Stefan Soltek plant für 2021 ein reichhaltiges Programm im Offenbacher Klingspormuseum

Ein kultureller Umschlagplatz

 Stefan Soltek
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Museumsleiter Stefan Soltek mit dem Katalog und Buchkunst zum Empedokles von Hölderlin.

Die Dynamik des nun 65-jährigen Museumsleiters Dr. Stefan Soltek ist ungebrochen, auch in Pandemiezeiten. Ein irgendwann anstehender „Ruhestand“ ist für ihn, der gerade Vorsitzender der Association of European Printing Museums (AEPM) geworden ist, kein Thema. Stattdessen stellt er ein volles Klingspor-Programm für 2021 vor, frei nach dem Motto von Immanuel Kant: „Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?“

Offenbach - Es ist dem gebürtigen Kölner, der das Klingspormuseum zu neuen Ufern geführt hat, ein Bedürfnis, voranzugehen und auch zurückzuschauen: „Als ich 2002 vom Frankfurter Museum für Angewandte Kunst hierher kam, hatte ich kein Verhältnis zu Offenbach. Das hat sich total verändert. Die Möglichkeiten dieser Stadt zu erkennen und zu entwickeln, ist mir tiefes Bedürfnis.“ Als international erfahrener Kunsthistoriker löste Soltek den akribisch arbeitenden Archivar Christian Scheffler als Museumsleiter ab, den er lobt: „Scheffler erweiterte die Sammlung des Museums erheblich, arbeitete mit großer Verantwortung an der Sicherung der Bestände. Entsprechend den Wünschen der Stadt setzte ich andere Akzente und verstärkte die öffentliche Wahrnehmung des Hauses.“

Soltek: „Wir sind keine beschauliche Insel mehr.“

Solteks Konzept, das sich in Ausstellungs- und Veranstaltungsplänen niederschlägt, betreibt die Öffnung des Museums: „Als erstes gestaltete und moderierte ich die Erweiterung beziehungsweise Aufstockung des Hauses, das Abschiedsgeschenk von OB Gerhard Grandke. Ein Förderverein wurde eingerichtet. Kontakte zur Arbeitswelt suchte ich über Arbeitgeberverbände wie Hessen-Metall und die Gewerkschaft Verdi, die jetzt einen Artikel über unser Museum geschaltet hat. Zweimal waren wir Wahlpartylokal. Wir sind keine beschauliche Insel mehr, sondern kultureller Umschlagplatz.“

Demnächst findet im Museum die Jahresversammlung der AEPM statt, welche die Druckerstadt Offenbach in den Mittelpunkt rückt. Soltek wirbt in Europa: „Ungeachtet aller Wenns und Abers in Pandemiezeiten, die AEPM-Konferenz will Zeichen setzen. Und zeigen, dass die Stadt Offenbach sich zunehmend und historisch begründet in neuer Weise als Ort des Druckens etabliert. Klangvolle Namen wie Johann André und Alois Senefelder (Lithographie) und Karl Klingspor (Schriftgießerei) sind gemeinsames Kapitel einer Geschichte: Offenbach und seine Bereicherung der Kommunikationskultur.“

Zurzeit geht Soltek in seiner Aufgabe auf, sein Haus „nach innen“ weiterzuentwickeln und in schwierigen Zeiten am Laufen zu halten – und bald wieder zu öffnen: „Vor Corona hatten wir über 300 Veranstaltungen jährlich, 2020 noch gut 90. Frühere Schließzeiten sind vorbei, mit der neuen Dauerausstellung zu den Gebr. Klingspor, Rudolf Koch und unseren großen Beständen sind wir normalerweise dauernd geöffnet.“

Im März heißt es: „Born in the USA“

Schwerpunkte der Ausstellungen: „Born in the USA“ (12.3.-23.5.), „Cut, Schnitte, die den Raum bedeuten“ (8.6.-5.9.), „Uwe Loesch. O, nix“ (24.9.-14.11.). „In unseren Ausstellungen haben wir in diesen Zeiten eine Prüffeld-Situation, wir müssen alles genau beobachten und machen Filmaufnahmen, die wir ins Netz stellen. Mit der Schau zur Codex Foundation in Berkeley, in Zusammenarbeit mit der renommierten Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, gestalten wir eine Hommage zu Weltzentren des Künstlerbuchs. Dann widmen wir uns der Schriftgestaltung als Raumskulptur und mit dem Düsseldorfer Loesch einem Plakatgestalter, der seit 2002 unserem Haus verbunden ist.“

Ein Alleinstellungsmerkmal gewinnt das Klingspormuseum auch durch die Sonderpräsentation zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Soltek: „Am 25./26. September wollen wir passende Schätze unserer Sammlung wie an Messeständen präsentieren. Offenbach hat bei diesem Thema ein Heimspiel – durch unsere Guggenheim-Sammlung, unsere Chagall-Bibel, unsere Bestände zu Heinrich Heine, zum Gestalter Joshua Reichert und anderes. Übrigens: Welches Museum in Deutschland zeigt Grafik und Buchkunst von Miro, Chagall, Picasso und Matisse gleichzeitig?“

Wir recht er hat, der Stefan Soltek, der nebenbei mit seinem „überragenden Team“ ab April die Galerie der Stadtwerke-Holding an der Senfelderstraße mit einem „Buch im Raum“ des zwischen Mainz und Paris pendelnden Johannes Strugalla bestücken wird. Dazu arbeitet er weiter an einer Offenbacher „Druckstraße“ und gibt demnächst, mit dem Haus der Stadtgeschichte, das großartige Buch „Ausdrücklich Offenbach“ zur Bedeutung und Geschichte des Druckens in unserer Stadt heraus. Da mag man sich gar nicht vorstellen, dass solch einer diese Stadt verlassen könnte.

Von Reinhold Gries

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