Ein Rückblick auf 100 Jahre Stadion am Bieberer Berg

Oftmals seiner Zeit voraus

Das neue Stadion wurde im Juli 2012 offiziell eingeweiht Bieberer Berg
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Das neue Stadion wurde im Juli 2012 offiziell eingeweiht.

Vom Exerzierplatz zum Fußballstadion, eine für ihre Zeit einmalige überdachte Stehplatztribüne, ein Trainer, der auf der Suche nach dem richtigen Rasen eigens nach England reiste, eine Flutlichtanlage, die nur vier Jahre Bestand hatte, eine Stahlrohrtribüne ohne Schrauben, die „Offenbacher Eiffeltürme“ und eine Anzeigetafel, mit der zunächst nichts anzufangen war – 100 Jahre Stadion am Bieberer Berg stecken voller Besonderheiten und auch Kuriositäten. Von Peter Back

Der 29. Mai 1921, ein Sonntag, gilt als die Geburtsstunde des Stadions, das von Stund an im Volksmund „Bieberer Berg“ oder „Kickers-Stadion“ hieß. Fußball gespielt wurde jedoch schon seit der Jahrhundertwende auf Offenbachs höchster Erhebung. „Geh’n mer nuff uff’n Exer“ war ein geflügeltes Wort unter fußballbegeisterten Buben Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Gemeint war die Freifläche auf dem 130 Meter hoch gelegenen Hügel an der östlichen Stadtgrenze zum erst 1938 eingemeindeten Bieber. Weil am Wochenende der Betrieb auf dem Exerzierplatz des Großherzoglich-Hessischen Infanterieregiments ruhte, konnte man dort ungestört Fußball spielen. Neben dem 1901 gegründeten Offenbacher Fußball Club (OFC) teilten sich acht weitere Vereine den Platz, die sich ihre jeweiligen Spielflächen provisorisch mit Steinen und Hölzern absteckten.

Differenzen mit weniger fußballbegeisterten Sonntagsspaziergängern, aber auch mit dem Militär, das sich über den schlechter werdenden Zustand des Platzes beschwerte, ließen die Verantwortlichen nach einer Alternative suchen. Neben der Gastwirtschaft Heylandsruhe, die auf halber Strecke zwischen dem Bieberer Berg und dem heutigen Wetterpark lag, wurde ein neuer Sportplatz mit einem mannshohen Holzlattenzaun und monumentalem Eingangstor errichtet. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog der inzwischen 900 Mitglieder starke OFC als alleiniger Mieter zurück auf den Bieberer Berg und damit an den Ort, wo alles begonnen hatte. Rasch entstanden ein Hauptfeld einschließlich einer Aschenlaufbahn sowie zwei Nebenplätze. Aus einer in Wetzlar günstig erworbenen ehemaligen Militär-Speisehalle sowie weiteren Gebäuderesten errichtete Zimmermann „Vater Tinz“ eine 1.200 Zuschauer fassende Holztribüne samt Umkleideräumen und Casino, die sich im Bereich der heutigen Sitztribüne befand. Die für die damalige Zeit äußerst moderne Sportanlage wurde am 29. Mai 1921 mit einem Spiel gegen Wacker München eingeweiht. Trotz der Auftakt-Niederlage von 3:5, immerhin war Wacker München 1921 Südbayerischer und 1922 Süddeutscher Fußballmeister, war die Stimmung bestens, wie die Offenbacher Zeitung , der damalige Vorgänger der heutigen OFFENBACH-POST, am folgenden Montag dokumentierte:

Der Eingang zum Stadion 1921, die große Tribüne bot eine beeindruckende Kulisse für die damaligen Sportler.

