Eigene Lügen liefern

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Ganz der seriöse Staatsmann: Passend zum Buchthema Kennedy ließ sich Hans-Jürgen Lenhart im dunklen Anzug ablichten. Wer mehr über das Werk erfahren möchte, hat dazu am morgigen Freitag Gelegenheit. Der Autor liest um 20 Uhr in der Gaststätte „Zur Waldlust“, Oeserstraße 16 in Frankfurt-Nied. Mit dabei ist Jürgen Weiß (Percussion). Der Eintritt ist frei.

Offenbach - Hans-Jürgen Lenhart ist ein Tausendsassa: Der gebürtige Hanauer ist Lehrer von Beruf, tritt als Kleinkünstler mit kabarettistischen Programmen und Wortspielereien auf, hat Hörspiele geschrieben, arbeitet als Musikjournalist und hat gerade ein neues Buch vorgelegt. Von Simone Weil

 „Kennedy lebt“ (ISBN: 978-3-8370-8378-1) ist der Titel des Werkes, das sich mit der Unwahrheit über den Mord an dem amerikanischen Präsidenten beschäftigt. Lenhart ist in jahrelanger Auseinandersetzung mit der Materie allerlei Absurditäten auf die Spur gekommen, von denen er in seinem Buch einige präsentiert. Kaleidoskopartig betrachtet er das Ereignis und widmet sich ihm in verschiedenen Varianten.

Beim Studium der unzähligen Quellen und Theorien zum Kennedy-Mord („Es gibt über 800 Bücher zu dem Thema“) kam er schließlich zu dem Schluss: „Je tiefer man eindringt, desto weniger weiß man.“ Schuld seien gezielte Desinformation und reichlich Verwirrung. Der Autor, der den Staatsmann als Achtjähriger auf dem Fliegerhorst Erlensee bei Hanau gesehen hat (wie ein Foto in seinem Buch beweist), kam zu dem Schluss, dass ein Großteil der Informationen zum Attentat zwangsläufig gelogen sein müsse. Er zog seine persönliche Konsequenz: „Dann kann ich auch Mitmachen und meine Lügen erzählen.“

Weil Schule „sehr stressig“ sein kann, wie der Pädagoge sagt, ist ihm Kultur als Ausgleich wichtig. Eigentlich habe er mehr aus seinen künstlerischen Ambition machen wollen. Doch müsse man eben auch die Miete bezahlen können. So versucht der Wahloffenbacher, der vor etwa acht Jahren von der größeren in die etwas kleinere Stadt am Main gezogen ist, beides unter einen Hut zu bringen. Denn Lenhart ist davon überzeugt, dass es „wichtig ist, seine Träume nicht zu verlieren“. Immerhin habe er bereits als 14-Jähriger eigentlich Rundfunkmoderator werden wollen. Ein Traum, der mit einer kleinen Musikreihe im Radio zumindest teilweise in Erfüllung ging. Vor allem die sogenannte Weltmusik hat es dem 55-Jährigen angetan. Über ungewöhnliche Melodien aus Lateinamerika, Afrika oder auch über osteuropäische Popmusik schreibt er in Fachmagazinen.

Zum Schreiben sei er übers Zeichnen gekommen, erzählt er. Sprachspiele haben interessiert, Hintersinniges und Irritierendes. Das Experiment mit der Sprache ist ein Schwerpunkt geblieben: Er landete bei Dada und merkte, dass Sprache mit Klang zu tun hat. Aus dieser Erkenntnis entstand unter anderem das Musik-Projekt „Off Da Da“ mit der Offjazzgroup.

Wer den Sprachakrobaten einmal auf der Bühne erleben möchte, hat dazu demnächst Gelegenheit im Theateratelier, Bleichstraße 14H. Am Samstag, 16. Mai, um 20 Uhr, tritt er mit dem Drei-Mann-Quartett und dem neuen Programm „Der Satz im Silbensee“ dort auf. Geboten werden Jazzsprechereien aus dem Bermuda-Dreieck der deutschen Sprache...

Der Sprachforscher Hans-Jürgen Lenhart geht etwas forscher mit der Sprache um. Außerdem: Der Planet der Weitergeherlinge, eine musikalische Science Fiction-Satire und Überraschungen zwischen O-Ton-Collagen und Performance, zwischen Mundorgel und Hendrix, zwischen Dada und Gaga.

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