Er war eine Ehre für seine Stadt

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Wiederaufbau von Büsingpalais und Lilitempel, Aufstockung des Klingspormuseums: Ke in Nachrufer der Trauerfeier versäumte es, auf die entscheidenden Verdienste Bruno Knapps für diese sichtbaren Offenbacher Meilensteine hinzuweisen.

Offenbach ‐ Sie nahmen gestern in großer Zahl Abschied. Verwandte, politische Weggefährten und Gegenspieler, Offenbachs Anwaltschaft, Mitarbeiter, Freunde, Mitbürger, Bieberer. Von Thomas Kirstein

In der Kirche St. Nikolaus erwiesen sie dem ehemaligen Stadtverordnetenvorsteher und Ehrenbürger Dr. Bruno Knapp die letzte Ehre. Also an einem Ort, für den der am 15. September verstorbene Katholik zeitlebens engagiert war: So gehörte zur Würdigung eines breit gefächerten ehrenamtlichen Wirkens auch jenes von Jugend auf in den Gremien seiner Heimatpfarrei.

In Pfarrer Hermann Rink übernahm das ein langjähriger Freund. Mit dem Geleit auf dem letzten Weg erfüllte er auch den ausdrücklichen Wunsch des 86-Jährigen, den er als lebensfrohen, realistisch denkenden und sozial engagierten überzeugten Christen beschrieb. Den väterlichen Kollegen und anerkannten Juristen stellte sein Sozius Dr. Thomas Lanio in den Mittelpunkt: Den Rechtsanwalt, Notar, Richter am hessischen Staatsgerichtshof zeichneten nach seinen Worten neben der christlichen Überzeugung die Klarheit des Denkens und die Konsequenz des Handelns aus.

„Neun Gebote für Stadtverordnete“

Wiederaufbau von Büsingpalais und Lilitempel, Aufstockung des Klingspormuseums: Kein Nachrufer der Trauerfeier versäumte es, auf die entscheidenden Verdienste Bruno Knapps für diese sichtbaren Offenbacher Meilensteine hinzuweisen.

Erik Lehmann, Nach-Nachfolger im Amt des Stadtverordnetenvorstehers, Oberbürgermeister Horst Schneider und Sozialminister Stefan Grüttner als örtlicher CDU-Vorsitzender betonten aber auch das ideelle Erbe des Verstorbenen. Der seit 1960 für ein Vierteljahrhundert das Stadtparlament prägende Bruno Knapp hinterlässt unter anderem seine „Neun Gebote für Stadtverordnete“, aus denen Erik Lehmann zitierte: „Man wird nicht zum Ruhme einer Partei gewählt, sondern zum Wohle der Stadt.“

Beisetzung am frühen Nachmittag

Christdemokrat Knapp habe keine Gegner gekannt, sondern nur Andersdenkende, deren Argumente einer Prüfung wert gewesen seien, erinnerte Sozialdemokrat Horst Schneider. „Eigentlich ehrt es unsere Stadt, dass Bruno Knapp ihr Bürger war“, sagte der OB über den Ehrenbürger. CDU-Chef Stefan Grüttner lobte seinen verstorbenen Parteifreund als außergewöhnliche Persönlichkeit, der ein Lebenswerk für Stadt und Partei hinterlassen habe. Der brillante Rhetoriker habe mit Demut, Fairness und Verantwortung dem Gemeinwesen gedient.

Am frühen Nachmittag wurde der in Kassel geborene und als Kind nach Offenbach gekommene Bruno Knapp im engeren Kreis um die beiden Kinder Reinhild und Jürgen neben seiner 1992 verstorbenen Ehefrau Edith auf dem Bieberer Friedhof beigesetzt.

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