„Der gestrige Tag gehörte den Kickers. Zu der offiziellen Einweihung ihres neuen Sportplatzes hatten sich ganz Offenbach und Umgebung eingefunden… Es gab Ansprachen, wobei der Ehrenvorsitzende Lavis und der derzeitige Kickersvorsitzende Schmitt zur frohen weiteren Mitarbeit der Allgemeinheit am sportlichen Leben in Offenbach zur körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend aufforderten… Die Sportplatzweihe ist also in schönster Weise verlaufen. Den Kickers wurde für diese große, aus der Selbsthilfe geborene Schöpfung seitens aller Gäste höchste Anerkennung zuteil. In der Tat ist der Platz landschaftlich ideal angelegt und technisch von schönster Beschaffenheit.“

Die Erde für die Terrassenanlage der Stehplätze stammte vom Hauptfeld und legte ein Gemisch aus Sand und Kalk frei, auf dem kein Gras mehr wuchs, und für das der Bieberer Berg viele Jahre gefürchtet war. „Es tat ohnehin höllisch weh, wenn man sich auf diesem Platz verletzte, aber der feine Dreck in der Wunde tat sein Übriges, um die Partie noch länger in schmerzlicher Erinnerung zu behalten“, wird ein Gästespieler über den berüchtigten Schlackeplatz in dem Buch „100 Jahre Kickers Offenbach“ zitiert. Das Spielfeld galt, je nach Wetterlage, als wahre Staub- oder Schlammwüste, hielt den OFC jedoch in den 20er und 30er Jahren nicht davon ab, sich als feste Größe im süddeutschen Fußball zu etablierten. Von 1939 bis 1944 errang das Team jeweils den ersten Platz in seiner Klasse.

Erstmals Rasen

„Bieberer Berg kaum wieder zu erkennen“ titelte die OFFENBACH-POST am Samstag, 3. September 1949. Der Bieberer Berg war von den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont geblieben, der OFC hatte sich bereits im September 1945 wieder gegründet und zahlreiche helfende Hände hatten angepackt, um den Platz neu herzurichten. Der Eingangsbereich, die Holzzäune und die Umkleideräume wurden saniert und die Holztore waren durch moderne Modelle aus Metall ersetzt worden. Trainer Paul Oswald war eigens nach England geflogen, um den optimalen Rasensamen auszuwählen. Durch den Wegfall der Laufbahn konnte das Spielfeld fast auf das internationale Maß erweitert werden. „Jetzt hat Offenbach einen Fußballplatz, der sich sehen lassen kann und der der Spielstärke seines bekanntesten Fußballklubs würdig ist“, lobte die OFFENBACH-POST. Die verpatzte Generalprobe durch die 2:4-Einweihungsniederlage gegen den HSV war der Auftakt zur erfolgreichsten Zeit des OFC bis zur Gründung der Bundesliga 1963. Mit den sportlichen Erfolgen stieg die Zuschauerresonanz, immerhin hatte der OFC von 1945 bis 1963 einen Zuschauerschnitt von 11.500, und das Stadion wurde stetig erweitert.

Beeindruckende Stehtribüne

„Oberbürgermeister Dr. Klüber führte gestern auf dem Bieberer Berg vor dem Spiel der Offenbacher Kickers gegen die Racing-Club Straßburg den ersten Spatenstich zum Ausbau des Kickers-Sportplatzes aus“, schrieb unsere Zeitung am Montag, 5. Mai 1952, auf ihrer Titelseite. In knapp acht Monaten entstand die überdachte Stehtribüne, ein imposantes Bauwerk mit 110 Metern Länge, 19,50 Metern Tiefe und 15 Metern Höhe. Hunderte von fachlich Interessierten, ja ganze Fachklassen von Bauschulen hätten die Baustelle besucht, berichteten die „Club-Nachrichten“ der Kickers im September 1952. Unter den Terrassen entstanden Umkleide- und Duschräume sowie eine Trainingshalle für die Boxabteilung. „Dieses Bauwerk ist in Deutschland, vielleicht sogar in Europa einmalig“, befand der Hessische Innenminister Heinrich Zinnkann bei der Eröffnung am 14. Dezember 1952. „Bei uns stehen Sie im Trockenen“, warb der OFC für den neuen Stadionkomfort, der nicht zuletzt der großen Dachfläche von 2250 Quadratmetern zu verdanken war.

