Eigenbetrieb fegt jetzt günstiger

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Moderne Kehrmaschinen sorgen für eine höhere Reinigungseffizienz und entlasten künftig den Geldbeutel der Offenbacher.

Offenbach - Es weihnachtet im Rathaus: Das passende Geschenk legt der Magistrat allen Offenbachern unter den Christbaum: Zum 1. Januar – vorbehaltlich der Zustimmung im Stadtparlament – sinken die Gebühren für die Straßenreinigung. Zehn Prozent weniger sind’s im Schnitt. Von Martin Kuhn

Auch in diesem Fall macht’s die Masse. Für alle Gebührenzahler bedeutet das eine jährliche Entlastung von gut 440.000 Euro. Bevor grenzenloser Jubel für diese ungewohnte Drehung an der Gebührenschraube ausbricht: Die Stadtverordneten berieten gestern Abend über eine Erhöhung an anderer Stelle, den Friedhofs- und Bestattungsgebühren.

„In den vergangenen Jahren ist ein Gebührenpolster entstanden“

Der erfreuliche Anlass reizt natürlich zu der Frage, ob die Offenbacher über Jahre nicht zu viel bezahlt haben? Das lässt sich nicht pauschal und einfach beantworten. In den vergangenen Jahren sei ein Gebührenpolster entstanden, sagt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP): „Das wollen und müssen wir, wie ich finde, weitergeben. Wir wollen ja kein Sparbuch für die Bürger anlegen.“ Das ehrt den Freidemokrat, der vorrechnet, dass Stadtdienstleister ESO einen Überschuss von 2,2 Millionen Euro in elf Jahren angehäuft hat. So lange ist seit der letzten Änderung der Gebührensatzung vergangen.

Der ESO-Geschäftsführer Peter Walther bringt’s auf den Punkt: „Tourenoptimierungen und technische Hilfsmittel sorgen für eine höhere Effizienz.“ Beispiel: Die Laubbläser stören zwar das Ruhebedürfnis der Anwohner, entlasten diese aber um ein paar Euro im Jahr. So seien vor 15 Jahren zur Beseitigung des herbstlichen Laubabwurfs etwa 25 Leiharbeiter engagiert worden, die diesen zusammenfegten und wegkarrten. Heute blasen die Mitarbeiter das Laub auf die Straßen, Kehrmaschinen nehmen es auf und laden es an zentralen Punkten im Stadtgebiet ab. Die eigentliche Abfuhr erfolgt in Großcontainern.

40 statt ursprünglich 50 Mitarbeiter

„Zusätzliches Personal brauchen wir da nicht“, sagt Walther. Im Gegenteil: Seit 2004 arbeiten im Bereich der klassischen Stadtreinigung nur noch 40 statt ursprünglich 50 Mitarbeiter, der gesamte Personalstamm des ESO ist allerdings leicht gestiegen – auf mehr als 330. Aber auch technische Entwicklungen zahlen sich aus. Die Kehrmaschinen der neuesten Generation haben nicht nur eine größere Leistung, sondern sind multifunktional. In der kalten Jahreszeit wird mit ein paar Handgriffen aus der Kehr- eine Salzstreumaschine. Das ermöglicht eine Verschlankung dieses ESO-Fuhrparks um etwa ein Drittel.

Gleichwohl erinnert der liberale Stadtrat Weiß an ursprüngliche Vorgaben, als in der Stadt erkannt wurde: „Man kann hier einiges einsparen. Und dieser Prozess wurde konsequent durchgezogen.“ Im Jahr 2000 wurde die ESO Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft mbH als 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Holding gegründet, 2004 folgte der Managementvertrag mit der Meinhardt Städtereinigung GmbH. Dass es etwas länger dauerte, dass der Bürger davon profitiert, begründet Peter Walther: „Wir wollten ein ständiges Rauf und Runter vermeiden.“ Eine Gebührenstabilität verspricht er bis 2014; eine weitere Prognose für die Zukunft lehnt er ebenso wie Paul-Gerhard Weiß ab.

Mit der Angleichung der Gebührensatzung geht eine Änderung der Straßenreinigungssatzung einher. Darin wird unter anderem festgelegt, in welchem Turnus (Reinigungsklasse) die Straßen gereinigt werden – mit kleinen Korrekturen. In Bettina- und Richard-Wagner-Straße werden bestimmte Abschnitte nun weniger oft gereinigt. „Wo nachweislich kein Dreck ist, muss nicht dreimal in der Woche gereinigt werden“, betont Weiß. Anders sieht es in der Wilhelmstraße zwischen Bismarck- und Feldstraße aus. Dort müssen die ESO-Teams künftig öfters zum Besen greifen und die Kehrmaschine anwerfen, da Kunden eines Imbiss’ das Umfeld weitreichend verschmutzen.

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