Rettung vom Dach bis zum Stellwerk

Eigentümer lässt Bieberer Bahnhof sanieren

Blicke ins Innere: Das Dachgeschoss lässt bereits erahnen, wie es im Gebäude nach der Sanierung aussehen wird. Noch muss es durch Stützen abgesichert werden.
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Blicke ins Innere: Das Dachgeschoss lässt bereits erahnen, wie es im Gebäude nach der Sanierung aussehen wird. Noch muss es durch Stützen abgesichert werden.

Ein schier endloses Hin und Her dürfte nun vorbei sein: Der Eigentümer des einsturzgefährdeten Bieberer Bahnhofs in Offenbach lässt diesen nun sanieren.

Offenbach - Die neuen Dachbalken riechen nach frischem Holz. Luftig, fast großzügig wirkt das renovierte Dachgeschoss im Bieberer Bahnhof. Es vermittelt einen ersten Eindruck, welches Potenzial im Gebäude steckt. Aber noch steht es im Kontrast zu dem, wie es in den anderen Etagen aussieht: Decken werden von Stützen oben gehalten, ansonsten bestünde akute Einsturzgefahr. Dreck und Schutt überall, der Zerfall allgegenwärtig.

Dass der Bahnhof jemals zu retten sei, damit hatte in Bieber kaum noch jemand wirklich gerechnet. Zwar gab es immer wieder Initiativen für dessen Erhalt bis hin zu Forderungen nach Enteignung, doch die liefen ins Leere. Zu groß war die Kluft, die sich zwischen dem Eigentümer und der Stadt aufgetan hatte, nachdem dieser die Immobilie 2008 erworben hatte und es zu Unklarheiten bezüglich ihres Denkmalstatus kam. „Vorsätzliche Täuschung“ warf er daraufhin dem Denkmalamt vor, die Fronten verhärteten sich. Nachbarn und Tausende Bahnpendler konnten fortan täglich dem Klinkergebäude aus der Zeit um die Jahrhundertwende beim Niedergang zusehen.

Bieberer Bahnhof in Offenbach: Einigung zwischen Stadt und Eigentümer in der Corona-Krise

Anfang dieses Jahres dann die überraschende Wende: Wie berichtet, ist es zu einer Einigung beider Parteien gekommen, nachdem die Stadt Absicherungsarbeiten auf Kosten der Eigentümer-Gesellschaft in Höhe von rund 242 .000 Euro angeordnet hatte. „Es sind andere Leute als früher zuständig, die sind deutlich zugänglicher und lösungsorientierter“, äußert Eigentümer Marcus Müller seine Sichtweise. Deshalb sei er gern bereit, die erforderlichen Arbeiten zu veranlassen – und darüber hinaus. „Das hätte man schon früher haben können.“

Von seinen ursprünglichen Plänen, dort Gewerbe anzusiedeln, ist er abgewichen, die Corona-Krise habe die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Dafür sollen in den oberen Stockwerken zwei Mietwohnungen entstehen, im ersten Geschoss eine mit drei Zimmern, unter dem Dach eine Studiowohnung. Fürs Erdgeschoss ist eine Bistro-Nutzung vorgesehen. Besondere Elemente aus der Historie, wie das Stellwerk, bleiben dort als Hingucker erhalten.

Offenbach: Bieberer Bahnhof wird kernsaniert - „Wissen nie, welche Überraschungen auf uns warten“

Auch von außen hält er sich, in Abstimmung mit der Denkmalbehörde, an historische Vorlagen. Das Dach wurde, wie einst, mit Gauben versehen und mit schwarzem Doppelmuldenfalz-Ziegel eingedeckt, darunter kommen Holzverzierungen, die ein Zimmermann eigens anfertigt. Auch Fenster und Türen sollen entsprechend gestaltet, am Ende die Klinkerfassade gereinigt werden.

Doch bis es soweit ist, dürfte mindestens ein Jahr vergehen. „Es ist eine Kernsanierung und wir wissen nie, welche Überraschungen auf uns warten“, sagt Müller. Alles muss raus und ersetzt werden – die Decken, der Putz, die Leitungen. Die besondere Herausforderung ist, dass aus statischen Gründen von oben nach unten gearbeitet werden muss. Deshalb wurde alles aufwendig abgestützt und das Dach zuerst gemacht. „Ein Haus von unten nach oben zu bauen, das kann jeder“, scherzt Müller.

Containerweise wurde bereits Schutt rausgeholt, doch ständig kommt neuer dazu. „Mit den instabilen Decken ist es ein großes Fragezeichen, da wird ein Statiker gucken, wie alles gemacht werden soll.“ Müller rechnet mit einer Investition von etwa einer dreiviertel Million Euro, bisher hat er Eigenkapital genommen. „Aber das kann nicht so bleiben.“ Doch, das ist klar zu merken, er glaubt wieder an das Potenzial dieser ungewöhnlichen Immobilie, das er damals schon bei ihrem Kauf gesehen hat. (Veronika Schade)

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