Eine ewige Baustelle

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Während hessenweit die Kinderzahlen zurückgehen, rennen die Kleinen Offenbachs Grundschulen die Türen ein. Käme kein Neubau auf dem Hafenareal, müsste die Goetheschule 2015 neun erste Klassen aufnehmen.

Offenbach ‐ Gegen den Landestrend - da schwingt meist Negatives mit, wenn in Offenbach etwas anders läuft als im übrigen Hessen. Von Martin Kuhn

Erfahrungsgemäß, möchte manch einer sagen. Auch in diesem Fall? Während in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der hessischen Schüler konstant gesunken ist, will die Stadt sogar eine neue Schule bauen. Für Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) ist das kein Widerspruch, sondern dringende Notwendigkeit. „Gerade im Nordend erwarten wir immer mehr Grundschüler.“

Das sind keine prognostizierten Zahlen. „Diese Kinder sind schon geboren“, sagt der Dezernent. Und Schulamtsleiter Thomas Löhr belegt es mit Zahlen. In diesem Jahr sind 153 Buben und Mädchen in die Goetheschule eingeschult worden. Bis 2015 steigt diese Zahl auf mehr als 200. „Dann müssten wir neun erste Klassen bilden. Unmöglich. Das ist im Schulalltag nicht zu organisieren.“

Ohnehin platze die Goetheschule schon heute aus allen Nähten. Lösung fürs „junge“ Nordend: Neubau einer Grundschule im Hafengebiet (23 Millionen Euro inklusive Kita), Sanierung der Goetheschule (9,5 Millionen Euro). Bis es soweit ist, müssen wohl Container gestellt werden.

Nicht die einzige Baustelle

Es ist beileibe nicht die einzige Baustelle in der lokalen Schullandschaft. Seit 2007 steckt die Kommune bekanntlich 250 Millionen Euro in Sanierung und Erweiterung ihrer 27 Lehranstalten. Hinzu kommen gut 6 Millionen Euro aus dem Programm „Zukunft Bildung und Betreuung“ und etwa 21 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm des Landes. Seinerzeit ermittelten die Experten einen zusätzlichen Raumbedarf von 45.000 m² Bruttogeschossfläche – gut 25.000 m² fehlen heute noch.

Der Freidemokrat schränkt jedoch ein: „Es sind nicht immer neue, zusätzliche Räume. Teilweise sind vorhandene Kapazitäten aber anders zu nutzen.“ Das heißt: Geänderte pädagogische Ansätze machen mittlerweile andere Schulgebäude als früher erforderlich – mit Betreuungs- und Differenzierungsräumen, Cafeterien, Mediotheken. Da die von den Schulen vorab gemeldeten Zahlen weiter auf einem hohen Niveau bleiben (zirka 17 000 pro Jahr), sieht Paul-Gerhard Weiß die Rathaus-Koalition aus SPD, Grünen und FDP in ihrem Kurs bestätigt: „In den vergangenen Jahren sind wir deutlich voran gekommen.“

Anstieg bei beruflichen Gymnasien

Einen weiteren Schritt nach vorne verspricht sich der liberale Politiker von der Erweiterung des Berufschulzentrums am Buchhügel. Auch in diesem Bildungszweig empfiehlt Weiß einen zweiten, detaillierten Blick. Zwar gibt es stetig Rückgänge in der klassischen Berufsschule, parallel jedoch einen erheblichen Anstieg im vollzeitschulischen Bereich (berufliches Gymnasium). Der lange überfällige Neubau an der Buchhügelallee gibt, so komisch es klingt, drei Grundschulen neue Perspektiven.

Die Theodor-Heuss-Schule belegt in der Friedrich-Ebert-Schule drei und in der Waldschule Tempelsee sechs Klassenräume. Von der Käthe-Kollwitz-Schule werden an der Anne-Frank-Schule sieben Klassenräume genutzt. Hinzu kommen angemietete Räume in Bürgel. Die Auflösung dieser Außenstellen ermögliche endlich eine Weiterentwicklung der Grundschulen. Wie die aussehen kann, klären die Verantwortlichen unter anderem mit den Lehrern in Waldheim. „Seit der Bestandaufnahme zum großen Sanierungspaket ändert sich da erfahrungsgemäß immer etwas“, sagt Löhr.

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