Mülltonne als Tatfahrzeug

Offenbach ‐ Es ist für Horst M. der größte und vorläufig auch letzte Coup: Mit mehreren Kumpels bricht der Offenbacher im Mai in einen Getränkemarkt in der Sprendlinger Landstraße ein. Von Silke Gelhausen-Schüßler

In einer 240-Liter-Altpapiertonne, einem Einkaufswagen und diversen Taschen nehmen sie Alkoholika im Wert von 2 500 Euro mit. Pech nur für die „Müllmänner“: Ein Anwohner beobachtet den Beutezug und verständigt die Polizei. Wegen dieser und zwei weiterer Diebstähle verurteilte das Offenbacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck den 48-Jährigen jetzt zu zwei Jahren und elf Monaten Haft – womit er nun zusammen mit seinen zur Bewährung ausgesetzten Vorstrafen auf insgesamt fünf Jahre und fünf Monate kommt.

In allen drei Fällen ging das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit aus: Horst M. hatte jeweils zwischen 2,3 und 3,3 Promille im Blut. Strafmildernd wirkte sich außerdem aus, dass er die Taten gestand und es sich bei den Delikten ausschließlich um Beschaffungskriminalität handelte.

Horst M. war zunächst Anfang Januar in unmittelbarer Nachbarschaft seiner eigenen Wohnung mit Hilfe eines Schraubendrehers in einen Keller eingebrochen. Bevor er dort etwas entwenden konnte, wurde er vom Eigentümer erwischt und gestellt. Zwei Monate später probierte er sein Glück erneut im unverschlossenen Keller eines anderen Hauses. Diesmal hatte er mehr Glück und ließ zwei Bohrmaschinen und wenige Getränkeflaschen mitgehen. Auch hier wurde er auf frischer Tat ertappt, als er, nach Abtransport der ersten Beute, noch einmal zurück kam. Der Polizei erklärte er in beiden Fällen, eine Toilette gesucht zu haben. Die entwendeten Gegenstände gab er später zurück.

Der alkoholabhängige Angeklagte ließ sowohl die Verhandlung als auch das Urteil gelassen über sich ergehen. Ihm war vor allem wichtig, nicht nach § 64 des Strafgesetzbuchs verknackt und in eine Entziehungsanstalt eingewiesen zu werden. Denn dort habe schon sein Bruder 16 Monate „ohne sichtbaren Erfolg abgesessen“.

In diesem Punkt gab ihm sogar sein psychiatrischer Gutachter Professor Manfred Bauer unumwunden recht: „Die Erfolgsquote solcher Kliniken ist nicht überwältigend.“ Es stelle sich unter Juristen mittlerweile die Frage, ob man den Paragraphen 64 überhaupt noch brauche. Wenn ein Straffälliger aber wirklich von seiner Sucht loskommen möchte, bekomme er dort schon eine reelle Chance, so Professor Bauer.

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