Ehrenbrief für Offenbacher

Drei auf einen Streich

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Dreigespann der Ehrenbriefträger (von links): Ulrich Urban, Volker Hermann und Wolfgang Braun mit geschmücktem Oberbürgermeister Horst Schneider.

Offenbach - Wolfgang Braun, Volker Hermann und Ulrich Urban aus der Frei-religiösen Gemeinde erhalten den Ehrenbrief des Landes Hessen. Den gibt es für ihr herausragendes soziales Engagement. Von Sarah Neder

Um einen Wortwitz ist der frischgebackene „Ehrenbriefträger“ Wolfgang Braun bei seiner Dankesrede nicht verlegen: „Ich freue mich über die Auszeichnung wie ein Hypochonder auf ’nem Ärztekongress“, scherzt er. Braun und seine Freunde Volker Hermann und Ulrich Urban erhalten den Ehrenbrief des Landes Hessen im Sitzungssaal des Offenbacher Rathauses. Die Männer verbindet neben jahrelanger Freundschaft vor allem die Arbeit in der Frei-religiösen Gemeinde.

Braun hat 1973 das Amt des Gemeindevorstehers übernommen, seit 1995 ist er stellvertretender Vorsitzender. Der Frei-Religiöse zeigt keine Scheu vor den konfessionellen Nachbarn: Braun ist seit 45 Jahren bei der katholischen Kolpingfamilie aktiv, organisiert dort Rallyes und Jugendveranstaltungen. In der Fastnachtszeit ist der gebürtige Offenbacher bei den Kolpingelfern eine Institution.

Hermann ist seit den späten 80ern Rechner des Vorstands und nennt sich scherzhaft wie die geizige Ente Dagobert Duck. Seinem Beruf als Banker frönt er so auch in der Freizeit. Urban, der hauptberuflich die älteste Fahrschule Offenbachs betreibt, ist seit 1988 Gemeindevorsteher der Frei-Religiösen sowie Vorsitzender des Frei-religiösen Sozialhilfswerks. Außerdem engagiert er sich beim Technischen Hilfswerk.

„Das Leben ist kein Freizeitpark“

Allen drei „Ehrenbriefträgern“ ist wichtig, dass ihr Ehrenamt auch in Zukunft bestehen bleibt. „Wir müssen junge Menschen motivieren und den Nachwuchs fördern“, fordert Kickersfan Hermann in seiner Laudatio. Er appelliert an die jungen Gemeindemitglieder, das gleiche Maß an Geduld und Ausdauer mitzubringen, das brauche man nämlich im Ehrenamt. „Wir Alten wissen, dass das Leben kein Freizeitpark ist – da kann man nicht beim ersten Gegenwind einknicken.“ Außerdem sei der Teamgeist für langfristiges Engagement unerlässlich. So gilt der Dank der Geehrten auch den anderen Vorstands- und Gemeindemitgliedern.

Oberbürgermeister Horst Schneider, mit Amtskette geschmückt, überreicht den Ehrenbrief als Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit. „Die Stadt und die Gesellschaft brauchen Menschen wie diese drei“, lobt er das soziale Engagement der Männer. Sie hätten sich über das Normalmaß hinaus für die Gemeinschaft eingesetzt. Schneider lobt besonders die Entscheidung der Gemeinde, 2006 eine eigene Kindertagesstätte zu eröffnen, in deren Ausschuss alle drei Geehrten seit der Entstehung tätig sind. Diese hat der kirchliche Träger zur Hälfte aus Eigenmitteln finanziert. Der Oberbürgermeister würdigt dies als „unschätzbaren Einsatz für das öffentliche Leben“.

Erbe der Gemeindegründer weiterentwickelt

Auch die Vizepräsidentin des Hessischen Landtags, Heike Habermann, gratuliert den Frei-Religiösen zum Landesehrenbrief. Die seit 1845 bestehende Gemeinde sei offen und aktiv für alle Offenbacher, sie lebe Integration und fördere den Zusammenhalt. Als Mitglied der Gemeinde am Schillerplatz schätzt Habermann besonders deren Offenheit für Menschen jeden Glaubens.

Glückwünsche aus eigenen Reihen dürfen bei der Auszeichnung nicht fehlen: So zeigt sich Gemeindepfarrer Heinrich Keipp dankbar für die Aufopferung. Sie haben das Erbe der Gemeindegründer hochgehalten und weiterentwickelt. Keipp und Vorstandsmitglied Gerhard Stier haben die drei Ehrenämtler für den Landesehrenbrief vorgeschlagen. Für musikalische Unterhaltung zu diesem festlichen Anlass sorgt Ronald Fries am Piano. Der Musiker ist auch Organist der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach.

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