Lebende und tote Füchse

Eine Nachtschicht mit dem 2. Revier in Offenbach

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Offenbach - Zwölf Stunden dauert die Schicht für den Polizisten. Zehn schieben im 2. Offenbacher Revier an der Berliner Straße nächtlichen Dienst, als unser Mitarbeiter Bernd Georg dabei sein darf. Seine Erlebnisse:

Um 18 Uhr herrscht lockere Stimmung in der Wache. Der Dienstgruppenleiter, Polizeihauptkommissar Ingo Derigs, teilt mit dem Wachhabenden die Besatzungen und Fahrzeuge ein. Es ist ruhig: Zeit, sich offenen Vorgängen und Akten zu widmen. Dann muss ein jugendlicher Handyräuber verarztet werden. Den hat ein ziviler Kollege beim Einkaufen quasi nebenbei gestellt. Der 15-jährige Jugendliche wird später, gegen 22 Uhr, vom Vater abholt, der in Tränen ausbricht und für seinen Sprössling um Entschuldigung bittet. Der Papierkram ist erledigt. Ab 22 Uhr geht’s auf Runde.

Gustav-Adolf-Straße: Randalierende Jugendliche werden von dort gemeldet. Ingo Derigs und sein Streifenpartner, Oberkommissar Christoph Stoye, stellen drei junge Männer zwischen 17 und 19 Jahren. Keine polizeilich Unbekannten, aber gegenwärtig liegt gegen sie nichts vor. Es bleibt bei einer energischen Ermahnung, das Trio trollt sich heimwärts.

Lauterborn, Rosenhöhe: In den Wohngebieten hat es jüngst mehrere Wohnungseinbrüche gegeben. An diesem Abend ist dort kein Mensch unterwegs, nur ein Fuchs, der sich im Ebsenweg vor der Polizei in die nahen Kleingärten trollt.

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Geleitsstraße: Ein BMW, offenkundig aus Osteuropa, steht in der Feuerwehrzufahrt des KOMM. Die Beamten machen wenig Federlesens, schrauben die Kennzeichen ab und teilen dem Fahrer per Zettel mit, dass er sie gegen Entrichtung einer Sicherheitsleistung auf dem Wache zurück kriegt. Der Mann erscheint gegen 1.30 Uhr und zahlt nach kurzer heftiger Diskussion.

Berliner Straße: Seit zwei Stunden kümmern sich auf der Wache drei Beamte um zwei Flüchtlinge, die kein Deutsch und nur etwas Englisch können. Nach mühseliger Aufnahme der Daten kommen sie nach Frankfurt zur Bundespolizei.

Goethestraße: Ein Mann erregt Verdacht, bei ihm finden sich Rauschgift und Betäubungsmittel in nicht unerheblicher Menge. Personalienfeststellung und notwendiger Papierkram beschäftigen die Streife mehrere Stunden lang.

Neusalzer Straße: Ein Autofahrer überschreitet deutlich die erlaubten 30. Er wird per Anhaltesignal gestoppt, der etwa 25-Jährige ist sichtlich nervös: „...war bei einer Party, bin müde, will heim...“ Er muss ins Röhrchen pusten: negativ. Nach einer Ermahnung darf er ins Bett.

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Gravenbruchweg: Ein dunkler BMW mit drei Personen fällt auf. Ein Mann verschwindet in einem Hauseingang. Die Nachfrage ergibt, dass er dort wohnt. Die beiden anderen werden Höhe Edith-Stein-Schule gestoppt. Polizeikommissar Sebastian Schmidt befragt den Fahrer, 26, und den etwas jüngeren Beifahrer. Sichtliche Nervosität provoziert einen Drogentest. Der Fahrer macht bereitwillig mit, spendet Urin fürs Prüfröhrchen. 30 Minuten später steht fest: Er hat nichts geraucht, nichts genommen.

Diverse Orte: Bis 5.30 Uhr werden weitere fünf Autos überprüft. 85 Euro bringt der Staatskasse das Fehlen einer Umweltplakette ein.

Taunusring: Eine „verdächtiger großer Gegenstand“ auf der Fahrbahn in Höhe Buchrainweg wird gemeldet. Die von der Waldstraße herbei geeilte Streife entdeckt im Licht ihrer Scheinwerfer das Objekt, von dem allerdings keine Gefahr mehr ausgeht: Der Fuchs ist tot, hatte beim Überqueren der Straße offenbar nicht die gebotene Umsicht walten lassen. Der Fundort wird durch den Streifenwagen gesichert, die beiden Beamten schaffen das tote Tier auf den Mittelstreifen. Entweder der Stadtdienstleister ESO oder die Feuerwehr werden den Kadaver noch im Lauf der Nacht abholen.

Berliner Straße: Kurz vor 6 ist die Schicht fast geschafft. Alle Fälle sind abgearbeitet, der Wachhabende erstellt noch den Dienstplan für die Tagschicht. Es bleibt Zeit für Kaffee und Resümee: Ruhig war’s – aber so ist’s halt nicht immer. (bg/tk)

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