Andere sammeln Briefmarken

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Bei der Ehrenamtspreisübergabe von links: „Paula“ der Paul-Gerhardt-Gemeinde mit Moritz Borm, Frauke Hag und Steffen Albert, Ehrenamtsreferent Reinhard Knecht, Natascha Friedrich, Martina Korth (Stadtjugendring), Claudia Kaufmann-Reis (Jugendamt), Sebastian Irgel, Walter Füssel, Markus Hähnel (Jugendfeuerwehr).

Offenbach - Erlebnisse, die es wirklich wert sind, gehen nicht so schnell vergessen. Und an vieles, das Offenbacher Jugendliche in diesem Jahr dank des Engagements Ehrenamtlicher erlebten, werden sie sich wohl noch als Erwachsene gern erinnern. Da ist sich Martina Korth recht sicher. Von Stefan Mangold

Die Vorsitzende des Stadtjugendrings gehörte der Jury für die Verleihung der diesjährigen Ehrenamtspreise der Stadt an. Überreicht wurden die beiden mit je 500 Euro dotierten Auszeichnungen am Dienstagabend von der stellvertretenden Jugendamtsleiterin Claudia Kaufmann-Reis an zwei Gruppen, die dem Nachwuchs mehr als nur ein wenig erinnerungswürdiges Vergnügen beschert haben.

Zum einen an 14 Jugendliche und einen jungen Mann, der sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Paul-Gerhardt-Gemeinde ableistete. Die jungen Christen hatten in den vergangenen Osterferien ein Programm für 34 Schüler organisiert. Solch ein Freizeitangebot gibt es schon seit Jahrzehnten, es hat sich längst herumgesprochen und keineswegs unter Mangel an Interesse zu leiden, wie Frauke Hag (14) für die Gruppe versicherte.

Die meisten Schüler, die Ausflüge unternahmen, bastelten, sich in Akrobatik übten oder auf kulinarischem Terrain jenseits von Fritten und Hamburgern miteinander kochten, „kommen aus dem Umkreis der evangelischen Gemeinden“, berichtete Julia Reisinger (17). Teilnehmen könne aber jeder.

Bei der Preisverleihung wäre jeder willkommen gewesen

Und auch bei der Preisverleihung wäre jeder willkommen gewesen. Dass einige der insgesamt fünf Bewerber trotzdem nicht erschienen, bedauerte Markus Oelschläger, Mitglied im Vorstand des Stadtjugendrings, ausdrücklich. Weil immer im Vorfeld durchsickere, wer gewonnen hat, blieben unterlegene Kandidaten der Veranstaltung fern. Sportsgeist bewiesen allerdings die Vertreterinnen des Judo-Sportclubs Samurai, denen Claudia Kaufmann-Reis keinen Preis geben konnte, „weil wir uns irgendwie entscheiden mussten“. Trotzdem kamen die Judoka und applaudierten den Vertretern der Jugendfeuerwehr, die den anderen Preis mit nach Hause nahmen.

Der städtische Ehrenamtsreferent Reinhard Knecht gab bei dieser Gelegenheit das Gespräch mit einem der Jugendlichen wieder. Der habe erzählt, was passiere, wenn es in einer Großstadt des Herkunftslands seiner Großeltern brenne – „nämlich nichts, das Haus brennt ab“. Die entsprechende Infrastruktur fehle, „eine Freiwillige Feuerwehr ist unbekannt“. Und auch in Deutschland sei die Überzeugungsarbeit oft schwer. Es erfreuten sich nun mal nur die wenigsten daran, nachts aus dem Bett zu steigen, um Leute aus dem Auto zu schneiden oder einen überschwemmten Keller leerzupumpen.

„Andere sammeln Briefmarken, ich bin bei der Feuerwehr“

Für die Jugendfeuerwehr nahm deren kommissarischer Leiter Walter Füssel den Preis entgegen. „Andere sammeln in ihrer Freizeit Briefmarken, ich bin bei der Feuerwehr“, erklärt er lapidar die Motivation für sein Engagement. Füssel erlebt in seinem Beruf als Polizist eigentlich genügend aufregende Momente und fährt dennoch „so oft es geht“ bei Alarm mit den Kameraden aus.

Die Jugendfeuerwehr hatte im Juli einen Workshop auf die Beine gestellt. Zehn Kinder verbrachten einen Tag miteinander, beobachteten die Berufsfeuerwehr beispielsweise dabei, wie die auf der B448 übte, aus einem gekippten Unfallauto Menschen zu befreien. Hinterher durften die Feuerwehrjungs und -mädchen selbst ausprobieren, wie sich eine beschädigte Tür öffnen lässt. Neben vielen weiteren Programmpunkten organisierte die Wehr außerdem eine moderne Schnitzeljagd mit Satellitenunterstützung.

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