Eine Offenbacher Kulturperle weniger

„Afip“ am Goetheplatz in Offenbach muss schließen: Betreiber Lutz Jahnke plant große Abschiedsaktion

Gefeierte Zwischennutzung: Zum 9. Geburtstag lud Lutz Jahnke (auf der Leiter) vergangenes Jahr zum Fest in die „afip“.
+
Gefeierte Zwischennutzung: Zum 9. Geburtstag lud Lutz Jahnke (auf der Leiter) vergangenes Jahr zum Fest in die „afip“.

Offenbach – Das war’s für die „afip! – Akademie für interdisziplinäre Prozesse“: Der experimentelle Kulturraum am Goetheplatz im Offenbacher Nordend muss Ende Januar 2021 dichtmachen, wie dessen Gründer und Betreiber Lutz Jahnke am Freitag sagte. Die ehemalige Ladenfläche eines Drogeriemarktes solle an einen anderen Künstler vermietet werden. Zehn Jahre lang hat der Designer und Musiker Jahnke in dem unsanierten Raum mit viel Engagement, Improvisations- und Organisationstalent einen Ort für unkommerzielle Kultur geschaffen: Konzerte, Lesungen, Filmvorführungen, Tanz- und Musikworkshops, Performances, Ausstellungen und andere Events locken Offenbacherinnen und Offenbacher, Frankfurterinnen und Frankfurter in die unkonventionelle Location, die sich auch als soziale Schnittstelle für die verschiedenen Milieus im Nordend versteht.

Die baldige Schließung bringt Jahnke in eine missliche Lage: Gerade habe er noch eine Förderung bewilligt bekommen, von der er unter anderem einen neuen Computer für die „afip“ kaufen konnte. Voraussetzung für die Unterstützung sei aber, dass er fünf Jahre vor Ort bleibe. „Jetzt kann es sein, dass ich das Geld zurückzahlen muss“, befürchtet der Designer. Kurz bevor die Kündigung ins Haus flatterte, habe er außerdem mehrere tausend Euro für die große Glasscheibe des Ladenlokals ausgegeben, die jemand zerstört hatte. Überhaupt; alles, was in der „afip“ eingebaut und saniert wurde, wie Heizung und Elektrik, sei selbst organisiert und bezahlt, das meiste aus Förder- und Spendengeldern, erzählt Jahnke. Wütend sei er über den Rauswurf dennoch nicht, eher wehmütig, dass eine „Kulturperle vor die Hunde geht“.

Mit der Coronakrise habe die Schließung nichts zu tun. Er sei im Frühjahr schon gewarnt worden, dass eine Kündigung möglich sei. Und als Zwischennutzungsprojekt sei es ja ohnehin eine Frage der Zeit gewesen, bis die „afip“ von „lukrativeren Formaten“, wie Jahnke es nennt, verdrängt werden würde. Der Frankfurter Künstler, der den Laden nach ihm beziehen werde, bezahle mehr Miete. Gespräche und Verhandlungen mit Vermieter oder neuem Mieter habe es leider nicht gegeben, sagt der „afip“-Gründer. Er will sich nun nach einer neuen Location umschauen – am liebsten wieder im Nordend, vielleicht direkt am Hafen.

Zum Abschied möchte Lutz Jahnke eine große Aktion starten: „Lasst uns Offenbach zu einem riesigen Skulpturenpark machen, der die Subkultur in all ihren Facetten feiert!“, ruft der „afip“-Betreiber in den Sozialen Medien auf. Jeder und jede könne mitmachen und eine Skulptur im Offenbacher Stadtraum installieren. „Egal ob Verein, Initiative oder kreativer Einzel-Aktivist – schnappt euch vorhandenes Material und besetzt den öffentlichen Raum 57 Tage lang mit eurem Statement.“ Um die Genehmigung der Werke kümmere sich Jahnke; dafür brauche er ein Foto des Ortes, an dem die Skulptur stehen soll, eine Skizze der Plastik und eine kurze Beschreibung zum Vorhaben. Vom 5. Dezember bis 31. Januar 2021 soll die stadtweite Open-Air-Ausstellung mit dem Titel „offenbacher skulpturenpark – soziale Plastik“ zu sehen sein.

Infos und Kontakt

Anmeldung: info@afip-hessen.de, Infos unter www.afip-hessen.de

(Lisa Berins)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare