Masterplan-Projektleiter Stefan Kornmann im Gespräch

Masterplan: „Ein günstiges Zeitfenster“

Offenbach - Der Masterplan für Offenbach befindet sich auf der Zielgeraden. Nach fast zweijähriger Vorarbeit ist das Entwicklungskonzept so gut wie fertig. Geleitet wurde der Prozess von Stefan Kornmann vom Planungsbüro Albert Speer und Partner. Ein Gespräch. Von Matthias Dahmer 

Stefan Kornmann würde seinen Job als visionärer Stadtplaner verfehlt haben, hätte er nicht schon eine ungefähre Vorstellung davon, wie Offenbach im Jahre 2030, dem Zeithorizont des Masterplans, aussieht: Die Stadt hat sich positiv verändert, sie ist gewachsen, hat eine vielfältigere Bebauung, eine attraktive Innenstadt und – da geht der 54-Jährige ins Detail – eine Steg- oder Fährverbindung vom Schloss in die Fechenheimer Mainauen. Ob das alles so kommt, weiß auch Kornmann nicht. Doch das Potenzial, da ist er sich sicher, ist vorhanden in dieser sich Umbruch befindlichen Stadt. Eine solche Aufgeschlossenheit der Teilnehmer am Masterplan-Prozess habe er in noch keiner anderen Stadt erlebt, zollt er den Offenbacher Akteuren ein dickes Lob.

Dabei hat Kornmann schon mehr als ein Dutzend Kommunen auf ihrem Weg in die Zukunft betreut: In München war er tätig, in Berlin, in Frankfurt, in Dreieich. „Es ist ein Prozess, um sich klarzuwerden, wohin man will. Dadurch kann auch die Politik ihr Handeln neu sortieren“, beschreibt er die Zielsetzung. Doch was ist, wenn sich eine in Fünf-Jahres-Zyklen agierende Politik nicht an die Vorgaben hält? Auch da ist Stefan Kornmann Optimist: „Wenn die Grundidee trägt, hält sich die Politik auch in zehn Jahren noch daran“, ist er überzeugt. Als Beispiel führt er den Kaiserlei an: Dessen Neuprofilierung sei auch in einem Jahrzehnt noch aktuell. Ähnlich verhalte es sich mit der Aufwertung der Innenstadt. „Vielleicht ändern sich im Lauf der Jahre die einzelnen Schritte der Umsetzung. Die Grundausrichtung bleibt aber gleich.“

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Diese Grundausrichtung für Offenbach ist von den Masterplan-Initiatoren, dem IHK-Verein „Offenbach offensiv“ und der Stadt, vorgegeben. Auf Wohnen und Wirtschaft wurden die Schwerpunkte gelegt, Kaiserlei, Innenstadt, Allessa-Gelände, Ostbahnhof sind die Ankerpunkte, die Schlüsselprojekte, an denen sich Veränderungen zunächst festmachen sollen. Am Beispiel Kaiserlei verdeutlicht Kornmann: Weil in diesem überregionalen Diensleistungsquartier große Nutzer nicht mehr funktionieren, muss in Sachen Gewerbansiedlung kleinteiliger gedacht werden. Mit dem Umden-

ken beim Büroraum geht zudem einher, dass die künftig dort Beschäftigten „anders ticken als Mitarbeiter von Großunternehmen“, so Kornmann. „Die sind weniger auf Kantinen fixiert, gehen raus und wünschen sich ein urbanes Umfeld.“ Weniger repräsentativ, dafür aber nicht minder von Bedeutung sind für den Planer das Allessa-Gelände und der Güterbahnhof. Sie können etwa mit Main-Nähe und guter Verkehrsanbindung punkten. Insbesondere das 30 Hektar große Allessa-Areal ist für den Stadtplaner ein Pfund, aus dem sich etwas machen lässt. Er denkt dabei weniger an Büros als vielmehr an ebenfalls kleinteiliges Gewerbe, im Idealfall aus der Kreativbranche. „Man könnte eine grüne Innovationsachse quer durch das Gelände von der Mühlheimer Straße bis zum Main schaffen“, kommt er ins berufsmäßige Schwärmen, sieht dort „Gründer-Quartier“ und „Innovations-Campus“. Kornmann: „Das Areal muss geöffnet und Bestandteil der Stadt werden.“

Grundsätzlich, sagt er, ist davon auszugehen, dass gewerbliche Produktion wieder zurück in die Stadt will. Gleichzeitig wird sie „stadtverträglicher“, braucht qualifiziertes Personal. „Die großen Fabriken kriegen wir nicht mehr nach Offenbach.“ Ist das nicht alles etwas zu wirtschaftslastig? Stefan Kornmann verteidigt diesen Ansatz: „Ohne Wirtschaftskraft funktioniert Stadt nicht.“ Was die Schwerpunkte Wohnen und Wirtschaft angeht, betont er, muss der Masterplan dafür sorgen, dass das eine nicht zu Lasten des anderen geht. Beim Wohnen sieht der Stadtplaner die Aufgabe, Menschen in die Stadt zu holen oder auch in der Stadt zu halten, die „einen Standort für den nächsten Lebensabschnitt suchen.“ Junge Familien etwa oder jene, die ins Berufsleben eintreten. „Wenn es gelingt, diese Träger der Stadtgesellschaft an Offenbach zu binden, dann wird die Stadt langfristig davon profitieren“, ist sich Kornmann sicher.

Eine der großen Herausforderungen sieht er dabei in der Umgestaltung der Innenstadt. Das 70-Jahre-Konzept, mit viel Beton und der zweiten Ebene zeugt für den Stadtplaner vom damaligen technokratischen Denken. „Wir bräuchten mehrmals den Wilhelmsplatz mit seiner Wohlfühlqualität in der Innenstadt“, formuliert er seine Wunschvorstellung. Die Frage, ob erst die neuen Bewohner oder erst die Umgestaltung kommen muss, stellt sich nach Kornmanns Ansicht so nicht. „Das muss Hand in Hand gehen, und ich denke, in Offenbach gibt es dafür derzeit ein günstiges Zeitfenster.“ Er weiß aber auch: Es muss gelingen, mit den existierenden Widersprüchen in der Stadt, vor allem in der Innenstadt, zurechtzukommen. Ein Masterplan, so Kornmann, kann so etwas nicht verordnen. Und: „Es geht nicht darum, Offenbach schönzureden. Doch man muss anerkennen, dass die Stadt sich weiterentwickelt.“ Immer wieder gern vernehmen Einheimische, was der im Vordertaunus lebende Stadtplaner wie viele vor ihm schon beobachtet haben will: „Die Offenbacher haben von ihrer Stadt ein schlechteres Bild als die Außenstehenden.“

Rubriklistenbild: © Häsler

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