Eine Frage des Geschmacks

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Vlad schmeckt’s nicht.

Offenbach - 13 Uhr, zwei Tage vor dem „Tag der gesunden Ernährung“. Langsam füllt sich die Mensa der Leibnizschule. Die Lehrer sind die Ersten beim Mittagessen, dann kommen nach und nach die Schüler. Von B. Beher und T. Groh

Die elfjährige Damla wählt Kartoffeln mit Kräuterquark und Salat. Sie findet das gesund, meistens schmeckt ihr das Essen in der Cafeteria. Trotzdem ärgert sie sich: „Ich bekomme immer kleine Portionen, auch wenn ich große bestelle. Meine Freunde, die größer sind, haben immer mehr auf dem Teller. Das ist unfair!“ Auch der 12-jährige Harun sagt, er werde nicht richtig satt: „Jeder hier beschwert sich über die Größe der Portionen.“ Ein großer Teller in der Mensa kostet 3,50, ein kleiner 2,50 Euro. „Für das Geld kann ich woanders mehr bekommen“, meint der 15-Jährige Veton.

Alexander, der die „Esswerk“-Speisen ausgibt, kann die Vorwürfe der Schüler nicht nachvollziehen: „Ich achte darauf, dass jede Portion gleich groß ist, die großen 400 Gramm, die kleinen 200 Gramm.“ Bei den Portionsgrößen gehen die Wahrnehmungen also auseinander.

Auch die elfjährige Amal ist unzufrieden mit dem Mensa-Essen. „Neulich habe ich in meinem vegetarischen Gemüseauflauf Hähnchenfleisch gefunden.“ Auf ihre Beschwerde hin habe es geheißen, sie solle einfach weiter essen, erzählt sie, während sie in ihren Kartoffeln mit Eiersoße stochert. Als sie mal wissen wollte, wo die Zutaten herstammen, hat sie keine Auskunft bekommen. „Die Mitarbeiter kriegen ja auch nur geliefert und wissen nicht, woher was letztlich kommt.“

Anderen ist das Essen einfach zu langweilig. Französische, italienische oder asiatische Wochen könnten für mehr Abwechslung im Speiseplan sorgen, ist schon vorgeschlagen worden. Aber auf die Schülerwünsche wurde bislang noch nicht reagiert.

Die Mehrheit der Befragten möchte lieber außerhalb essen. Jedoch dürfen die unter 18-Jährigen das Schulgelände nicht verlassen. Sind die Schüler einmal volljährig, nutzen sie die Mensa nicht mehr, bestätigt der 19-jährige Vlad Baila: „Da bin ich seit der achten Klasse nicht mehr gewesen und damals auch nur mangels Alternativen hingegangen. Wir gehen im Umkreis der Schule essen, da gibt’s einige günstige Schülermenüs.“

Andere bleiben beim klassischen Pausenbrot von der Mama. Andere bestellen über einen Lieferservice oder lassen etwas von den Eltern bringen. Einer Beurteilung im Hinblick auf den Tag der gesunden Ernährung verschließen sich solche Alternativen allerdings.

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