Ehrung für Olympioniken

Schöne, sportliche Männer

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Porträts des Offenbacher Malers Helmut Kaben, die vielleicht mehr wert sind als jede Medaille, erhielten die Olympia-Wettkämpfer Johannes Schmidt und Pascal Behrenbruch (Mitte). Sie trugen sich bei der Rudergesellschaft Undine ins Goldene Buch der Stadt ein.

Offenbach - Parallelen jenseits sportlicher Leistungen hat Jürgen Weil, Leiter des städtischen Sportbüros, zwischen den Sportlern entdeckt, die sich gerade ins Goldene Buch der Stadt einschreiben. Von Stefan Mangold

Nicht nur, dass Pascal Behrenbruch (27) und Johannes Schmidt (30) bei den Olympischen Spielen in London teilnahmen, weshalb sie im Restaurant der Offenbacher Rudergesellschaft Undine zum Stift greifen dürfen – Schmidt als Ruderer bei den Paralympics, den Wettkämpfen der Behinderten, Behrenbruch als Zehnkämpfer. „Zum anderen dürftet ihr beide im Stadtkrankenhaus auf die Welt gekommen sein“, tippt Weil. Die beiden widersprechen nicht.

Was die Männer außerdem verbindet ist die Platzierung in London: Schmidt belegte den elften Platz, Behrenbruch den zehnten. Weshalb sich der Wassersportler gar nicht grämen müsse, trotz größerer Erfolge in früheren Tagen. In seiner Jugend ruderte sich Schmidt in die nationale Spitze. Nach der Bundeswehr qualifizierte er sich beinahe für die U23-Weltmeisterschaft, „doch dann brach ich mir den Fuß“. Anschließend hatte sein Studium in Darmstadt Vorrang.

Die Beine kann der Maschinenbauingenieur aus Bürgel auf der 1000 Meter langen Rennstrecke nicht mehr einsetzen. Vor vier Jahren zog er sich bei einem Unfall eine Querschnittslähmung zu. „Während der Reha fing ich bereits mit Sport an.“ In der Garage seiner Eltern übte er später auf einem Ergometer. Anfang 2011 begann Schmidt mit Jochen Weber als Coach bei der Undine in Fechenheim zu trainieren. Das Ziel war klar: Teilnahme an den Paralympics. Nach wie vor unterstützt ihn außerdem Marie-Luise Vogel vom WSV Bürgel, die Trainerin seines früheren Vereins.

Eintrag ins Goldene Buch

„Meine Konkurrenten sind wesentlich breiter gebaut als ich“, weiß Johannes Schmidt. Er müsse mit seiner Technik dagegen halten. Sein Arbeitgeber, die Maschinenfabrik Vibra, gab ihm vor den Spielen fürs Training sechs Wochen frei. Schmidt hatte sich in der Analyse zuvor tatsächlich den elften Platz ausgerechnet, natürlich hoffend, „mich ein wenig nach vorn schieben zu können“. In London schwächte ihn dann indes eine Mittelohrentzündung. Dennoch sei es eindrucksvoll gewesen, „an einer vollbesetzten Tribüne entlang vor 30.000 Zuschauern zu rudern“.

Behrenbruch wiederum spendet der Sportkreisvorsitzende Peter Dinkel Worte des Trostes: „Pascal, du hast in London gezeigt, dass du keine Maschine bist.“ Aber dennoch ein äußerst erfolgreicher Wettkämpfer. Schließlich schaffte Behrenbruch, was bundesdeutschen Weltrekordlern wie Jürgen Hingsen und Guido Kratschmer nicht gelang: Er darf sich Europameister nennen. Ende Juni gewann er in Helsinki. Öffentlich habe er das nicht gemacht, „aber mein Ziel war ganz klar, in Finnland zu gewinnen“. Nach den 110 Meter Hürden, der ersten Disziplin des zweiten Tages, habe er gespürt: „Das haut heute hin!“ Ebenso wie er in London nach dem dritten Akt, dem Kugelstoßen, wusste: „Das wird nichts mehr...“

Der selbstbewusste Modellathlet, dessen Figur und Konterfei an die Protagonisten von Leni Riefenstahls Olympiafilm „Fest der Völker“ erinnern, hätte den Gewinn der Europameisterschaft gern gegen eine Silbermedaille getauscht. Die mediale Aufmerksamkeit bei olympischen Spielen sei unvergleichbar. Er habe Zuschriften aus Brasilien bekommen, die sein Äußeres mit den Worten lobten: „Du bist ein schöner Mann!“ Den der Offenbacher Maler Helmut Kaben ebenso porträtierte wie Schmidt. Die Bilder überreicht Sportdezernent Peter Schneider den Sportlern zum Eintrag ins Goldene Buch. Deren Geburt im Stadtkrankenhaus kommentiert er mit den Worten: „Damals ging es dem Klinikum noch gut.“

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