Eine Frage des Dialekts

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Der morgige Samstag ist Aktionstag an der Elektrovehikel-Station gegenüber des Marktplatzes.

Offenbach - In ein paar Jahren, hoffen Umweltschützer, müssen besonders junge Männer mit schlichtem Gemüt Folgendes an den Nagel hängen: An der Ampel mit dem Auto voll durchstarten. Von Stefan Mangold

Statt lautem Motorengeheul wird nur noch ein dezentes Surren zu hören sein, wenn überhaupt. Das bringt garantiert nicht mehr den gewünschten Effekt.

Seit Mai dieses Jahres können Interessierte jeder Gemütslage an der eMobil-Station Ecke Schlossstraße/ Berliner Straße schonmal probelauschen, indem sie ein „eCar“ oder ein „eBike“ ausleihen. Das sind Autos oder Fahrräder, die ein Elektromotor betreibt und unterstützt.

„Für uns ist das eine Pilot- und Experimentierphase“, sagt Anja Georgi, Geschäftsführerin von „Nahverkehr in Offenbach“ (NiO) und Leiterin der „Regionalen Projektleitstelle Elektromobilität Modellregion Rhein-Main“. Wirtschaftlich decken könne sich das vom Bund unterstützte Projekt „natürlich noch nicht“. Dazu seien die Produktionskosten in dieser Phase zu hoch. Die Nachfrage gestalte sich jedoch weit stärker, „als wir zu Beginn erwartet hatten“.

Bisher 200 Nutzer registriert 

Gehofft hatten die Organisatoren von OVB, RMV und NiO auf hundert Anmeldungen von Juni bis Mitte September. „Bisher haben sich sogar 200 Nutzer registriert“, von denen 150 die Fahrzeuge regelmäßig abholen. Monatlich kämen zwanzig neue hinzu. Die Präferenzen der Ausleiher sind eindeutig: „Die beiden Autos werden zusammen im Schnitt fünfmal pro Woche genutzt.“

Die 15 Pedelecs, wie die Fahrräder auch heißen, würden angemeldete Kunden im gleichen Zeitraum 35-mal aus den Boxen schieben. Auf den Tachometern der Autos stehen zusammen 5000 Kilometer, die Fahrräder fuhren bisher 10.000 Kilometer durch die Region. Die meisten hätten sich jedoch für die Nutzung beider Fahrzeuge angemeldet, „nur 15 Prozent interessiert ausschließlich das Fahrrad. Lediglich fünf Prozent wollen nur ein Auto“.

Wenn Anja Georgi von einer Experimentierphase spricht, meint sie besonders die Aufladetechnik der eCars. „Mal funktioniert die gut, dann klappt es gar nicht“, ähnlich wie die des Elektrobusses, den die OVB gerade testet. Die Techniker vergleichen das Problem mit „zwei Menschen, die eine Sprache sprechen, doch in verschiedenen Dialekten miteinander reden“. In einem Satz verstehen die sich, „im nächsten reden sie aneinander vorbei“.

Aktionstag am morgigen Samstag

Vor kurzem habe man sämtliche Räder einer Generalinspektion unterzogen. Lediglich drei kleinere Mängel hätten die Prüfer gefunden. Ansonsten zeigt sich Georgi auch überrascht, „dass es an der Station noch keinen Vandalismus gab“. Damit hätten viele gerechnet. Das könne jedoch weniger an der Einsicht potentieller Täter liegen, „sondern wahrscheinlich daran, dass die Stadtwache gegenüber liegt.“ Ständig komme zudem von den Stadtwerken jemand vorbei, um nach dem Rechten zu schauen.

Wer Pedelec oder Auto nach der Rückgabe ordnungsgemäß zum Aufladen an den Stromkreislauf schließt, bekommt einen Euro gutgeschrieben. Wer das befolgt und nur eine Stunde mit dem Fahrrad unterwegs ist, „bezahlt für die dann nur 50 Cent“. Es seien lediglich zehn Prozent der Nutzer, „die es schlichtweg vergessen“.

Wen die Elektrofahrzeuge interessieren, der kann am morgigen Samstag beim Aktionstag an der Station gegenüber des Marktplatzes zwischen 12 und 16 Uhr vorbeischauen. Auch Probefahrten sind dann möglich.

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