Eine ganz und gar eingebildete Kuh

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Sabine Scholz und Ulrike Happel bringen ein rasantes, urkomisches Verwandlungsstück für Kinder auf die Bühne.

Offenbach - Es ist rappelvoll zur Premiere. Vor der Bühne des Theaterateliers sitzen gut 60 Kinder und einige Erwachsene. „Wisst ihr denn, was eine Premiere ist?“, fragt Ulrike Happel ihr Publikum. Von Johannes Vetter

Noch bevor jemand seine Unwissenheit offenbaren muss, erklärt die Schauspielerin den Kindern, dass sie die Allerersten sind, die das Stück „Die Kuh Rosmarie“ in der Bleichstraße 14H sehen.

Rosmarie, das wird bald klar, ist da um einiges direkter in ihrer Weltsicht. Sie ist nicht die Abenteuer-auf-dem-Bauernhof-Kuh, wie man es beim Kindertheater erwarten könnte. Rosmarie ist fies. Die Kuh terrorisiert die Bewohner des Bauernhofes geradezu. Das Schwein: zu schmutzig. Der Hund: keine Tischmanieren. Der Goldfisch: keine Badehose an. Und der Bauer? Der putzt seine Zähne viel zu laut und doch nicht richtig. Das geht auf keine Kuhhaut mehr, nicht für den Bauern, der Rosmarie daraufhin kurzerhand nach Afrika verbannt. Als Löwe, Krokodil und Elefant auf dem Hof um Asyl flehen, wird dem Bauern klar, dass es mit der Abschiebung der Problem-Kuh nicht getan ist.

Toleranz, Leben und leben lassen – darum geht’s in der Geschichte, für die Autor Andri Beyerle 2004 für den Deutschen Kindertheaterpreis nominiert wurde. Die freie Regisseurin Esther Steinbrecher führte das Bühnenwerk erstmalig in Offenbach auf. Zusammen mit den Schauspielerinnen Ulrike Happel und Sabine Scholz arbeitet sie seit einem halben Jahr an der Idee, „Die Kuh Rosmarie“ im Theateratelier zu zeigen. Möglich wurde das durch die Unterstützung des Kulturbüros der Stadt, welches die Premiere in die Reihe „Theaterdonnerstag“ einspannt.

Ob Hund, Schwein, Bauer oder eben Rosmarie: Happel und Scholz spielen im Programm viele Figuren in schnellem Wechsel. So entsteht eine Fülle komischer Dialoge gegen einen moralisierenden Zeigefinger. Genau 57 Minuten sei die Aufmerksamkeit der Kinder bei der Aufführung gefordert, erklärt Steinbrecher. Viel mehr gehe auch nicht. Das Programm ist für Kinder ab fünf Jahren gedacht.

Trotzdem, bei der Premiere fühlen sich auch Eltern angesprochen. Regina Wenig ist mit ihrem fünfjährigen Sohn aus Frankfurt gekommen. Das Stück, so gibt sie freimütig zu, habe sie auch „selbst an der Nase gepackt“. Sie hoffe nur, dass sie des Meckerns wegen nicht eines Tages nach Afrika geschickt werde, betont die 40-jährige Mutter augenzwinkernd.

Am kommenden Dienstag- und Mittwochvormittag, 29. und 30. April, wird die „Kuh Rosmarie“ zwei weitere Male mit ihren Schimpftiraden in der Bleichstraße 14 H zu sehen und zu hören sein. Der Eintritt kostet an der Tageskasse 4 Euro für Kinder und 5,50 Euro für Erwachsene. Für zusätzliche Sondertermine auf Anfrage ist das Theaterensemble offen.

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