Eine Liebe wie im Roman

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Erinnerungen an ein bewegtes Leben in Peru, den Vereinigten Staaten und in Offenbach: Rosa Conroy-Werné vor ihrer kleinen Bilderwand.

Offenbach - Rosa Conroy-Werne hat 25 Jahre in Miami gelebt, hat in den USA zwei erwachsene Söhne und vier Enkel. Vieles an der Geschichte von ihr und ihrem Mann Klaus Josef Werné erinnert an den Roman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel Garcia Márques. Von Peter Klein

Darin verlieben sich zwei Teenager unsterblich, finden aber erst im hohen Alter zueinander.

Die Geschichte von Rosa und Klaus Josef spielt in Peru, USA und Offenbach.

Begonnen hat sie mit einem Erdbeben im Bergland von Peru 1970. Es hatte eine Stärke von 7,9 auf der Richterskala. Rund 70 000 Menschen kamen dabei ums Leben. Rosa war damals 20 und studierte Pädagogik in Lima. Ihre Eltern lebten im Erdbebengebiet. Sofort fuhr sie heim um zu helfen. Klaus Josef, damals 29, war für die Hilfsorganisation Medico International im Krisengebiet. Trotz der vielen Arbeit und dem Leid der Menschen blieb auch etwas Zeit für die schönen Dinge des Lebens, und so funkte es zwischen den beiden.

Zurück in Deutschland schrieben sich Rosa und Klaus Josef eifrig Briefe und er wollte, dass sie zu ihm nach Offenbach kommt. Doch Rosa scheute sich vor dem fremden Land. Ein anderer Mann trat in ihr Leben. Er kam aus den USA und Rosa ging mit ihm nach Florida. Sie bekam zwei Söhne.

Auch Klaus Josef fand eine neue Liebe. Seine Frau kam ebenfalls aus Peru und zog zu ihm nach Offenbach. So arbeitete er als Versicherungsvertreter im Außendienst, wurde zweimal Vater.

1999, fast 30 Jahre später, die Kinder waren erwachsen, musste Klaus Josef nochmals nach Peru. Seine Frau war gestorben und es galt, familiäre Dinge zu regeln. Dabei begegnete er Rosas Mutter und erfuhr, dass Rosa jetzt in Miami lebt und geschieden ist. Erneut nahm er Kontakt zu ihr auf und lud sie zu sich nach Offenbach ein. Diesmal traute sich Rosa nicht nur die Reise zu, sie wollte auch die Kultur Europas sehen, die sie aus dem Geschichtsstudium kannte. Deutschland gefiel ihr spontan sehr gut, und auch der Funke der Liebe war wieder da. So entschlossen sie sich, einen neuen Anlauf zu wagen. Rosa zog nach Offenbach und ist seit sechs Jahren mit Klaus Josef verheiratet. Mit ihren Kindern hält sie Kontakt übers Internet.

Besonders schön sind für Rosa die Jahreszeiten, denn in Florida ist es immer warm. Gerne geht sie am Main spazieren oder setzt sich in Bürgel mit einem Buch an den Fluss. Die Deutschen erscheinen der Peruanerin sehr konservativ. „Sie halten sich immer für die Besten. Die Leute sind überrascht, wenn ich sage, Amerika hat Kultur, aber es ist eine neue Kultur, nicht die alte Kultur Europas“, so Conroy-Werné. In Amerika würde interessiert nachgefragt, wenn sie von Deutschland erzählt. Hier dagegen würde oft schlecht über die USA geredet, immer mit dem Unterton „wir sind die einzig wahre Kultur“, so die 61-Jährige. Besonders aufgefallen sei ihr das in ihrer Saunagruppe. Die Damen sind international besetzt und jede glaubte, dass aus ihrem Land die beste Schokolade kommt. Sie machten eine Blindverkostung und waren alle überrascht, dass die Schokolade, die allen am besten schmeckte, aus den USA kam.

In Deutschland sei die Gesellschaft zwar homogener und die sozialen Unterschiede nicht so groß, doch dafür hätten die Armen in den USA mehr Möglichkeiten. Das liege daran, dass die Deutschen sich von Dingen wie Möbeln erst trennen, wenn sie wirklich zerschlissen sind. Die Amerikaner seien viel konsumfreudiger, lösten sich eher von alten Dingen. Dadurch bleibe aber auch für die Armen sehr viel mehr Verwertbares übrig.

Aufgefallen ist der zweifachen Mutter auch, dass es viel zu wenig Kinder in Deutschland gibt. Amerika sei da viel kinderfreundlicher. Da würde sich auch im Restaurant niemand aufregen, wenn mal eine Horde Kinder um die Tische tobt.

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