Stadt Offenbach erhält 205 000 Euro als Fluglärm-Ausgleich und investiert das Geld in alte Schulgebäude

„Eine homöopathische Dosis“

Monitoring-Tool Flugverkehr Fluglärm visuell
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Wer fliegt wann? „Inspect Noise Assess Announce“ist ein innovatives Monitoring-Tool des Umwelt- und Nachbarschaftshauses, um den Flugverkehr und den Fluglärm visuell darzustellen. Hier zu erkennen: Flug SAS635 wird am gestrigen Freitag gleich Offenbach überfliegen. Screenshot: Kuhn

Viele Offenbacher genießen gerade die frühmorgendliche Ruhe, obwohl sie für viele starke finanzielle Einschnitte bedeuten. In Folge der Corona-Pandemie hat der Flugverkehr deutlich abgenommen. Dass es das Phänomen des Fluglärms überhaupt noch gibt, wird Anfang der Woche klar: Offenbach erhält 205 000 Euro nach dem Regionallasten-Ausgleichsgesetz für besonders stark von Fluglärm belastete Kommunen. Der entsprechende Bescheid wurde der Kommune übersandt, teilte Wirtschafts-minister Tarek Al-Wazir mit.

Offenbach - Mit dem Regionallastenausgleichsgesetz stellt Hessen jährlich 4,5 Millionen Euro für Städte und Gemeinden im Umfeld des Frankfurter Flughafens bereit. Das Geld stammt aus den Dividenden-Einnahmen des Landes für dessen Fraport-Aktien und sind für Kinder- und Jugendbetreuung, zur Verbesserung des Schallschutzes in öffentlichen Gebäuden oder zur Aufwertung von Freizeiteinrichtungen zu nutzen. Die Verteilung erfolgt nach einem festen Schlüssel – je nachdem, wie stark eine Kommune von Fluglärm belastet ist.

Aktuell profitiert die Bürgeler Uhlandschule von diesen Zuwendungen. Der Schallschutz soll in den Weihnachtsferien eingebaut werden. Auf der weiteren Agenda stehen weitere betagte Lernbauten: Bachschule, Schule Bieber Mauerfeldstraße, Leibnizschule, Albert-Schweitzer-Schule Altbau.

Aktuell profitiert die Bürgeler Uhlandschule

Muss man sich als lärmgeplagte Stadt sich jetzt demütigst bedanken? „Wir sprechen bei den Mitteln aus dem regionalen Lastenausgleich immer von einer homöopathischen Dosis“, betont Stadtrat Paul-Gerhard Weiß auf die etwas provokante Frage. Zwar sei die Lärmbelastung aktuell deutlich reduziert („Wir haben etwa ein Drittel der Flugbewegungen von früher“) und das senke den sogenannten Dauerschallpegel. „Die gesetzlichen Verpflichtungen aus den Auflagen für Gebäude in den Lärmschutzzonen gelten aber natürlich weiter. Und bezogen auf die dafür erforderlichen Investitionen ist das sehr wenig“, sagt Weiß.

Die Stadt macht das Beste daraus und verwendet das Geld gezielt für Lärmschutz. „Wenn auch einen Lärm, der nicht von außen sondern von innen kommt: In älteren Schulgebäuden mit hohen Räumen haben wir bereits Nachhallschutz durch schallabsorbierende Platten installiert und setzen das Programm kontinuierlich fort. Die Schulen wissen das sehr zu schätzen, es reduziert die Belastungen sehr und erleichtert die pädagogische Arbeit.

Das Programm zum „regionalen Lastenausgleich“ geht noch bis Ende 2021. Für eine „wahrscheinliche Neuauflage“ ab 2022 hat die Stadt erneut „dringenden Reformbedarf angemahnt“. Es gebe „zaghafte Hinweise“ darauf, dass man die Beträge für Offenbach noch mal überdenken könnte.

„Immerhin: Es gibt einen weiteren Topf, der für uns hilfreich ist. Als Ergebnis der NORA-Lärmstudie wurde ein Programm an Grundschulen, die in der Tagschutzzone 2 liegen, aufgelegt. Daraus kann die Stadt rund 4,5 Millionen Euro für baulichen Lärmschutz abrufen“, zeigt der Stadtrat eine weitere Perspektive auf und verspricht. „Das werden wir auch tun.“ Planungsarbeiten für Fenster- und Fassadensanierungen an Goethe-, Eichendorff- und Anne-Frank-Schule wurden eingeleitet. Weitere Grundschulen - etwa die Friedrich-Ebert-Schule, die außerhalb der Zone liegt - erhalten aus städtischen Eigenmitteln ebenfalls neue Fenster.

Von Martin Kuhn

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