Ehrlichkeit kommt auf den Prüfstand

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Die Geschäftsführer Saber Trabelsi (links) und Ralf Hohmann zeigen Produkte von einem Testkauf, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen.

Offenbach - In einer wirtschaftlichen Nische haben Ralf Hohmann und Jürgen Kiefer den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Wir kontrollieren ständig Inventurverluste“, sagt Hohmann, Geschäftsführer der Testkauf GbR, unserer Zeitung in Offenbach. Von Marc Kuhn

Sie arbeiten mit ihrem im September des vergangenen Jahres gegründeten Unternehmen für neun Gesellschaften von Aldi, für HDS Retail, einer Firma, die Zeitschriftenläden in Flug- und Bahnhöfen betreibt, und für Hit in Wiesbaden. Der Betrieb mit drei Festangestellten und 15 Aushilfen bietet Testkäufe und Detektivdienste an. Die Geschäfte laufen gut. „Bei uns gibt es keine Krise“, berichtet Hohmann. Testkäufe seien gewinnbringend.

Schwachstellen sollen aufgedeckt werden.

Mit ihnen wollen die Discounter unter anderem Inventurverluste und Schwachstellen aufdecken. So wird überprüft, ob Kassierern Artikel auffallen, die beim Bezahlen im Einkaufswagen liegen gelassen werden, wie Hohmann erklärt. Zudem werde beispielsweise getestet, ob Produkte mit gleicher Verpackung, aber unterschiedlichen Preisen richtig abgerechnet würden. Durch Unregelmäßigkeiten entstehen Inventurverluste - aus kleinen Beträgen werden bei den großen Unternehmen rasch hohe Kosten. Bei Aldi, Hit und HDS setze sein Unternehmen auch Jugendliche als Testkäufer ein, erläutert Hohmann. Mit Hilfe der Minderjährigen werde überprüft, ob Alkohol oder Tabak an sie verkauft werde. Darüber hinaus würden Mitarbeiter der Offenbacher Firma an Überwachungskameras des Discounters sitzen. Testkäufe werden auch in den Zeitschriftenläden von HDS Retail vorgenommen, wie Hohmann sagt. „Wir überprüfen Mitarbeiter auf Ehrlichkeit.“ Gebe er beispielsweise ein angeblich gefundenes Portemonnaie nicht beim Chef ab, falle dies auf. Zudem würden Detektive eingesetzt, die Diebstähle im Stil der organisierten Kriminalität aufdecken. Dabei würden sie mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

„Wir wollten unabhängig agieren.“

Erfahrungen als Unternehmer hatte Hohmann bereits vor der Gründung seiner Testkauf GbR reichlich gesammelt. Früher verdiente er sein Geld mit einer Kurierdienstfirma, die wegen der Konkurrenz der großen Unternehmen pleite gegangen sei, berichtet der 44-Jährige. Bis 2012 befindet er sich noch in der sogenannten Wohlverhaltensphase - er stottert seine Schulden ab. Er heuerte danach bei verschiedenen Sicherheitsunternehmen an. Schließlich fasste er den Entschluss zur Firmengründung. „Wir wollten unabhängig agieren“, erklärt Hohmann. „Das, was die Arbeitgeber durch uns verdienen, können wir auch verdienen.“ Die Startphase sei allerdings schwierig gewesen, weil er noch in der Insolvenz gewesen sei. Von Banken habe er kein Geld erhalten. „Für den Beginn haben wir uns 5000 Euro geliehen.“ Vor Gericht mussten sich die Gründer Fördermittel der Agentur für Arbeit erstreiten.

Büro im Gründercampus in Offenbach

Das erste Büro war in Hohmanns Privatwohnung, mittlerweile ist es im Gründercampus Ostpol in Offenbach. Zunächst konnten sich die Selbstständigen nur ein Notebook leisten. „Aus dem Laptop wurde ein PC“, sagt Hohmann, der die Geschäfte mittlerweile mit Saber Trabelsi führt. „Wir konnten uns monatlich immer mehr leisten.“ Aber: „Es ist ein hartes Geschäft. Ich bin sieben Tage in der Woche unterwegs.

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