Auf eine feine Linie gebracht

Künstlergespräch: Anton Würth zu seinen „Dürer-Übungen“ und „Carnets“

Offenbach - „Ausgangspunkt war die Technik“, erinnert sich Anton Würth. Der 1957 geborene, in Offenbach lebende Künstler hat sich intensiv mit den Kupferstichen Albrecht Dürers beschäftigt. Von Eugen El

In Berliner und Frankfurter Museen ließ er sich Druckgrafiken vorlegen, um die Linientechnik des berühmten Malers und Grafikers zu studieren. Von diesen Studien ausgehend schuf Würth eine Serie von Druckgrafiken, die „Dürer-Übungen“.

Das Haus der Stadtgeschichte und das Klingspormuseum in Offenbach haben diese Blätter für die Grafische Sammlung im Stadtmuseum erworben. Beide Häuser haben außerdem eine Publikation aufgelegt, die Würths Dürer-Grafiken und seine Künstlerbuchserie „Carnets“ zusammenbringt.

Anlass für eine Bestandsaufnahme: Mehr als 30 Besucher kamen ins Haus der Stadtgeschichte, um Würth im Gespräch mit Michael Lailach, Leiter der Sammlung Buchkunst der Berliner Kunstbibliothek, und Stefan Soltek, Direktor des Klingspormuseums, zu erleben. Kuratorin Katja M. Schneider freute sich über das große Publikumsinteresse: „So viele Menschen waren in dieser Abteilung noch nie.“

Zum Auftakt sprachen Würth und Lailach über die „Carnets“. An der Künstlerbuchreihe arbeitet Würth seit 1993; 20 meist kleinformatige Hefte sind entstanden. Ein Dutzend Originalbücher diente als Anschauungsmaterial. „Ich suchte einen Mittelweg zwischen Skizzenbuch und groß ausgeführter Arbeit“, erzählt Würth zur Entstehung.

Die auf feinem Papier meist in Kupferstichtechnik gedruckten Hefte folgen keiner erzählerischen Absicht. „Inhaltlich gibt es eigentlich wenig zu sagen“, betont Würth. Seine Bildmotive changieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, oft ordnet er sie in Sequenzen an.

Anhand der „Carnets“ zeigte Würth die Entwicklung, die seine Kunst mit den Jahren genommen hat. So wurde ihm die Auseinandersetzung mit dem Ornament wichtig. Würths Arbeiten wurden reduzierter, irgendwann gewann die Linie an Bedeutung. Auch wenn seine Arbeitsweise experimentell ist, möchte er dem klassischen Buch die Treue halten: „Das bleibt für mich spannend.“

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Soltek oblag es, Würths „Dürer-Übungen“ zu präsentieren. Einige dieser Kupferstiche waren im Original zu sehen. Anhand digitaler Reproduktionen der Vorlagen ließ sich Würths Vorgehensweise nachvollziehen. Von Dürers Darstellung des heiligen Antonius aus dem Jahr 1519 ausgehend, entwickelt er eine reduzierte Bildkomposition, greift einen Teil der Figur und deren Umgebung detailliert auf. Das Kreuz des Heiligen ist nur als Kontur zu ahnen, die feine Linie geht eine frei verspielte Komposition über.

Im Anschluss hatten die Besucher Gelegenheit, Würths Künstlerbücher und Druckgrafiken zu studieren. Viele suchten das persönliche Gespräch mit dem Künstler.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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