildern festgehalten sind die teureren Dauernutzungen jedenfalls schon: Der große Sitzungssaal als Bühne für kulturelle Veranstaltungen, eine Etage für eine Studenten-Wohngemeinschaft, eine weitere für eine Senioren-WG, in einem Stockwerk drei Wohnungen für Familien oder zwei Lofts, das begrünte Dach als Gemeinschaftsfläche für sommerliche Grillpartys – der Phantasie der Planer sind keine Grenzen gesetzt.

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