Verkehrssicherheit

Radfahren in Offenbach: Umstrittener „Todesstreifen“ wird entschärft

Die Seligenstädter Straße in Offenbach gilt bei Radfahrern als „Todesstreifen“. Gerade Mal zwei 1,30 Meter breite Streifen Platz bleiben zum Fahren. (Symbolbild/Archivbild)
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Die Seligenstädter Straße in Offenbach gilt bei Radfahrern als „Todesstreifen“. Gerade Mal zwei 1,30 Meter breite Streifen Platz bleiben zum Fahren. (Symbolbild/Archivbild)

Radfahren in Offenbach kann zu einem gefährlichen Unterfangen werden. Das Projekt „Bike Offenbach“ will nun den sogenannten „Todesstreifen“ sicherer machen. Jedoch nicht ohne Opfer an anderer Stelle.

Offenbach –  Die Seligenstädter Straße gilt bei Radfahrern als „Todesstreifen“. Das ist zwar etwas hoch gegriffen, verdeutlicht aber die Problemlage auf dem 580 Meter langen Stück zwischen Bieberer S-Bahn-Schlupf und Waldhofstraße, wo’s zum Germania-Sportplatz geht. Es ist zu eng. Den Radfahrern bleiben (siehe Grafik) gerade zwei 1,30 Meter breite Streifen. Dies ändert sich – zu Lasten eines Streifens mit Parkplätzen. Wie immer: Erst mit der Bau-Ausführung könnte es zu Unmut kommen...

Dabei ist alles öffentlich gemacht; jüngst mit einer der Corona-Pandemie geschuldeten digitalen Bürgerinformations-Veranstaltung. Das Format kann freilich das erklärende Gespräch an Ort und Stelle nicht ersetzen. Ohnehin war die Beteiligung sehr bescheiden, wenn man die Mitglieder des ADFC und der Initiative Radentscheid abzieht. Nachdem die Verkehrskommission das Okay für die Planung des als kritisch angesehenen Teilabschnitts gegeben hat, möchte Bike-Offenbach die „vernünftige Lösung“ noch in diesem Jahr umsetzen.

Der gut 580 Meter lange Abschnitt zwischen S-Bahn-Schlupf und Waldhofstraße in Offenbach erhält neue Schutzstreifen - dafür entfällt ein Parkstreifen komplett.

Geschützte Radfahrstreifen für Offenbach: Aktueller Platz ist zu schmal

Die Crux dieser zentralen, im Kern nur 11,70 Meter breiten Verbindung von Bieber nach Obertshausen ist der Verkehrsmix aus Pkw, Buslinien (mindestens 5,50 Meter), Schwerverkehr und eben Radfahrern. Lisa Wagner, Planungsbüro Radverkehr-Konzept, betont weitere Vorgaben, die zu berücksichtigen sind: die Bäume sind zu erhalten, die Ein- und Ausfahrten freizuhalten. Die finale Entwurfsvariante sieht den Wegfall eines Parkstreifens vor, dadurch können die beidseitigen Schutzstreifen für Radler von heute 1,30 auf 1,70 Meter verbreitert werden – plus Sicherheitstrennstreifen („Dooring-Zone“) zu den parkenden Autos. „Es ist letztlich eine Abwägungsfrage“, sagt die Diplom-Geografin.

Die Problematik wurde eigentlich erst durch eine Verbesserung deutlich: Stadtauswärts konnte der im Zuge der Straßensanierung entfallene Radfahrstreifen aufgrund der aktuellen Richtlinien nicht wieder markiert werden: Die früheren 1,30 Meter Breite sind zu schmal. Bei der Suche nach einer wahrnehmbaren Verbesserung wurde durchaus weiter gedacht: Das System eines „Protected Bike Lanes“ (deutsch: Geschützte Radfahrstreifen), ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und günstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können, hat das Planungsbüro jedoch verworfen. Grob gesagt: Man nimmt dem Autoverkehr eine Spur weg - und legt darauf einen mindestens zwei Meter breiten, durch eine Bordsteinkante geschützten Radfahrstreifen an.

Projekt „Bike Offenbach“ will Parkstreifen in Bieber für Radweg opfern

In Bieber sei das nicht umzusetzen, da man am Anfang und Ende von einer einseitgen auf eine beidseitige Führung wechseln müsste. Zudem sei die stark frequentierte Querung zu Einzelhandel (Edeka) und Gewerbe (Firma Bonifer) nicht sicherzustellen. Um die Ein- und Ausfahrten sicherer zu gestalten, sollen diese Abschnitte der Radschutzstreifen rot markiert werden – das entspricht auch den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen.

Und wie ist das mit dem Parkstreifen, der wegfällt? Da ist doch Widerstand der Anlieger programmiert... Aus Sicht von Ulrich Lemke, Projektmanager Bike-Offenbach, ist das an dieser Stelle kein Problem. „Wir haben es von einem Ingenieur-Büro prüfen lassen. Es gibt entlang der Seligenstädter Straße ausreichend Parkplätze und keinen Parkdruck wie an anderen Stellen in Offenbach.“ Eine genaue Zahl der gekennzeichneten Stellflächen gibt es nicht. Ulrich Lemke ist durchaus bewusst, dass man dort Gewohnheiten aushebelt, durch den geringen Straßen-Querschnitt funktioniere es allerdings nicht mit beidseitigem Parken. Und der Projektmanager betont: „Es ist sicher keine optimale Lösung, aber eine tragfähige Entscheidung. Jetzt können wir die Radfahrer draufsetzen.“ Das Wörtchen sicher schwingt da mit.

Bisher ist auf der Straße zwischen S-Bahn-Unterführung und Einmündung der Waldhofstraße in Offenbach keine wirklich sichere Fahrt auf dem Rad möglich.

Fahrradprojekt in Offenbach: Verlegung der Zebrastreifen in Bieber ist zu teuer

Einem Umbau beziehungsweise einer Verlegung der Zebrastreifen an Schlupf und Waldhofstraße erteilt er indirekt eine Absage – zu kostspielig. Dann müssten Tiefbaumaßnahmen erfolgen, um auch die zwingend vorgeschriebene Beleuchtung zu versetzen. Da wäre man schnell bei 100 000 Euro. Mit dieser Summe sind allein die vorgesehenen Markierungsarbeiten veranschlagt.

Es ist übrigens nicht das letzte Fahrrad-Projekt in Bieber. In Vorbereitung ist dort - als letztem Stadtteil - die Öffnung der (zahlreichen) Einbahnstraßen für Radfahrer. (Martin Kuhn)

Ein weiteres Projekt der Initiative „Bike Offenbach“ ist die Taunusstraße, die im Mai 2020 durchgehend zwischen Domstraße und Nordring zur Fahrradstraße geworden ist.

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