Verwirrung um Neuregelung

Eine unechte Einbahnstraße

+
In flagranti erwischt: Viele missachten das seit zwei Wochen geltende Durchfahrverbot.

Offenbach - Zwei Wochen und keine Einsicht – so lautet eine erste Bilanz von Ordnungsamt und Polizei im Hinblick auf die neu eingerichtete Einbahnstraßenregelung an der Bettinastraße. Noch wird die neue Beschilderung von zahlreichen Autofahrern meist wissentlich missachtet. Von Fabian El Cheikh

So muss der Fotograf gar nicht lange warten, um Verkehrssünder vor die Linse zu bekommen. Als eine Audi-Fahrerin die Busschleuse passiert (nur noch Busse und Radfahrer dürfen, wie berichtet, die Bettinastraße Richtung Goethering durchgehend passieren), kurz innehält, nach rechts und links schaut und dann beherzt Gas gibt, mahnt wenige Meter später eine ältere Dame auf dem Bürgersteig, freundlich und fürsorglich: „Vorsicht, das ist eine Einbahnstraße, die Polizei kontrolliert immer wieder ein Stück weiter!“ Der Audi setzt zurück.

Verdacht einer regelrechten Abzocke

Auch Anwohner berichten unserer Zeitung von vielen Verkehrssündern an dieser Stelle. Faktisch untermauert wird dies von der Polizeipressestelle: „Wir kontrollieren seit zwei Wochen regelmäßig und haben unter anderem am 14. November von 15 bis 16 Uhr 48 Autofahrer verwarnen müssen“, berichtet Henry Faltin auf Anfrage. Nur zwei Tage später seien es 64 Verwarnungen gewesen. „Die Beschilderung wird in erheblichem Maße als null und nichtig angesehen. Es kann aber nicht sein, dass sich Autofahrer nach eigenem Gusto über die Verkehrsregeln hinwegsetzen, egal wie man zu den Änderungen steht.“

Den Verdacht einer regelrechten Abzocke hegt dagegen Anwohner Matthias Kitzinger, der die neue Verkehrsführung durchaus begrüßt: „Die Polizei sollte direkt am Einfahrtsverbot auf die Beschilderung aufmerksam machen und nicht versteckt weiter hinten, um dann gleich zu kassieren.“ Faltin zufolge ist diese erste Phase der Prävention jedoch vorbei: „Inzwischen müssen wir bei Uneinsichtigen Sanktionen ergreifen.“ Das soll weiterhin regelmäßig geschehen, solange, bis alle Autofahrer die „rote Tomate“ mit weißem Balken beachten.

Geparkt werden darf in beide Richtungen

Die städtischen Verkehrsplaner indes sehen keinen Bedarf für Veränderungen. Sie rechnen vielmehr mit Akzeptanz nach einer gewissen Eingewöhnungsphase. „Es handelt sich keineswegs um eine Einbahnstraße, sondern um ein Durchfahrverbot. Etwas weiter darf in beide Richtungen gefahren werden“, schildert Rainer Buck die Situation. Deshalb dürfe in beide Richtungen geparkt werden. Es sei eben eine „unechte“ Einbahnstraße.

Kommentare