Eine schwarze Welt

Viel haben die Flammen nicht übrig gelassen, der Schaden ist immens. Foto: Georg

Offenbach ‐ Ruhetag war natürlich noch nie ein besonders ehrliches Wort. Susanne Wollensak beispielsweise kann sich in ihrem Waldzoo auch an den regulär publikumsfreien Montagen nicht auf die faule Haut legen.  Von Marcus Reinsch

Gestern allerdings dürften ihr das Ausmisten und die anderen hinter den Zookulissen wartenden Aufgaben sogar noch reizvoll vorgekommen sein im Vergleich mit dem, was sie darüber hinaus zu tun hatte. Es war der Tag nach dem Brand. Und statt Besuchern stürmten all die Pflichten auf Wollensak und einige Helfer ein, die so eine mittlere Katastrophe nunmal mit sch bringt.

Der Blick in den hinteren Bereich des Areals am Nassen Dreieck, wo das Feuer am Sonntag Lagerbauten mit Stroh, Futter, Arbeitsgeräten, eine Garage, einen Traktor und anderes für den Zoobetrieb elementares Zubehör verzehrte, zeigt eine schwarze Welt. Verkohltes Holz, verrußtes oder verbogenes Metall, durchtränkte Asche, mehr ist nicht übrig.

Fotostrecke vom Brand im Waldzoo

Brand im Waldzoo

Das alles muss so bleiben, bis die Polizei es zum Aufräumen freigibt. Bis auf weiteres gilt die Brandstelle als Tatort, weil die Brandermittler noch keine Ursache definitiv ausschließen können. Selbstentzündung denkbar. Brandstiftung möglich, technischer Defekt bisher auch nicht auszuschließen.

Bei aller Ursachenforschung hat Susanne Wollensak jetzt vor allem mit den Wirkungen des Feuers zu kämpfen. „Alle unsere Tiere haben es gut verkraftet“, berichtet sie, „das ist das Wichtigste.“ Aber jetzt sei natürlich das Stroh knapp, etwa 60 Kubikmeter sind verbrannt. Und auch wenn riesige Strohballen da wären, könnte der Zoo sie unter diesem regenschwangeren Himmel nicht lagern. Aber von kleineren Strohpaketen, sagt die Zoochefin, „von denen würde ich welche unterkriegen.“

Viel haben die Flammen nicht übrig gelassen, der Schaden ist immens. Foto: Georg

Hilfe wird also nicht abgelehnt und mit Dankbarkeit quittiert. Gebraucht wird vieles. Das Stroh natürlich, aber auch andere Dinge, die ein Raub der Flammen wurden. Schippen, Besen, Spaten, Rechen waren im Lager aufbewahrt worden, sind jetzt extrem knapp. Ebenso Unkrauthaken und Reisigbesen. Wer solche Gartengeräte übrig hat, sollte sich nicht scheuen, sie dem kleinen Tierpark anzubieten. Der telefonische Draht glüht unter z 069 852520, der finanzielle läuft über das Spendenkonto des Waldzoos mit der Kontonummer 100773 bei der Sparkasse Offenbach, Bankleitzahl 50550020. Mails erreichen den Zoo unter der Adresse kontakt@waldzoo-offenbach.de.

1 000 Euro Soforthilfe hat Oberbürgermeister Horst Schneider gestern aus dem Stadtsäckel zugesagt. „Unbürokratische Hilfe“ hat auch der CDU-Fraktionschef Peter Freier gefordert. „Es geht sicherlich nicht in erster Linie um Geld sondern um praktische Hilfe, wie sie auch Sportvereine erhielten, als ihre Vereinsheime ein Raub der Flammen wurden“ erläutert Freier.

Der OB hofft, dass die Stadt-Spende zu weiteren Spenden motiviert. Der Waldzoo, schreibt der OB, habe eine jahrzehntelange Tradition. „Diesen Zoo mit seinen Tieren zum Anfassen gibt es seit 1965. Seitdem hat wohl kaum eine Offenbacher Schulklasse nicht den Weg dorthin gefunden.“ Das ist auch weiterhin möglich. Der Zoo bleibt täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Außer montags. Der ist Ruhetag.

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