Lieblingsmaterial Stahl

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Was Andreas und Chris Ehrlich auch zaubern: Immer darf sich ein Zuschauer vom Zustand des Materials überzeugen.

Offenbach - Ist es Sinnestäuschung? Magie? Parapsychologie? Oder nur ein simpler Techniktrick? Mehr als 1000 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle werden es nie erfahren. Und das ist gut so. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Sonst würde sich das Staunen, das die Ehrlich Brothers verbreiten, in Luft auflösen. Mit „Zwei Brüder verzaubern die Welt“ boten Andreas und Chris Ehrlich am Sonntag auf ihrer Deutschlandtour ein knapp zweistündiges Programm mit reichlich Action und magischen Momenten. Wer in der aufgeklärten Welt seinen Lebensunterhalt mit unerklärlichen Phänomenen bestreitet, muss etwas drauf haben.

Da reicht es nicht, sich hinter einem Tuch in Sekundenbruchteilen vom Schlabberlook in Jeans und Sakko umzukleiden, wie Chris Ehrlich das vor enttäuschten Damen demonstriert. Nein, die Ehrlichs (ein kurioser Name für Zauberer!) fahren nach der Warmlaufphase schweres Geschütz auf. Lieblingsmaterial ist massiver Stahl, die Bühne eine Mischung aus Industriehalle und Erfinderwerkstatt der Knetfiguren Wallace und Gromit. Alle sechs Assistenten tragen graue Arbeitskleidung, es riecht nach verbranntem Metall. Um die Authentizität zu beweisen, darf für jede Nummer ein Zuschauer auf die Bühne.

So soll Gerhard mit dem Riesenhammer auf eine tischgroße Stahlplatte hauen. Andreas: „Was ist massiver, menschlicher Wille oder Stahl? Was passiert, wenn man Menschen einsperrt?“ Die Platte wird auf ein Gestell gelegt, Chris legt sich darunter, alles wird mit Tüchern verhüllt. Nochmal haut Andreas auf das Metall. Alles fest. Doch während auf der Leinwand als Synonym für den Freiheitswillen Bilder vom Berliner Mauerbau ablaufen, geschieht das Unfassbare: Unter dem Tuch durchdringen Chris’ Körperteile die Platte, schließlich der komplette Körper.

Es lebe die Zauberei

Zum Löffelverbiegen gibt es Anleitungen im Internet. Für die Ehrlichs Kinderkram: „Löffelverbiegen war gestern, heute sind Bahnschienen dran!“ So rollen die Assistenten zwei meterlange Schienenstrangstücke herein. In einem Riesenspektakel wird mit einer überdimensionierten Flex ein Stück abgetrennt, es stinkt und kracht, die Bässe wummern. Tatsächlich, für alle sichtbar: Es ist massiver Stahl. Doch wer ohne Berührung Löffel verbiegt, dem kann eine Schiene nicht widerstehen. Zu zweit verbiegen die Ehrlichs die Stränge, diese werden auf einem Gestell befestigt und bilden ein stählernes Herz.

Wie das gehen soll? Gabi und Peter sind schuld. Sie sind seit 28 Jahren verheiratet. „Die Liebe entwickelt unglaubliche Kräfte“, erklärt Andreas. Mit einer Polaroidkamera bekommt das Paar ein Foto vorm Schienenherz. Gern holen sich die großen Zauberjungs Kinder auf die Bühne. Marie ist sieben Jahre alt und folgt brav den Anweisungen. Mit einer Gießkanne muss sie einen Orangenkern wässern. Der Kübel kommt in ein Mini-Gewächshaus, dann wird gepustet. Und aus dem Kern wächst ein Bonsai-Orangenbaum mit Früchten, den die Kleine mitnehmen darf.

Finale: Chris liegt gefesselt unter einer Plane, sechs riesige Kreissägen rotieren zwei Meter über ihm. Die Elektrik versagt, innerhalb von Sekunden krachen die Sägeblätter durch den Tisch – und Chris taucht wohlbehalten im Publikum auf - es lebe die Zauberei!

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