Die erste Flutlichtanlage

20.000 Menschen erlebten am 18. Juli 1956 auf dem Bieberer Berg, wie die Nacht zum Tag wurde. „Dann ging das Licht an, der grüne Rasen leuchtete unbeschreiblich intensiv, die beinahe heilige Stimmung entlud sich mit vielen Ah’s und Oh’s und wuchs zu einem donnernden Applaus“, beschreibt Zuschauer Karl Keller die Atmosphäre, als gegen 21 Uhr die neue Vier-Masten-Anlage mit 96 Strahlern angeschaltet wurde. An jedem der 22 Meter hohen Stahlmasten waren 24 Scheinwerfer angebracht, deren Lichtleistung die Heimatzeitung auf 96.000 Kerzen umrechnete. Doch schon nach vier Jahren war Schluss mit der einstmals als „hochmodern“ gepriesenen Anlage, da im Zuge der Vorarbeiten für die neue Haupttribüne das Spielfeld um neun Meter verlegt wurde, was einen „Lichtverlust um 50 Prozent“ zur Folge hatte, wie der OFC als Pächter in einem Schreiben an die Stadt am 11. Mai 1960 konstatierte. Der Idee des Hochbauamtes, die Masten um neun Meter nach vorne zu rücken, kam die Baufirma zuvor, indem sie kurzerhand zwei Masten eigenhändig abgesägt hatte und somit die gesamte Anlage unbrauchbar geworden war.

Die neue Sitztribüne entsteht

Die Stehtribüne Anfang der 60er Jahre von der „Senfkurve“ aus gesehen.

Der Montag, 26. September 1960 war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Bieberer Bergs. Der Hessische Innenminister Heinrich Schneider fand sich zum Richtfest der neuen Sitztribüne ein, die auf einer Länge von 105 Metern Platz für 3829 Menschen bot. „Wenn wir 500.000 Mark der Stadt Offenbach und den Kickers für den Bau der schönen Sitztribüne geben, so nur deshalb, weil auf dem Bieberer Berg Sport in höchster Vollendung getrieben wird, der eine gute Werbung für den Volks- und Massensport ist“, sagte Minister Schneider. Der Kickers-Vorsitzende und Amtsgerichtsrat Hans Winter versprach: „Zwar haben wir in den letzten Wochen mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Tribünenbau verfolgt, weil mit der alten Holztribüne ein Stück Kickersgeschichte abgerissen wurde, aber wir hoffen, dass wir unseren Anhängern auf der neuen Tribüne auch zukünftig viel Freude bereiten können. Denn nicht nur des Sieges wegen spielen wir unser Spiel, sondern auch, um Freude zu bringen.“ Freuen durften sich die Sitzplatzzuschauer ab Dezember 1960, als die Tribüne beim 5:2-Sieg gegen Bayern München für das Publikum freigegeben wurde.

Die Stahlrohrtribüne

Die Stahlrohrtribüne wurde dank des schraubenlosen Stecksystems in wenigen Tagen aufgebaut.

Rechtzeitig zum Saisonstart am 24. August 1968 und zum Aufstieg in die Bundesliga wurden die Stehplatzkapazitäten um 4.500 Plätze und damit die Gesamtkapazität des Bieberer Berges auf 34.000 Plätze erweitert. Hinter den bestehenden Rängen auf der Seite des Richtung Offenbach gelegenen Schießhaustores wurde ein Wall mit Erde aus der Baugrube des entstehenden Rathauses an der Berliner Straße aufgeschüttet. „Mit der von uns erstellten Stahlrohrtribüne haben wir jahrelang in unserem Prospekt geworben“, erinnert sich der Münsteraner Architekt Ralph Schürmann. Als Abiturient hatte er die Tribüne, die die Firma Sportbau seines Vaters Herbert innerhalb weniger Tage aufgebaut hatte, kurz vor der Fertigstellung in Augenschein genommen. „Der Aufbau ging rasch, weil das geniale Tribünen-Stecksystem des niederländischen Ingenieurs Peter Margadant ohne jegliche Schraube auskam.“ Erstmals wurden, durch eine Auflage des DFB, die Zuschauer durch einen 1,80 Meter hohen Zaun vom Spielfeld getrennt. Unter den Augen des Bundestrainers Helmut Schön gewannen die Kickers das erste Spiel gegen den 1. FC Nürnberg 2:1.

