Eine muntere Durchmischung

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Liga-Betrieb in der Stadion-Baustelle: Für die Fußballer ist das eher unproblematisch, für Fans und Ordner reine Nervensache.

Offenbach - Wie wird’s im neuen Stadion? Bestens! Das vermitteln Rundgänge mit dem Oberbürgermeister, mit dem Baustellenleiter. Am ersten Spieltag verblasst das alles zur grauen Theorie. Von Martin Kuhn

Das Stadion und das Drumherum gleicht einer großen Wundertüte, die viele Überraschungen bereithält. Von Spiel zu Spiel sind’s wohl neue am Bieberer Berg – nicht allein auf dem grünen Rasen.

Eingang Bieberer Straße/ Y-Tangente, gut 30 Minuten vor dem regulären Anpfiff am Mittwochabend: Eine rot-weiße Menge harrt dem Einlass. Zu viele Anhänger, zu wenige Eingänge? Ersteres sicher nicht. Am Ende sind’s gerade 7 500 Besucher und somit kein Argument für den bereits angeregten Ausbau der wachsenden Stehplatztribüne. Mancher Besucher reibt sich verwundert die Augen: „Die haben doch das Spielfeld kleiner gemacht...“ Nein! Es sind weiterhin 105 x 68 Meter. Es wirkt so, da die steileren Tribünen näher ans Spielfeld gerückt sind: „Und somit haben die Architekten alles richtig gemacht“, bekundet ein Offenbacher.

Wagemutig geht’s entlang der B 448 zum so genannten Schwarzen Weg, die Fans von dort kommend, fröhlich grüßend. Pfeifedeckel! Die dortige Warteschlange ist zwar nicht breiter, dafür länger. Nach einer leichten Ganzkörper-Massage geht’s in die Ostkurve: „Los, durchgehen...“ Aber wohin? Die OFC-Fans rücken zusammen, zwar nicht nach Aufforderung des Stadionsprechers, dafür nach Einsetzen des Regens. Ein Wagemutiger öffnet den Schirm, wird angeraunzt und spannt ihn wieder zusammen. Wer etwas weniger zurückhaltend ist, entert von unten die alte „Henninger“.

Ordner winken leicht resigniert durch

Es ist ohnehin eine muntere Durchmischung. Sitzplatz-Käufer und Stehplatz-Besitzer bilden eine homogene Masse, die Ordner winken – heißt es später – leicht resigniert die Fans durch. Der aufgeteilte Block 2 bildet eine lautstarke Fraktion in der Ostkurve, bildet einen akustischen Gegenpart zum abgetrennten Rest, der auf der neuen Westtribüne steht: „O“ - „F“ - „C“. Und: „Arme hoch. Alle Arme!“ Die Aufforderung zum Mitmachen fällt mitunter derb aus: „Wenn ihr euer Maul halten wollt, geht auf die Rosenhöhe...“

Unwirsch sind die geneigten Zuschauer auch mit dem Catering: Viel zu wenig Bierstände! Nun, der mobile Ausschank müht sich, kann aber auch nicht mehr als zapfen, zapfen, zapfen. „Wenn’s Fass leer ist, ist es leer.“ Und ansonsten, wie fällt das Resümee nach den ersten 90 Minuten im Sparda-Bank Hessen Stadion aus? Die Freude aufs Neue überwiegt den Ärger übers Aktuelle: „Mal abwarten, wenn alles fertig ist. Gut sieht’s schon aus...“ Wer den Hessen kennt, weiß, dass dies schon einem großen Lob entspricht.

Was sagen die Fans zum neuen Stadion?

Kickers-Fans freuen sich auf gute Stimmung

Für die bekennenden Traditionalisten in Rot-Weiß, die dem altehrwürdigen Stadion trotz mürben Betons mehr als eine Träne nachweinen, ist das Wirtshaus an der Ecke empfohlen. Dort, „Zum Bieberer Berg“, steht man treu zum Namen und in gewohnter Ordnung zusammen...

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