Vermarktungsstart für das Ex-Lohwaldareal

„An den Eichen“ wird Offenbachs botanisches Viertel

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Als Werbeträger für das Wohngebiet „An den Eichen“ dienen Plakate, das Internet und ein Linienbus. Der rote Kleinstwagen zählt nicht dazu.

Offenbach - „Waldheim-Süd“ war ein kurzes Dasein beschieden. Das 16,8 Hektar große Areal südlich der Mühlheimer Straße, dem Stadtplaner nach „Entmietung“ 2003 und Komplettabriss der Lohwaldsiedlung eher eine geographische Umschreibung denn einen sympathischen Titel verpasst hatten, firmiert ab sofort offiziell unter dem Namen „An den Eichen“. Von Marcus Reinsch

Es ist Offenbachs größtes zusammenhängendes Neubaugebiet. Und nach Jahren des relativen Stillstands ist nicht nur bei der federführenden Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) die Hoffnung groß, dass das Terrain schneller in die Höhe wächst, als das seine Namenspaten im nahen Grün des echten Lohwalds zu tun pflegen.

Nach der „Umsiedlung“ der Bewohner 2003 und dem Abriss der Wohnblocks hatte es so ausgesehen, als würden auf dem Gelände der ehemaligen Lohwaldsiedlung Träume für lange Zeit die sprichwörtlichen Schäume bleiben. Doch jetzt scheinen Träume Bäume sein zu dürfen; die Vermarktung des Wohngebietes „An den Eichen“ hat gestern begonnen.

Dem Zufall ist dabei eine nur untergeordnete Rolle zugedacht. Wie entschlossen die Strategen am Konzept für die gestern eingeläutete Vermarktungsphase getüftelt haben, ist in der ganzen Stadt sichtbar. Es wird im großen Stil fürs Häuslebauen getrommelt. Da sind allumfassende Infomappen mit schönen Worten und hübschen Computergrafiken.  Litfaßsäulen und Bushaltestellen sind mit Plakaten bestückt. Und mit dem passend lackierten An-den-Eichen-Linienbus gab es zum Vermarktungsstart eine kleine Besichtigungsfahrt.
Es gibt natürlich noch nicht viel zu besichtigen; ein Zukunftsblick ist zwangsläufig ein gesenkter Blick. Dort - zwischen großen Wildwuchs-Flächen, Stromhäuschen und einem fast fertigen Spielplatz - verlaufen die ersten Straßen. „An den Eichen“ wird Offenbachs botanisches Viertel. Die künftigen Bewohner werden Adressen am Veilchenweg, Ginsterweg, Krokusweg und Heckenpfad, Lupinienweg, Efeuweg und Am Waldrand haben. Umfahrbar wird das Ganze auf der mittels zwei Kreisverkehren verkuppelten Eichenallee, der Kastanienstraße und der Straße an den Linden.

Der Internetauftritt

www.an-den-eichen-of.de

ist erreichbar.

Bisher sind 120 Richtung Süd-Südwest ausgerichtete Grundstücke erschlossen. Insgesamt 160 Grundstücke in Größen zwischen 150 und 715 Quadratmetern zu Quadratmeterpreisen zwischen 360 und 400 Euro können es am Ende werden. Unternehmen wie „Interhausbau“ und „Casa Nova“ bieten den Bau schlüsselfertiger Ketten- oder Reihenhäuser mit Wohnflächen zwischen 147 und 165 Quadratmetern in der Preisspanne von 243 300 bis 334 000 Euro an. Hinzu sollen sich im ersten Bauabschnitt 19 freistehende Einfamilien- oder Doppelhäuser und später 80 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gesellen. Schon in wenigen Jahren könnten „An den Eichen“ hunderte Menschen wohnen.

Momentan wohnt hier niemand. Aber das Richtfest für das erste Haus ist, wenn auch in etwas einsamer Umgebung, schon von einigem Offiziellen-Stolz begleitet worden. Und gestern errichteten selbige auf dem Areal ein Domizil der Zuversicht. Ein nicht greifbares, weil rein verbales natürlich. Doch zum Glauben, dass auf viele schöne Worte tatsächlich bald viele schöne Bauten folgen werden, scheint kein Zweckoptimismus mehr nötig zu sein. Es darf jetzt der „gedämpfte Optimismus“ sein, zu dem Oberbürgermeister Horst Schneider gestern in der Hoffnung aufforderte, dass zum öffentlich investierten Geld alsbald privates fließen wird.

Positiv denken auch SOH-Geschäftsführer Joachim Böger („Wenn wir in Offenbach etwas Neues machen, muss es Qualität haben. Wir sind vom Erfolg überzeugt“), der kaufmännische SOH-Leiter Dieter Lindauer („Es ist ein Baugebiet mit vielen Vorteilen“) und Bürgermeisterin Birgit Simon, der besagte Vorteile als Umweltdezernentin besonders am Herzen liegen: Jedes neue Haus muss eine bestimmte Energieeffizienz erreichen. Ein Ziel, das mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern, Holzpellets zum Heizen und anderen umweltschonenden Techniken erreichbar ist und gleichsam für den Zugang zu staatlicher Förderung sorgt. Manchem Interessenten scheint selbst diese Nachhaltigkeit noch ausbaufähig. Dieter Lindauer hat bereits eine Anfrage nach der Machbarkeit eines Passivhauses registriert. In ein solches wird dank besonderer Dämmung erst gar keine Heizung eingebaut.

Und der Besuch eines anderen Interessenten war sogar noch interessanter. Der Mann aus der einstigen Lohwaldsiedlung informierte sich über die Möglichkeiten eines Hausbaus „An den Eichen“.

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