Am 19. September 1968 wurde auf dem Bieberer Berg die hellste Flutlichtanlage Europas eingeweiht. Vergleichbare Anlagen standen jeweils nur in der Schweiz, Türkei und in Jugoslawien. Die beiden 64 Meter hohen Masten erzeugten mehr als 500 Lux, was dem Licht von etwa 300.000 Glühbirnen entsprach. Der Novität mit nur zwei statt der bisher vier verwendeten Masten lag ein Konzept zugrunde, bei dem das Tageslicht durch eine neuartige Technik wiedergegeben werden sollte. Der eine Mast imitierte dabei das natürliche Sonnenlicht als Hauptlichtquelle, während der andere das normalerweise vom Himmel reflektierte Licht erzeugen sollte. Die beiden Masten waren weithin sichtbar und galten fortan als das neue Wahrzeichen Offenbachs. Sie wurden, je nach Vorliebe, „Offenbacher Eiffeltürme“ oder „Offenbacher Leuchttürme“ genannt. „Es gibt eigentlich kaum jemanden, der ein solches Flutlichtspiel schon miterlebt hat und nicht von diesem Fluidum begeistert war. Die Sicht ist besser, die Farben sind kräftiger und die Kontraste deutlicher“, war in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Vereins zu lesen. Spieler und Publikum schrieben ihm magische Bedeutung zu, unter Flutlicht galten die Kickers als unschlagbar.

Orion-Tribüne

Im April 1973 stimmte die Offenbacher Stadtverordnetenversammlung dem Bau der 3.062 Personen fassenden Südost-Sitztribüne zu. Einziger Knackpunkt waren die Kosten von 1,7 Millionen D-Mark für die Stadt als Eigentümer. Die Kickers jedoch erklärten, sie würden die Tribüne bis 1976 vorfinanzieren, ehe die Stadt einsteige. Wegen der großen Werbeschilder des japanischen Unterhaltungselektronikherstellers Orion wurde sie vom Gros der Fans als „Orion-Tribüne“, später dann als „Henninger-Tribüne“ bezeichnet. In den Wintermonaten sollten an der Decke montierte Heizstrahler den Komfort erhöhen. Ob ihre seltene Inbetriebnahme an den hohen Heizkosten oder an der unausgereiften Technik lag, wurde unter den Fans eifrig diskutiert. Für die erhöhte Sicherheit des Stadions, die Erneuerung von Zäunen und Stehstufen sowie das In-Schuss-bringen der Notstromanlage waren 1974 weitere 1,2 Millionen Mark erforderlich, von denen das Land Hessen rund die Hälfte übernahm.

Kickers-Legende im Anflug: Erwin Kostedde im Februar 1975 im Spiel gegen Hertha BSC Berlin.

Eigeninitiative

Ab der Saison 1989/90 verschlug es den OFC ins Amateurlager. Mit der Initiative „Rettet den Bieberer Berg“ der OFFENBACH-POST und durch massiven Protest der Anhängerschaft, die mit dem Slogan „Fußballfans sind auch Wähler“ ihre Stimme in die Waagschale warf, wurde Anfang der 90er Jahre verhindert, dass die Stadt das Stadion abreißen ließ, um durch einen privaten Investor ein Freizeitzentrum errichten zu lassen. Die Stadt übergab im Frühjahr 1992 das Stadion dem OFC in Erbpacht. Zum Unterhalt gewährte die Stadt einen jährlichen Zuschuss von 120.000 Mark. Allein die jährlichen Betriebskosten beliefen sich auf das mehr als Siebenfache. Es schlug die Stunde der Fan-Clubs und der Initiativen. Mit den Geldern aus der Aktion der OFFENBACH-POST wurde das Dach der Haupttribüne saniert. Fanclub-Mitglieder montierten 1995 rund 2000 rote und weiße Schalensitze um, so dass der große OFC-Schriftzug auf der Südost-Tribüne entstand. Anhänger waren es auch, die im Juli 1997 den kompletten Stadionzaun rot-weiß strichen. Im März 1998 entfernten Fans die maroden Holzbänke im unteren Bereich der Stehtribüne sowie Trennzäune, um den Stehplatzbereich zu erweitern.

