Jeder Spielort ist eine neue Aufgabe

Offenbach - „Tolle Leute, neue Locations“, umschreibt Alexander Merk die siebte „Komische Nacht“. Von Claus Wolfschlag

Der Zauberer war schon zum zweiten Mal dabei und amüsierte das Publikum mit knackenden Plastikbechern, zerrissenen Geldscheinen und einem Schaumstoff-Ball, den er geheimnisvoll in die Hand einer Probandin hexte. Merk trat in Markthaus, beau d‘eau, Wiener Hof, Turnhalle Bieber und Don Pedro’s auf. „Das Schöne am Konzept ist, dass man sich immer wieder neu auf das Publikum einstellen muss. Im einen Raum trinken die Leute nur Wein, im anderen sind die Zuschauer bodenständiger. Fünfmal am Abend fange ich von vorn an. Das ist die beste Schule für das Bühnenleben“, so Merk.

Insgesamt neun Künstler rotierten durch die Stadt, je fünf traten in einer von neun Lokalitäten auf. Den Auftakt im Wiener Hof machte die 20-jährige Jacqueline Feldmann aus Lüdenscheid, die mit Anekdoten aus dem Familienleben einnahm. „Mama, du hast doch echt eine tolle Tochter“, habe sie unlängst gesagt. Doch ihre Mutter antwortete: „Wen meinst du? Du hast doch nur Brüder.“ Die Politiker-Idee, dass der Führerschein mit 17 das Verantwortungsbewusstsein fördere, beantwortete die quirlige Feldmann mit einem schnöden „Nöö.“ So erzählte sie freimütig, wie sie Twingo fahrende Rentner von der Überholspur drängele und sich im Parkhaus mit Pfefferspray gegen neben ihr parkende polnische Kleintransporter wehre.

Ihr folgte der in variantenreicher Mimik geübte Thomas Müller aus Köln, der von Zugfahrten und seiner Zeit als Sportlehrer berichtete. Woher der Regional-Express seinen Namen habe, fragte er. An der Geschwindigkeit könne es nicht liegen. Der Zug komme wahrscheinlich stets schon voll aus dem Depot, und regelmäßig fahre jener Gast mit, der bei allen besetzten Toiletten von außen den Türgriff durch heftiges Ruckeln kontrolliere. Noch mehr Fahrt gewann Müller, als er sich Erfahrungen aus dem Schuldienst widmete. „Was sitzt im Lehrerzimmer und hat einen IQ von 150? Zwei Sportlehrer!“ Wolle der Lehrer im Völkerball, um dessen Namen gerecht zu werden, in Schüler mit Migrationshintergrund und Deutsche trennen, heiße es heute 25 gegen Michael, und der stelle sich als Russlanddeutscher heraus.

Viele Schüler präsentierten sich mit Gel und Baseballkappe als „Oberchecker“, wischten aber über Buchseiten, weil sie das vom Smartphone kennen. „Wenn das die ersten Menschen gewesen wären, hätten wir heute kein Feuer“, so Müller. Musikalisch war die Einlage des Hamburgers Wolli. Er blies das Lied „Somewhere Over The Rainbow“ auf 23 zusammengeklebten Blockflöten, „Quando, Quando, Quando“ auf einer Nasenflöte und „Er gehört zu mir“ auf einem Vibrator. Von McDonald’s wusste er zu berichten, dass er Cheeseburger ohne Käse, kalte, ungesalzene Pommes und Cola ohne Kohlensäure bestellt habe. Als der Verkäufer ihm mitteilte, dass das nicht möglich sei, antwortete er: „Warum? Letzte Woche ging es doch auch.“

Fast ein Heimspiel war der Besuch in Offenbach für den in Hamburg lebenden, aus Rüsselsheim stammenden Thorsten Bär: „Endlich wieder babbele!“ Er startete mit einem Hinweis auf die Blockupy-Krawalle: „Als ich das im Fernsehen sah, dachte ich erst, die Kickers spielen gegen die Eintracht. Aber es handelte sich ja nur um Idioten ohne Hobbys.“ Dann lieferte Bär amüsante Episoden von Vater „Schosch“. Der sei ein so sportlicher Typ wie Reiner Calmund, werde seinem Hund immer ähnlicher und halte es für Facebook, wenn er abends mit dem Buch auf dem Kopf einschlafe. „Ich bin froh, dass die Leute mich verstehen. Es ist wie nach Hause zu kommen“, sagte Bär nach seinem Auftritt. Allerdings könne er auch bundesweit bestehen. „Ich bin, was heute vielleicht nicht so deutlich wurde, ein Stimmenparodist, der zahlreiche Dialekte beherrscht. Damit kann ich auch Bayern hinsichtlich meiner Herkunft verwirren.“ Es gehöre zur Kunst, flexibel auf den Ort zu reagieren, an dem man auftritt.“

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