Tübinger Firma wirbt weiter für Detektion des Biomülls

Eigenbetrieb setzt auf Abfallberatung

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Offenbach - Alles Bio oder was? Man weiß es nicht. Fest steht jedenfalls: Am 1. April 2014 kommt die Biotonne für alle Offenbacher Haushalte. Bereits heute gibt es gute Ratschläge, besondere Angebote und bohrende Fragen. Von Martin Kuhn 

Nicht alle sind mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. „So ein Quatsch...“ Hans J. Maier, Geschäftsführer Maier & Fabris GmbH in Tübingen, empört sich im breitesten schwäbischen Dialekt. Der Grund: Markus Patsch, technischer Geschäftsführer des Stadtbetriebs ESO, hatte in einem Gespräch mit unserer Zeitung für die geplante Biotonne ein elektronisches Kontrollsystem abgelehnt, das für Maier & Fabris noch Jahre in 30 EU-Ländern patentgeschützt ist. „Zu kompliziert.“ Zudem fiel beigefügter Vorschlag durch, die Bürger mit einem Kartensystem ähnlich dem im Fußball öffentlich zu maßregeln: „Das ist doch nicht nett für den Betroffenen...“

Anders bewertet das Maier, der im Sinne der Umwelt argumentiert: „Die Rohstoffe werden knapp. Recycling ist notwendig.“ Und für ein Spitzenprodukt, in diesem Fall Kompost aus Biomüll beispielsweise für anspruchsvolle Spargelbauern, liefere sein Unternehmen das passende Kontrollverfahren. Ist schlüssig, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Geschäftsmann ganz nebenbei sein Produkt an den Kunden bringen will. Die Idee seines Detektionssystems: Sogenannte Störstoffe im Biomüll enthalten zumindest einen gewissen Anteil Metalle. Im Milch-Tetrapak ist’s die innere Hülle, bei Hustenpastillen der Alurest auf den Blistern. Vorteil des Wirbelstrom-Induktionsverfahrens: Erkannt werden alle leitfähigen und nicht nur magnetische Metalle. Maiers System ist daher mit einem Echolot vergleichbar, das in Sekundenbruchteilen ein Ergebnis liefert.

Aber was ist etwa mit einem Plastikbeutel? Den spürt dieses System sicher nicht auf... „Nein“, gibt der Geschäftsführer zu, weiß aber aus langjähriger Praxis: „Metall ist stets ein Indikator für andere unerwünschte Beimischungen.“ Das heißt: Wer Metallhaltiges in seiner Biotonne entsorgt, entwertet die biogene Masse in der Regel auch mit anderem Störstoffen. Eine Diffamierung der Müllsünder mittels gelber und roter Karte erkennt er nicht: „Nicht nett ist vielmehr, dass 99 Prozent der Bürger diese Verschmutzung über höhere Müllgebühren mitbezahlen.“ Hans J. Maier führt als Referenzadressen Entsorger im gesamten Bundesgebiet an – etwa den Nürnberger Abfallwirtschaftsbetrieb oder die Kasseler Stadtreiniger.

Die documenta-Stadt weist in Sachen Biomüll ein gehöriges Stück mehr Erfahrung auf. Denn die Nordhessen trennen, sammeln und verwerten ihren Biomüll seit gut 20 Jahren. Seit 2006 nutzt der Kommunalbetrieb „Die Stadtreiniger“ Maiers Detektionssystem. „Allerdings nur an einem Fahrzeug“, betont Sprecherin Birgit Knebel und fügt hinzu: „Seit kurzem haben wir es komplett abgeschaltet.“ Nach ihren Worten ist aktuell eine Biotonnen-Kontrolle nicht erforderlich. Vielleicht liegt es daran, dass die Müllgebühren in Kassel nach einem komplett anderen System berechnet werden. Ergebnis: Die Biotonne gibt es bis zum 1,5-fachen Volumen des Restabfallbehälters ohne Zusatzkosten.

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Einen „Königsweg“ in der Kontrolle gibt es wohl nicht. Maiers System biete einen Anhaltspunkt, sei aber nicht das einzige Mittel, um eine sortenreine Kompostgrundlage zu erhalten. „Es ersetzt auf keinen Fall die Sichtkontrolle“, sagt Birgit Knebel. Eine verstärkte Abfallberatung sei ebenfalls ratsam. Ihre Empfehlung: „Erst mal starten...“ Genau darauf setzt der Stadtbetrieb. Laut Markus Patsch baut der ESO ein fünfköpfiges Team auf, das sich speziell um Fragen rund um die Biotonne kümmert. „Neben der Beratung bei der Tonnenauswahl geben die Mitarbeiter schon im Voraus wertvolle Tipps im Umgang mit Bioabfall“, erklärt Patsch.

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