Designschülerinnen aus Offenbach zeigen im Hafen 2 selbst kreierte Lichtwerke

Eine einleuchtende Idee

Das gibt strahlend schöne Kleidung - garantiert. Nein, kein Versprechen aus der Waschmittelwerbung, sondern die Aufgabe, der sich 20 junge Designschülerinnen aus Offenbach gestellt haben. Zur Luminale kreierten sie mehr als 60 ausgefallene Outfits, die eins gemeinsam haben: Sie strahlen, leuchten und reflektieren. Die „Schule für Mode. Grafik. Design.“ beteiligt sich damit zum dritten Mal am Lichtkunst-Festival und zeigt bei der „Leuchtstoff“-Modenschau morgen und nächsten Samstag die tragbaren Lichtwerke.

„Kleidung mit Leuchteffekten ist ein ganz spannender, neuer Aspekt, sonst werden ja fast nur Gebäude illuminiert“, sagt Daniela Ballweg, Leiterin der privaten Designschule in Offenbach. Als Luminale-Kurator Helmut Bien vor drei Jahren auf sie mit dieser Idee zukam, sagte sie direkt zu. Seitdem ist im Winter-Halbjahr die „Leuchtstoff“-Vorbereitung die größte Aufgabe für die angehenden Jungdesignerinnen. „Es geht weniger um die Verarbeitung, vor allem zählt das Gestalterische und Experimentelle“, erläutert Daniela Ballweg. Da vereinen sich die verschiedensten Farben, Formen und Materialien, Licht- und Schatteneffekte spielen miteinander, in einer eleganten Robe verbirgt sich beleuchtetes Recyceltes. Von den ersten Ideen und Skizzen bis hin zur Materialbeschaffung, vom eigentlichen Nähen des Kleids bis zum Model-Casting – die meist frischgebackenen Abiturientinnen sind verantwortlich für das Projekt. „Eine aufregende Erfahrung für alle“, weiß die Schulleiterin.

So auch für Vera Isufaj aus Mörfelden, die seit September ihr Basisstudium an der Offenbach Designschule absolviert. „Als wir die Aufgabe bekamen, fing ich an, Weihnachtsbeleuchtung mit ganz anderen Augen zu sehen“, erzählt sie und lacht. „Mein erster Gedanke war, einfach Lichterketten zu nehmen – aber wie viele kann ich in ein Kleidungsstück packen, ohne dass es zehn Kilo wiegt?“ So manche Entwürfe, die auf dem Papier noch funktionierten, ließen sich nicht in die Realität umsetzen, das mussten viele der Schülerinnen feststellen. Als sich Vera Isufaj eines Tages einen Kaffee zum Mitnehmen mit typischem weißem Plastikdeckel holte, kam der Geistesblitz: „Die Deckel reflektieren, und so habe ich ein komplettes Kleid aus ihnen gemacht. Das war der Anfang von meiner Müllkollektion.“ Sie entwarf unter anderem Kleider aus Müllsäcken. „Die Idee dahinter ist, aus etwas Hässlichem etwas Schönes und Leuchtendes zu machen“, erklärt die 20-Jährige. Eine weitere Modereihe von ihr, die ebenfalls bei den „Leuchtstoff“-Schauen gezeigt wird, besteht aus CDs. Sie spiegeln Licht in allen Farben wieder – effektvoll und futuristisch.

Die Aufgabe hat die Schülerinnen in den vergangenen Monaten komplett in Anspruch genommen. Sie arbeiteten an den Entwürfen meist abends und an den Wochenenden, im Studienalltag blieb keine Zeit. Doch als Last hat es keine empfunden – im Gegenteil. „Es hat Spaß gemacht, sich kreativ auszuleben“, sagt die Offenbacherin Hannah Mayer. „Wir hatten keine Vorgaben, sondern waren ganz frei in der Gestaltung, das war toll.“ Konkurrenzdenken gab es nicht, wie Mitschülerin Jule Orth aus Lollar betont: „Wir haben uns gegenseitig viel geholfen, unsere Entwürfe besprochen und regelmäßig Guckrunden gemacht. Es ist ja unser gemeinsames Projekt.“ Sie sind froh, ihre Kreationen in so großem Rahmen präsentieren zu können.

„Wir sind alle keine guten Näherinnen“, geben sich die drei Mädels bescheiden. „Ich habe einfach nur gebastelt, also ein bisschen geschnitten und geklebt“, meint Jule Orth und lächelt. „Fürs Modedesign-Studium danach ist Nähen-können aber schon hilfreich.“ Die Kleider der jungen Frauen bestehen aus Pappmaché- oder Styroporkugeln, die dank spezieller Farbe im Schwarzlicht erstrahlen: Ob weiß oder neon-bunt, ob als große Kugel oder viele kleine.

So auch die Kollektion von Hannah Mayer, die besonderen Wert auf Weiblichkeit legt: „Ich liebe feminine Mode und finde, Blüten bringen sie am besten zum Ausdruck.“ Sie kombiniert einen mit bunten Plastikblüten geschmückten kurzen, aber dennoch ausladenden Rock mit einer engen Korsage. Für die Illumination sorgen sorgfältig arrangierte Lichterketten, auch als Haarschmuck. „Am schönsten wären ja echte Blüten“, schwärmt die 20-Jährige. „Würden die nur länger halten.“ Zum normalen Tragen, vor allem zum Sitzen, sind die Kleider sowieso nicht geeignet, wie die Jungdesignerinnen zugeben. Aber selbst angezogen und ausprobiert haben sie alle ihre Entwürfe. „Für den Laufsteg sind sie perfekt!“, sagen die drei voller Vorfreude. Morgen stellen das die selbst ausgesuchten Models unter Beweis: Um 20 und 22 Uhr auf dem „Leuchtstoff“-Catwalk im Hafen 2 Offenbach. Ab 19 Uhr beginnt dort der Offenbacher Teil der Luminale mit DJ zorAH. Eine Woche später, am 20. April, ist die „Leuchtstoff“-Modenschau nochmal zum Abschluss der Luminale zu sehen – diesmal im Frankfurter Cocoon Club. Einlass ab 20 Uhr, Catwalk um 22 Uhr. Karten im Vorverkauf sind nur in der „Schule für Mode. Grafik. Design.“ in Offenbach erhältlich.

V. SZEHEROVA

Die Offenbacher Studentinnen Hannah Mayer (von links), Vera Isufaj und Jule Orth präsentieren ihre eigene Mode mit Leuchteffekten. Unten: Die Modenschau findet im Hafen2 statt.Fotos: Thorsten Fuchs (P), vs

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