Eine Frage der Motivation

Offenbach - In Offenbach sollen Hartz IV-Empfänger Hartz IV-Empfängern beim Energiesparen helfen - und der Stadt beim Geldsparen. In wenigen Monaten könnten die ersten dieser frisch qualifizierten Energieberater aus dem Kreis der Langzeitarbeitslosen im Duett mit professionellen Kollegen in möglichst vielen Offenbacher Bedarfsgemeinschaften für den bewussteren Umgang mit Heizenergie, Strom und Wasser werben. Von Marcus Reinsch

In Offenbach sollen Hartz IV-Empfänger Hartz IV-Empfängern beim Energiesparen helfen - und der Stadt beim Geldsparen. In wenigen Monaten könnten die ersten dieser frisch qualifizierten Energieberater aus dem Kreis der Langzeitarbeitslosen im Duett mit professionellen Kollegen in möglichst vielen Offenbacher Bedarfsgemeinschaften für den bewussteren Umgang mit Heizenergie, Strom und Wasser werben.

Dieser Vorstoß ist nicht ausschließlich ökologischer Verantwortung geschuldet. Die Vorteile sind auch und vor allem finanzieller Natur. Denn bei der Versorgung von Hartz IV-Empfängern und ihren Familien arbeitet die Stadt mit der örtlichen Arbeitsagentur in der „MainArbeit GmbH“ zusammen. Heißt: Die Stadt zahlt für Unterkunft der „MainArbeit“-Klientel und teils für deren Nebenkosten. 41 Millionen Euro waren das im vergangenen Jahr, davon entfielen etwa 20 Prozent auf Heizenergie. Gelänge es, letztere in den rund 8 000 Bedarfsgemeinschaften um nur 10 Prozent zu drücken, würde das jährlich rund 800 000 Euro sparen.

Und dabei sind die 10 Prozent kein Wunschdenken. Sie gelten allgemein als Einsparpotenzial, das alleine durch verändertes Nutzerverhalten erreicht werden kann. Etwa durch das konsequente Abdrehen der Heizung, wenn ein Fenster offen steht.

Also alles nur eine Frage der Motivation? Auf das „nur“ will sich die Arbeitsgruppe, die das städtische Umweltkompetenzteam vor etwa einem Jahr auf die Beine gestellt hat, um die Qualifizierung der Hartz-Energieberater zu organisieren, nicht verlassen. Deshalb soll der Vorstoß von zusätzlichen Anreizen begleitet werden.

Die Arbeitslosen etwa könnten für den Kauf stromsparender Geräte mit einem Bonus belohnt werden, der ihnen die Anschaffung schmackhaft macht und zusätzlich die Stromkosten senkt, die sie selbst tragen müssen. Die Vermieter wiederum werden sich eventuell williger zur besseren Wärmedämmung ihrer oft unzureichend abgedichteten Appartements durchringen, wenn die „MainArbeit“ ihnen im Gegenzug eine höhere Grundmiete zugesteht. Die Stadt unterdessen müsste, was solche Großzügigkeit betrifft, kein Minus unterm Strich fürchten, weil das Auf bei der Kaltmiete vom Ab bei den Heizkosten ausgeglichen würde.

Und die Hartz IV-Empfänger, die momentan in einer intensiven Qualifizierungsmaßnahme stecken, wären vielleicht bald keine mehr - weil ihnen ihr neues Wissen auch neue berufliche Chancen eröffnet. Energieberater werden eigentlich immer gebraucht.

Nachteile? Bürgermeisterin Birgit Simon, auch Umwelt- und Sozialdezernentin, sieht keine. „Die Energieberatung für Hartz IV-Empfänger ist ein gutes Thema“, bestätigte sie vergangene Woche im Parlament denn auch der CDU -Fraktion, die eine Mehrheit für ihren gut begründeten Antrag suchte, Arbeitslose zu Energieberatern für Arbeitslose auszubilden. Die Mehrheit bekam sie nicht. Aber ein Lob von Simon: „Alles, was Sie gesagt haben, ist richtig. Aber alles, was Sie gefordert haben, gibt es schon.“

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