Anzeigetafel mit Tücken

Schilda hielt Einzug mit der Installation der von Werder Bremen erworbenen Anzeigetafel, die nach zweieinhalbjähriger Planungs- und Installationsphase am 10. September 1999 in Betrieb genommen wurde. Die aufwändigen Erd- und Betonarbeiten hinter der Stahlrohrtribüne zum Einlassen der zentnerschweren Masten waren beim Kauf nicht bedacht worden. Zudem war die Computersteuerung der Anlage verschwunden, so dass sie komplett nachgebaut werden musste. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga erforderte vor dem Start der Saison 1999/2000 zahlreiche Umbaumaßnahmen. Netze kamen hinter die Tore, eine neue Lautsprecheranlage wurde installiert und die Stahlrohrtribüne in Stand gesetzt. Die Holzbänke der Haupttribüne wurden 2005 durch Schalensitze ersetzt, die den Schriftzug „Kickers“ bildeten. Eine Rasenheizung wurde eingebaut und der Fanblock 2 auf der Stehtribüne durch Schaffung eines weiteren Zugangs in die Blöcke 2a und 2b unterteilt. Die Errichtung eines neuen Kabinentrakts unter der Südost-Tribüne 2007 brachte mehr Komfort für Spieler und Schiedsrichter.

Die Flutlichtmasten des Kickers-Stadions werden verschrottet, Michael Maier (Betriebslehrer des VTBO/ehemals GOAB) war der Zerleger und Metallfachmann für die Wunschstücke.

Neues Stadion genehmigt

Trotz allen Einsatzes, die verfallende Bausubstanz zu erhalten, stand 2009 der Beschluss, das nicht mehr zeitgemäße Stadion abzureißen und durch eine moderne Arena an gleicher Stelle und ähnlichen Zuschnitts zu ersetzen, fest. „Der Bieberer Berg geht, das Sparda-Bank-Hessen-Stadion kommt“ schrieb denn auch Redakteur Martin Kuhn zur Vorstellung des Bauprojekts im Januar 2011. Der von Oberbürgermeister Horst Schneider forsch verkündete Fertigstellungstermin 30. Juni 2012 wurde tatsächlich eingehalten. Mit verantwortlich dafür war das engagierte Team um Bauleiter Heinz Hölscher des Generalunternehmers Bremer. An dessen Firmensitz in Paderborn hatte die Baufirma genau vier Jahr zuvor ein 15.000 Zuschauer fassendes Stadion fertiggestellt. Das Offenbacher Pendant aus rund 4.000 bis zu 22 Meter langen und 40 Tonnen schweren Betonfertigteilen fasste nicht nur 5.500 Zuschauer mehr, sondern übernahm vom altehrwürdigen Stadion Bieberer Berg die einzigartige Stehtribüne auf der Gegengeraden, die rund 9.500 Fans Platz bietet. Die Idee zum aktuellen Stadion war Kickers-Geschäftsführer Thomas Kalt, Manager Jörg Hambückers und Ehrenpräsident Waldemar Klein im Oktober 2008 während des Drittliga-Auswärtsspiels im neuen Stadion des FC Paderborn gekommen. „Von diesem Moment an war mir klar, dass es möglich sein würde, für kleineres Geld als bisher gedacht, ein komplett neues Stadion aus Stein zu bauen“, erinnerte sich Kalt. Der 89-jährige Waldemar Klein warb in einer emotionalen Rede am 5. Dezember 2008 auf einer öffentlichen Sitzung der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung. Im Juli 2009 gab die Politik grünes Licht für den 25 Millionen Euro teuren Stadionneubau. Aus dem hessischen Landesausgleichsstock flossen zehn Millionen Euro in das Projekt. Jeweils fünf Millionen steuerten die Stadt Offenbach, die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) sowie die Sparda-Bank Hessen als Namenssponsor für zehn Jahre dazu. Nach der europaweiten Ausschreibung im Mai 2010 erhielt der Entwurf der Bremer AG im Dezember den Zuschlag. Die neu gegründete Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) als Tochtergesellschaft der SOH fungierte als Bauherrin.

