Einbrechen schwer gemacht

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Nur etwa eine halbe Minute braucht ein erfahrener Einbrecher, um ein geschlossenes Fenster zu öffnen. Im Polizeiladen erklärt Kommissar Peter Bender den Offenbachern, wie sie sich dagegen schützen können.

Offenbach ‐ „Hier, probieren Sie mal aus“ sagt Peter Bender und drückt dem Mann das Brecheisen in die Hand. Der macht sich am Fenster zu schaffen, setzt an und hebelt. Es knarzt. Von Georg Buschmann

Er versucht es mit etwas mehr Druck und dreimal gibt der Rahmen nach, ehe Peter Bender ihn wieder durch das nun offene Fenster anschaut. „Sehen Sie, wie leicht es geht?“ Nicht einmal eine Minute hat er gedauert, um das geschlossene Fenster von außen zu öffnen.

Was im Polizeiladen Offenbach nur mal ausprobiert wurde, geschieht in der Stadt im Schnitt jeden zweiten Tag: Ein Wohnungseinbruch. Oft ist dabei die Schwachstelle die Terrassen-, die Balkontür oder ein Fenster im Erdgeschoss. Die Polizei rät dazu, diese Türen und Fenster besonders zu sichern. „Die Terrassentüren liegen meistens rückseitig im Finstern“, sagt Polizeihauptkommissar Bender. Dies ziehe Einbrecher an, da sie sich in der Dunkelheit unbeobachtet fühlten.

„Sichert man aber nur diese Tür, sucht der Täter nach der nächsten Schwachstelle.“ Fündig wird er dabei meist bei Fenstern im Erdgeschoss. Und wie leicht ein Laie ein geschlossenes Fenster mit einem geeigneten Hebel aufbekommt, hat der Versuch im Polizeiladen gezeigt. Daher ist es wichtig, so Bender, dass der Hauseigentümer auch an die Fenster denkt. Idealerweise sollten sowohl die Griff- als auch die Scharnierseite mit einem zusätzlichen Schloss gesichert werden. „Die Einbrecher hebeln auch an der Scharnierseite des Fensters und dort ist es ebenfalls verwundbar.“

Hochschiebeschutz für Rollos

Mit den Schlössern kann man dem Einbrecher das Leben deutlich schwerer machen, meint der Fachmann. „Dieses Stangenschloss“, sagt Bender und deutet auf die kleine Sicherung am Beispiel-Fenster, „hält mehr als eine Tonne Belastung aus.“ Auch das kann ein Einbrecher vielleicht knacken. Entscheidend ist aber, dass er mehr Zeit und Aufwand benötigt.

Ein heruntergelassenes Rollo biete dagegen nur bedingt Schutz. „Der Einbrecher kann es einfach wieder hochschieben.“ Hier hilft ein Hochschiebeschutz, der innen angebracht wird und mit einem Stahlstab zwischen die Lamellen des Rollos greift. „Dann muss der Einbrecher entweder den ganzen Rollladen aus der Verankerung reißen oder ihn aufschneiden.“

Allerdings braucht er auch dazu wesentlich mehr Zeit, macht Krach und muss mehr Werkzeug verwenden. „Dann lassen es viele sein, weil ihnen das Risiko zu groß ist“, so Bender.

Kostenloser Service der Polizei

Doch nicht nur bei der mechanischen Sicherung will die Polizei ansetzen. „Es geht auch um Dinge wie Licht und aufmerksame Nachbarn.“ Peter Bender empfiehlt, rund ums Haus Scheinwerfer anzubringen. „Wichtig ist, sie und auch die Bewegungsmelder hoch zu hängen, damit ein Einbrecher sie nicht einfach abmontieren kann.“

Die Polizei rät zudem, den Garten nicht unübersichtlich zuwachsen zu lassen. Dies biete potenziellen Einbrechern Sichtschutz. Außerdem sollten Rollläden bei Tageslicht nicht heruntergelassen werden. „Ein Haus mit heruntergelassenen Rollläden sieht immer unbewohnt aus.“

Wer sich ausgiebig zum Thema Einbruchsschutz informieren will, kann den kostenlosen Service der Polizei nutzen. Im Polizeiladen am Rathaus beraten Peter Bender und seine Kollegen zu folgenden Zeiten: Dienstag und Mittwoch von 9 bis 17 Uhr, Donnerstag und Freitag von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr.

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