OFC ist eigentlich schon 110

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Hoher Besuch 1951 auf der alten Holztribüne - SPD-Vorsitzender Kurt Schumacher (4. von links) und Prof. Carlo Schmid (7. von links) beim Spiel gegen Nürnberg.

Offenbach - Laut Kickers-Präsident Dieter Müller „kann man sich für Tradition nichts kaufen“. Aber ohne seine ruhmreiche Vergangenheit hätte der OFC wohl kaum diese Hessen-Zuschüsse zur Stadionerneuerung bekommen. Von Reinhold Gries

Der „OFC“ jedenfalls wurde als ältester Fußballclub Offenbachs streng genommen schon 1899 gegründet - auch wenn stets und im Vereinsnamen das Jahr 1901 angegeben ist.

Der England-erfahrene Philipp Heim hatte dazu fundierte Regelkenntnisse von der Insel mitgebracht. Geburtsstätte hiesigen Fußballs war der auf dem Bieberer Berg liegende „Exerzierplatz“, ein freies Gelände, zu dem sportbewegte Jugend trotz Verbots der Eltern hinauszog, um den Ball „mit Füßen zu treten“ und Spießbürger zu foppen.
Mit dem Löwen auf der Brust bezogen die jungen OFCler auch auf dem Platz noch manche Dresche, wenn sich überhaupt ein Gegner fand. Auswärtsspiele konnte man sich kaum leisten, es fehlte das Geld. Nachdem sich neue Offenbacher Fußballvereine formierten, zersplitterte der OFC, um sich am 27. Mai 1901 im „Rheinischen Hof“ (Herrnstraße) als „Offenbacher Fußballklub Kickers“ neu zu gründen.

Die OFC-Sportanlage an der Heylandsruhe am Buchhügel.

Die Spielpremiere fand erst nach Genehmigung Ende Juli 1901 durch Polizeirat Bräunig statt. Auf der Hausener Wiese gewannen die Kickers gegen den FC 1899 Bockenheim 3:0, dann das Rückspiel auf dem Friedrichsplatz (heute Albert-Schweitzer-Schule), das erste Heimspiel überhaupt. 1902 wurde das Spielfeld auf den Bieberer Berg verlegt. Die erste Meisterschaftsrunde im K.O-System endete mit dem Abstieg in die B-Klasse, das OFC-Vereinsschiff drohte erneut zu sinken. Aber man kam wieder, der Aufschwung gipfelte im 7:2 gegen „Palatin“ Kaiserslautern. Gegen BSC Köln ging der OFC auch deshalb mit 0:4 ein, weil im Sommer viele Kickersbuben die Fußballstiefel mit Leichtathletikschuhen vertauschten. Doch OFCler wie Wilhelm Grimm, Deutscher Meister im Diskuswerfen, oder das bärenstarke Team im Tauziehen machten „Kickers Offenbach“ im Kaiserreich bekannt. Die erste gewonnene Fußballmeisterschaft im Main-Ost-Gau und Nordkreis folgte 1906. Das süddeutsche Finale gegen den Erfolgsklub Phönix Karlsruhe verlor man erst in der Verlängerung. 1907 zog der OFC zur eigenen Sportanlage am Buchhügel neben das Ausflugslokal „Heylandsruhe“ (heute Fichtestraße). Beim 10:0-Sieg zur Einweihung zeigte sich der Deutsche Meister VfB Leipzig wenig großzügig. Ostern 1907 kamen fast 1000 Zuschauer zum ersten internationalen Spiel gegen „Cercle d` Athletique de Paris“ und zahlten horrende 50 Pfennig Eintritt, um die Gästegage von 300 Mark zu finanzieren. Offenbachs Fußball war nun anerkannt, der Arbeiterverein OFC fuhr stolze Ergebnisse ein: 1:1 gegen Amsterdam, 6:0 gegen Ludwigshafen, 10:0 gegen Pirmasens, 6:2 gegen Mannheim und 3:0 gegen Kickers (!) Frankfurt.

Teil der erfolgreichen Mannschaft von Trainer Oßwald.

Nach Gründung einer stimmgewaltigen Gesangsabteilung ging es unter Heinrich Lavis und Christian Neubert fußballerisch steil bergauf. Aber nach dem 2:1 gegen Karlsruhe und 5:0 gegen FC Basel - sowie Erfolgen der 1913 gegründeten OFC-Hockeyabteilung - kam der 1. Weltkrieg. Die Ligaelf überstand ihn erstaunlicherweise ohne Todesopfer, startete ab 1919 eine Serie von Titelgewinnen.
1921 kehrte man zum Bieberer Berg zurück. Zur Einweihung des Stadions mit der neuen Holztribüne ging es am 29. Mai vor 12 000 Zuschauern hoch her; Gegner war „Wacker München“, die späteren „Bayern“. Nach dem Intermezzo als „VfR Kickers“ (1921-25) nahm man den alten Namen wieder an. Es begann die legendäre Fußball- (und Handball-)Zeit der Kickers in den 30ern/40ern. Pokalsiege und das Erreichen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft waren mehr Regel als Ausnahme. Nach dem 5:2-Heimerfolg und 4:1-Auswärtssieg bei Meisterklub Austria schwärmte die Wiener Presse: „Offenbach spielt wienerischer als Wien, ist viel stärker und wird gerne wiedergesehen.“ Dank guter Jugendarbeit hielt man den Verein sogar im 2. Weltkrieg oben. Das zahlte sich nach 1945 in ruhmreichen Kickers-Spielrunden unter Trainer Paul Oßwald aus. Bei den deutschen Vizemeisterschaften 1950 und 1959 ging Sport noch vor Geld.

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