Geselliges Basteln

Eierwärmer in Kickers-Farben

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Geschafft! Die Kinder präsentieren im Stadtteilbüro am Mathildenplatz stolz die hübschen Ergebnisse ihrer österlichen Bastelei.

Offenbach - Samir ist nicht so nach Basteln. Der Achtjährige hat sein Tablet vor sich und daddelt das Spiel Mindcraft. Von Harald H. Richter 

Der zwei Jahre jüngere Vincenzo darf auch mal an die Tastatur, indes seine Oma sowie etliche Mütter, Großmütter und Kinder um den langen Tisch im Stadtteilbüro am Mathildenplatz versammelt sind. „Kinder, lasst uns Eier färben“ lautet das Motto, mit dem der Offenbacher Ableger der Frankfurter Tafel auch diesmal nach den kalten Wintertagen den Frühling begrüßen und weniger betuchten Familien zu Ostern eine Freude bereiten möchte.

Leiterin Christine Sparr und ihr ehrenamtliches Helferteam haben im Vorfeld bei Sponsoren um Sachspenden aller Art geworben und verschiedene Bastelmaterialien beschafft. „Zwei stillen Förderern ist es zu verdanken, dass wir unter anderem 500 Schokoladen-Osterhasen an unsere Tafelkinder verteilen können“, freut sich Sparr. An diesem Gründonnerstag wird aber noch allerlei mehr aufgetischt. Als schmackhaften Mittagsimbiss gibt es Pellkartoffeln mit echter „grie Soß“, schon im Vorfeld wurden leckere Muffins gebacken und diverses Naschwerk besorgt. Das lassen sich die Mädchen und Jungen selbstverständlich schmecken.

Hart gekochte Hühnereier

Vor Beginn der Veranstaltung hat das Team der Tafel jede Menge hart gekochte Hühnereier in der Küche des Stadtteilbüros ins Farbbad getaucht , so dass allen Kindern genügend Auswahl zur Verfügung steht. Mittels Motivschablonen oder auch freihändig lassen sich die Eier zusätzlich bemalen und verzieren, ins hübsch gestaltete Nest legen oder zwischendurch auch vertilgen. „An Nachschub mangelt es nicht“, sagt Christine Sparr. Sie ist zufrieden, dass nach und nach weitere Eltern mit ihren Sprösslingen eintreffen um mitzumachen.

Der zehnjährige Patrick aus Bieber und seine ältere Schwester Patricia sind voller Eifer bei der Sache. Auch deren Mama ist im Bastelfieber. Anzuchttöpfchen werden mit grünem Gras ausgekleidet und zu Eierbechern beziehungsweise kleinen Nestern umfunktioniert. Ob mit Federn versehen oder bunt beklebt, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, den bunten Eiern ein fröhliches Antlitz zu verleihen. Aus mehreren Papptellern entstehen Osterhasengesichter, die sich wattieren und mit Süßigkeiten befüllen lassen. So entstehen nach und nach kleine Kunstwerke, die erst einmal ins Schaufenster gestellt werden, um vorbeikommende Passanten auf die österliche Kreativwerkstatt im Stadtteilbüro hinzuweisen.

Österlicher Aktionstag im Kloster (Archiv)

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Auch die achtjährige Mona hat schon einiges gebastelt und präsentiert ihre Resultate. Sie ist mit ihrer Oma an den Mathildenplatz gekommen. Großmutter Marion scheinen die gestalterischen Ideen nicht auszugehen. Eben noch hat sie ein kleines Weidenkörbchen mit bunten Bändern umwickelt, als nächstes häkelt sie ein paar eierwärmende Mützchen. Keine gewöhnlichen, wie ihre Enkelin betont, sondern ganz besondere. „Die Oma ist Kickers-Fan“, klärt Mona auf. Einleuchtend also, warum die Kopfbedeckungen in kleidsamem Rot und Weiß gehalten sind.

„Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“ Das aus dem Goethe-Gedicht „Osterspaziergang“ entliehene Zitat trifft die Atmosphäre, die an diesem Nachmittag den Raum erfüllt. Selbst Kinder, denen die christliche Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi fremd ist, finden Gefallen an den Bräuchen rings um Meister Lampe als zuverlässigen Lieferanten des Ostereis. Dessen Ursprung im christlichen Glauben ist bis heute zwar nicht ganz geklärt, es gilt aber in der Kunstgeschichte als Symbol für die Auferstehung. Auch in anderen Religionen steht es für neu Entstehendes und Wiedergeburt, da aus ihm Leben schlüpft. Zuguterletzt legt auch Vincenzo das Computerspiel beiseite und bastelt mit. „Aber die Oma darf nicht schauen, was ich mache. Sonst ist es ja keine Überraschung mehr.“ Recht hat er.

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