Eine Branche gibt Gas

Offenbach ‐ Für die Wagners ist der siebenmalige Formel 1-Weltmeister Schumacher nur „der Michael. Als Vierjährigen habe ich ihn das erste Mal gesehen“, erinnert sich Botho G. Wagner. Die Bekanntschaft Wagners und seiner Frau Alice mit dem prominenten Autofahrer rührt von der großen Gemeinsamkeit her: dem Kartsport. Von Stefan Mangold

Schumachers Vater betrieb schon damals eine Bahn in Kerpen, und Botho G. Wagner sah dort ein Modell, „von dem ich erst dachte, es sei ferngesteuert.“ Denn hinterm Steuer habe er auf die Entfernung keinen Fahrer sehen können. Wie sich herausstellte, lenkte der Sohn des Betreibers den Wagen, „der kleine Michael.

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Zum 18. Mal organisierte am Wochenende die Familie Wagner die „IKA KART2000“, eine Messe rund um die rasanten Flitzer, auf der sich tausende Fachleute und Hobbyfahrer über neue Modelle informierten. „Anbieter aus Australien, Japan und den USA stellen bei uns aus“, erzählte Wagner am Rande.

Trotz der wirtschaftlich weltweit angespannten Lage waren die Hallen in der Kaiserstraße auch in diesem Jahr von Anbietern und Zuschauern voll. Auffallend viele Besucher sprachen Italienisch miteinander. „In Italien ist unser Sport enorm populär“, erklärte der Mitorganisator und ehemalige Rennfahrer Hans-Jürgen Hoth.

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Manche Laien halten ein Kart für die schnittige Version eines Autoscooters. Weit gefehlt. Würde etwa auf dem Stadtkurs von Monaco ein Kart gegen einen Boliden aus der Formel 1 fahren, „gewinnt das Kartmodell“, weiß Botho G. Wagner, der in den sechziger Jahren seinen Freund Hans-Jürgen an den Sport brachte. „Auf einer Strecke mit vielen Kurven ist das Kart wegen seiner Wendigkeit im Vorteil.“ Außerdem könne es leichter beschleunigen. Die schnellsten Konstruktionen bringen es auf eine Geschwindigkeit von 320 Stundenkilometern, gerade mal 30 weniger als ein Wagen der Formel 1.

Kartsport nicht ungefährlich - Fahrer in Italien getötet

Ganz ungefährlich ist der Rennsport nicht, „auch wenn sich die Sicherheit in den letzten Jahren sehr verbessert hat.“ Wagner selbst fuhr bis Mai 1972 „zwischen 400 und 500 Rennen.“ Unfälle blieben nicht aus, „ein paar Knochen habe ich mir schon gebrochen.“ Das bewegte den Obertshausener jedoch nicht, die siegreiche Rennkarriere zu beenden. Einmal hätte er an einem Tagesrennen in Italien teilnehmen sollen, was er zeitlich nicht konnte. Statt dessen sprang ein Fahrer namens Helidor Schädler ein. Als Wagner in Italien bei seinem Team anrief und fragte, wie das Rennen gelaufen sei, schluchzte der Mann am anderen Ende der Leitung: „Helidor ist tot.“ An einem Rennen nahm Wagner nie wieder teil.

Die Rennautos des kleinen Mannes sind Karts nur, was ihre äußeren Maße betrifft. Für die inneren Werte der Flitzer muss man schon eine größere Summe anlegen. Die schnellsten Profi-Karts schaffen 320 Sachen.

Dem Sport, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, blieb Wagner treu. „Botho ist der beste Streckenkommentator Deutschlands“, sagt Hans-Jürgen Hoth, mehrfacher Hessischer Meister der sechziger Jahre, der sich einst mit Wagner knifflige Duelle lieferte, „bei den Rennen haben wir uns nicht immer gut verstanden.

Kartfahren lässt sich preislich unterschiedlich gestalten. „Wer das ernster als ein Hobby nimmt, den kann das 100.000 Euro jährlich kosten“, sagt Petra Fuchsberger, Wagners Tochter, die durch die Leidenschaft ihres Vaters mit dem Sport aufwuchs und jetzt mit ihrem Sohn Marcel die Messe mitorganisiert. Ein Fahrzeug, mit dem reine Hobbyfahrer auskommen, liegt bei 3.000 Euro vergleichsweise günstig. Dazu kommt das Equipment. Für einen Helm können schon mal 1.000 Euro anfallen.

Früher war Kartfahren hierzulande erst ab 14 Jahren gesetzlich erlaubt. „Die Schumachers und Vettels fahren heute von Kindesbeinen an.“ Beide Piloten haben schon Wagners Messe besucht. Sämtliche Fahrer der Eliteklasse kämen heute aus dem Kartsport. „Gut möglich, dass gerade ein zukünftiger Weltmeister durch die Halle läuft.

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