Eine schwebende Presse

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Das kostete viel Schweiß: Die Firma ließ die Stoppzylinder-Schnellpresse sanft aus dem Musikhaus André schweben.

Offenbach - Sanft schwebt das stählerne Ungetüm der Erde entgegen. Der Kranführer dirigiert die Last geschickt an der Balustrade vorbei und setzt sie schließlich im Innenhof des Musikhauses André ab. Von Denis Düttmann

Die Druckmaschine aus dem Jahr 1904 stand seit Ende der 1950er Jahre in einem Raum im zweiten Stock des Fachgeschäfts. Jetzt soll sie im Haus der Stadtgeschichte ausgestellt werden. „Früher wurden mit der Maschine Notenblätter gedruckt“, erzählt Hans-Jörg André. „Später hat meine Familie darauf Papier mit Briefkopf hergestellt.“ Fortan hatte sie keine Funktion mehr. André benötigt den Raum, in dem die Druckmaschine bislang stand, nun für die Erweiterung der Servicewerkstatt. Damit das historische Werkzeug nicht auf dem Schrottplatz landet, bot er die Maschine dem Offenbacher Stadtmuseum an.

Wir wollen im kommenden Jahr eine neue Abteilung Drucktechnik eröffnen“, sagt Museumsleiter Jürgen Eichenauer. „Da passt die historische Druckmaschine gut hinein.“ Klaus Kroner von der Grafischen Werkstatt für Technik und Kunst schwebt ein museumspädagogischer Ansatz vor, der die Besucher zum Ausprobieren animiert und die Druckverfahren so besser verständlich macht. „Bei dieser Druckmaschine handelt es sich um eine Stoppzylinder-Schnellpresse“, erklärt Kroner. „Sie ist recht leicht zu bedienen und kann deshalb auch für Workshops genutzt werden - beispielsweise mit Grundschülern.

Die fliegende Druckpresse in Bildern

Transport einer alten Druckmaschine

Der Weg der etwa eine Tonne schweren Druckmaschine aus dem Musikhaus ist jedoch nicht ganz leicht: Zunächst muss eine Tür heraus gebrochen werden, da die Arbeiter das Gerät anders nicht ins Treppenhaus bugsieren können. Dort wird die Maschine auf einen Schlitten aus Metallträgern montiert und die ganze Konstruktion vor dem Fenster zum Hof auf Holzpaletten gebockt. Durch geschicktes Manövrieren bringt der Kranführer vor dem Fenster eine Bühne in Position. Zentimeter für Zentimeter drücken Arbeiter die Druckmaschine mit einem Wagenheber nun auf die schwebende Plattform.

Frankfurter Spezialfirma reinigt Gerät

Bevor das historische Gerät an seinen Bestimmungsort im Haus der Stadtgeschichte gelangt, wird sie von der Frankfurter Firma Baumann, die den komplizierten Transport übernommen hat, zunächst einmal auf deren Gelände gereinigt. Erst danach geht's ins Museum.

Ich bin froh, dass wir für diese Aktion ein Netzwerk knüpfen konnten, zu dem jeder etwas beiträgt“, sagt Hans-Jörg André. „Von uns kommt die Maschine, die Firma Baumann übernimmt den Transport und die Reinigung, und das Stadtmuseum kümmert sich schließlich um die Ausstellung.“ Wann genau die im nächsten Jahr sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

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