„Eine Beschäftigungsmaßnahme“

Corona-Krise: Gastronomie in Offenbach auf Abhol- und Lieferdienste angewiesen

Wirtschaftlich trifft die Corona-Krise neben der Kultur- und Veranstaltungsbranche vor allem die Gastronomie. 
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Wirtschaftlich trifft die Corona-Krise neben der Kultur- und Veranstaltungsbranche vor allem die Gastronomie. 

Wirtschaftlich trifft die Corona-Krise neben der Kultur- und Veranstaltungsbranche vor allem die Gastronomie.

Offenbach - Wie berichtet, müssen diesen Monat sämtliche Lokale geschlossen bleiben. Abhol- und Lieferdienste sind daher derzeit das Gebot der Stunde. Aber wie gut kommen Offenbacher Anbieter damit über die Runden? Eric Münch, Inhaber des Markthauses am Wilhelmsplatz: „Die Situation ist fatal.“ Besonders ärgerlich ist für ihn, dass er den November über trotz vielerlei Corona-Schutzvorkehrungen schließen muss. „Wir haben die ganze Zeit alles gemacht: Plexiglas-Abtrennungen aufgehängt, für Luftaustausch gesorgt, Abstände gewahrt, Händedesinfektion gekauft.“ Er kann keine Verhältnismäßigkeit erkennen..

Corona-Krise trifft Offenbacher Gastronomie hart

Nun bietet Münch vor allem Essen zum Abholen an. „Das haben wir im Frühjahr ja auch schon mal gemacht. Es ist aber keine Lösung.“ Die großen finanziellen Probleme blieben erfahrungsgemäß bestehen. „Was im Frühjahr an Hilfsmitteln kam, beziehungsweise die Kredite die aufgenommen wurden, ist so gut wie aufgebraucht. Auch die Aussichten auf die 75 Prozent des Vorjahresumsatzes haben sich im Gespräch mit dem Steuerbüro auch schon wieder relativiert, da wird wohl nicht so viel rumkommen, dass es auch nur annähernd reicht.“

Damit bezieht Eric Münch sich auf angekündigte Hilfszahlungen der Bundesregierung, die Gastronomen und Unternehmern auf Antrag eine Summe versprochen hat, die drei Vierteln des Novemberumsatzes von 2019 entsprechen soll.

„Es ist keine Lösung“: Eric Münch vom Markthaus kann vom Abholservice allein nicht lange leben.

Gerade in der kalten Jahreszeit werde es immer schwieriger, so Münch. „Dass die Leute auch noch kommen und sich etwas holen, wird wetterbedingt nicht so erfolgreich.“ Immerhin: Der Gänsebraten zum Abholen habe sich zuletzt guter Resonanz erfreut.

Ein düsteres Bild zeichnet auch Sascha Hess von der Hessewirtschaft in der Senefelderstraße. „Es sind bei Weitem nicht die Umsätze, die wir hätten, wenn wir den Betrieb ganz normal geöffnet hätten“, sagt Hess im Hinblick auf den November.

Für ihn sei der Lieferservice „eher eine Beschäftigungsmaßnahme, dass einem die Decke nicht auf den Kopf fällt.“ Die Reaktionen fielen allerdings sehr positiv aus. „Die Kunden sind sehr freundlich, und wir freuen uns über jeden, der anruft“, so Hess. Er rechnet damit, erst im neuen Jahr wieder den einen oder anderen Gast im Lokal begrüßen zu dürfen. Wie lange die derzeitige Situation finanziell noch durchzuhalten sei, könne er spontan allerdings nicht sagen. „Da kommen so viele Faktoren zusammen, dass es schwierig ist, eine vernünftige Aussage zu treffen.“

Corona-Krise in Offenbach: Abhol- und Lieferdienste als einzige Möglichkeit

Abhol- und Lieferdienste sind derzeit aber nicht nur im Bereich der Gastronomie verbreitet. Auch der Buchladen am Markt macht damit in Zeiten der Corona-Pandemie besondere Erfahrungen. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Inhaberin Andrea Tuscher: „Wir liefern zwei, drei mal die Woche aus.“ Das sei allerdings keine Corona-bedingte Neuigkeit. „Wir machen das schon immer, seit mindestens 20 Jahren.“ Während der ersten einschneidenderen Beschränkungen im Frühjahr habe sich der Lieferrhythmus allerdings auf täglich beschleunigt. Damals sei die Nachfrage groß gewesen.

Aktuell ist das nicht mehr der Fall. Besonders intensiv genutzt werde dieser Tage aber die Möglichkeit, Bücher zu bestellen und im Laden abzuholen. „Die Kunden kommen etwas gebündelter. Viele rufen vorher an und holen ihre Bestellung dann im Laden ab, sodass sie möglichst nur einen Weg zurückzulegen haben.“ Älteren Leuten oder solchen, die gerade nicht so gerne in die Stadt möchten, biete sie den Lieferdienst nach wie vor an, aber er werde insgesamt nicht mehr so genutzt wie noch vor einigen Monaten.

Ob Speis’, ob Buch – ausschließlich von Lieferdiensten darf das Überleben von Offenbacher Gastonomen und Händlern also nicht lange abhängen, wenn man sich die Erfahrungsberichte anhört. Von Marian Meidel

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