Premierentore

Der während des laufenden Spielbetriebs vollzogene Umbau dauerte 17 Monate und startete mit der Demontage der westlichen Stahlrohrtribüne am 17. Februar 2011. Rasch folgte der Abriss der Haupttribüne, während die neue Westtribüne bereits Gestalt annahm. Der für Kickers-Fans schmerzlichste Teil war der Abbruch der Waldemar-Klein-Tribüne im Mai, die jedoch Ende Juli bereits zur Hälfte wieder aufgebaut war. Während am 1. Dezember 2011 die ersten Räume in der Haupttribüne bezogen werden konnten, war der Abriss der Henninger Tribüne kurz vor Heilig Abend abgeschlossen. Sportlich ist der Neubau untrennbar mit dem Stürmer Pascal Testroet verbunden. Der in Schalke ausgebildete und vom SV Werder Bremen gekommene Stürmer erzielte im Eröffnungsspiel am 22. Juli 2011 das erste Tor der eingleisigen Regionalliga-Saison beim 2:1 Sieg des OFC in Heidenheim. Am 3. August feierte „Der Mann für die besonderen Tore“ Premiere mit dem ersten Treffer beim 2:0 Sieg des OFC gegen den SV Sandhausen im neuen, halbfertigen Sparda-Bank-Hessen-Stadion, in dem die neue Haupt- und Westtribüne bereits nutzbar waren. Sechseinhalb Monate später, am 25. Februar 2012, stand sein Name als erster auf der neuen Anzeigetafel. Er hatte zum 1:0 gegen Werder Bremen II (3:0) getroffen. „Ich habe zwar hochgeschaut, aber richtig bewusst ist es mir erst im Nachhinein geworden, als alle ankamen. Ich werde beim OFC immer ein Begriff bleiben.“, sagte der Angreifer in einem hr-online-Gespräch. Eingeweiht wurde das am 30. Juni fertiggestellte Stadion mit dem Freundschaftsspiel am 18. Juli 2012 gegen Bayer 04 Leverkusen (0:3).

Fans nehmen Stadion in Besitz

In Eigenleistung strichen Fans im Juli 2014 die jeweils 108 Tritte der sechs Aufgänge zur Waldemar-Klein-Tribüne in Rot-Weiß und lockerten damit das triste Grau des Betons auf. Unter dem Motto „Schöner wohnen in Rot-Weiß“ reinigten, grundierten und strichen drei Jahre später OFC-Anhänger gemeinsam mit Verwaltungsratsmitglied Volker Goll die 120 mal 4 Meter große hintere Wand der Waldemar-Klein-Tribüne. Diese Vorarbeiten waren für die Gestaltung eines Graffiti-Bandes mit Szenen aus der Vereinsgeschichte erforderlich. Der Offenbacher Künstler Marcus Dörr, zugleich Inhaber der Kreativagentur Atmos4 und glühender OFC-Fan, sprühte Höhepunkte der Vereins-Historie auf nahezu 500 Quadratmeter. Vorausgegangen waren zahlreiche Gespräche mit Fans über die zentralen Motive.

Namenswechsel

Trotz des bis Ende 2020 laufenden Vertrages mit der Sparda-Bank Hessen verzichtete die Genossenschaftsbank im April 2020 auf ihr Benennungsrecht. In Abstimmung mit der Stadiongesellschaft wurde die Arena in „Kommt-Gesund-Wieder-Stadion“ umbenannt. Durch die Unterstützung der Energieversorgung Offenbach (EVO), der Städtischen Sparkasse, der Stadtwerke und der Gemeinnützigen Baugesellschaft erhielt die Arena bis Ende 2021 seinen ursprünglichen Namen „Stadion am Bieberer Berg“ zurück.

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