„Finanzielle Entlastung“

Frankfurt/Offenbach: „Pro Bahn“ plädiert für gemeinsames 365-Euro-Ticket

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ fordert ein 365-Euro-Ticket im Raum Frankfurt/Offenbach. Davon würden 1,2 Millionen Menschen profitieren.
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Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ fordert ein 365-Euro-Ticket im Raum Frankfurt/Offenbach. Davon würden 1,2 Millionen Menschen profitieren.

Der Regionalverband „Pro Bahn Frankfurt“ plädiert aufgrund zahlreicher Vorteile für rund 1,2 Millionen Menschen für die rasche Einführung eines 365-Euro-Tickets im Raum Frankfurt/Offenbach.

Frankfurt/Offenbach – Ein Ticket, ein Jahr, 365 Euro. Von diesem durch die Landesregierung eingeführten Angebot profitieren in Hessen schon heute zahlreiche Schüler, Auszubildende und Senioren. Die neue Regierung der Stadt Frankfurt, bestehend aus SPD, Grüne, Volt und FDP, möchte diesen Tarif nun auch nach Frankfurt holen und künftig allen Bürgern anbieten.

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Mittelfristig streben wir ein 365-Euro-Ticket für alle Menschen und nach Möglichkeit die ganze Region an.“ Der Regionalverband „Pro Bahn Frankfurt“ fordert nun, bei diesem Vorhaben auch Stadt und Kreis Offenbach zu berücksichtigen. Er schlägt ein gemeinsames Bürgerticket vor, das in den Städten Frankfurt und Offenbach sowie im Kreis Offenbach gelten soll. „Wir plädieren für die Aufnahme von Gesprächen mit der Stadt und dem Landkreis Offenbach, damit dieses Ticket spätestens 2022 in allen drei Gebietskörperschaften eingeführt wird“, erläuterte der Verband in einer Mitteilung.

Gemeinsames 365-Euro-Ticket für Offenbach und Frankfurt: „Eine finanzielle Entlastung“

Das Ticket sei aus sozialen und ökologischen Gesichtspunkten ein großer Erfolg, weshalb der Verband eine Ausweitung befürworte. „Gerade Menschen mit niedrigem Einkommen benötigen diese finanzielle Entlastung. Diese Maßnahme ist auch wesentlich sinnvoller als die Milliardensubventionierung von Elektro-Autos“, hieß es weiter. Ein 365-Euro-Ticket würde „Pro Bahn“ zufolge die „wirre“ Tarifstruktur im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) für rund 1,2 Millionen Menschen deutlich vereinfachen.

Die Forderung nach einer entsprechenden tariflichen Regelung für den Raum Frankfurt/Offenbach ist keine neue. Bereits im Mai dieses Jahres meldete sich die Neu-Isenburger Initiative „Pro RTW“, die sich für die Regionaltangente West (RTW) einsetzt, mit ähnlichen Belangen zu Wort. Sie forderten die Politiker in Stadt und Kreis Offenbach dazu auf, Verhandlungen mit den Frankfurter Kollegen über ein 365-Euro-Ticket für die Region aufzunehmen.

Bürgerticket für Raum Frankfurt/Offenbach: RMV sieht 365-Euro-Modell kritisch

Das war noch vor dem offiziellen Antritt der Römer-Koalition in Frankfurt. Insbesondere Volt äußerte sich damals kritisch gegenüber einem solchen Modell. Laut der Partei koste ein 365-Euro-Ticket die Stadt jährlich 150 Millionen Euro. Darüber hinaus habe eine Regelung dieser Art auch in anderen Städten nicht den gewünschten Effekt gehabt. In Estlands Hauptstadt Tallin, wo der Nahverkehr seit 2013 für alle Einheimischen kostenlos ist, sei beispielsweise ein großer Teil der Fußgänger und Fahrradfahrer komplett auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen, bemängelte Volt.

Der RMV selbst sieht die Forderungen nach einem 365-Euro-Ticket in Offenbach und Frankfurt ebenfalls kritisch. „Alleine die Mindereinnahmen für ein auf Frankfurt begrenztes 365-Euro-Ticket würden bei rund 55 Millionen Euro pro Jahr liegen, die anderweitig gedeckt werden müssten“, erläuterte eine Sprecherin auf Nachfrage.

RMV: „Flatrate-Lösungen“ statt 365-Euro-Ticket für Frankfurt und Offenbach

Ein solches Modell würde zudem dazu führen, dass Fahrkarten aus der Region nach Frankfurt teurer würden. Dies könnte insbesondere bei Pendlern zu Unverständnis führen, da diese nicht von dem Angebot profitieren würden, hieß es weiter. „Dieses Beispiel zeigt eindeutig, dass lokale Alleingänge nicht nachhaltig sind. Stattdessen braucht es flächendeckende Flatrate-Lösungen“, lautete das Urteil des Verkehrsverbundes. (jlf)

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