Zauberkünstler Harry Keaton

Hinterhof-Häuschen ist magische Werkstatt

+
In Harry Keatons Zauberwerkstatt türmen sich die Requisiten und Kostüme. Das ehemalige Druckhaus unweit des Hauptbahnhofs dient dem Magier als Archiv, Entwicklungsstudio und Probenaum für seine Illusionen.

Offenbach - Prominente wie Prinz Charles und Thomas Gottschalk haben sich von seinen Darbietungen bereits verzaubern lassen. In der RTL-Sendung „Das Supertalent“ zersingt er vor acht Millionen Fernsehzuschauern Gläser. Von Marian Meidel 

Lesen Sie dazu auch:

Zauberer mit Faible für Politik

Harry Keaton mit Auftritt zum Stadtjubiläum

Was die wenigsten wissen: Magier Harry Keaton plant und probt seine Illusionen in einem kleinen Offenbacher Hinterhof-Häuschen.
Schon der Weg hat fast etwas Magisches an sich. Von außen sieht die Fassade des Gebäudes unscheinbar und alltäglich aus. Dieser Eindruck ändert sich, sobald man durch das Gittertor in den Hinterhof gelangt und feststellt, dass hier noch ein zweites, kleineres Häuschen steht. Fast wie bei den russischen Matrjoschka-Puppen, die immer kleiner werdend ineinander verschachtelt sind. Dass hier gezaubert wird, kann man sich vorstellen.

Das kleine Gebäude unweit des Hauptbahnhofs dient Magier Harry Keaton als Werkstatt. Hier entwickelt und probt er seine Illusionen. „Manchmal komme ich nach einem Auftritt noch mitten in der Nacht hierher“, sagt er. „Zum Glück ist die Schallisolierung gut – da werden die Nachbarn nicht gestört.“ Bis unters Dach ist das zweistöckige Gebäude mit Requisiten und Kostümen gefüllt, Utensilien für mehrere hundert Tricks und Illusionen.

Gleich im Eingangsbereich fällt ein massiver Koffer ins Auge. „Darin ist ein Kran für die Eisblock-Illusion“, verrät Keaton. „Bei dieser verschwindet ein Geldschein und taucht später in einem Eisblock wieder auf.“ Den muss der Zuschauer selbst zerschlagen, um zu prüfen, ob es sich tatsächlich um die zuvor abhanden gekommene Banknote handelt. „Diese Illusion gibt es in unterschiedlichen Varianten“, so Keaton. „Mal erscheint der Eisblock in einer Erdnussdose, mal in einer Zitrone.“ Den Trick hat er bereits seit fast 20 Jahren im Programm – genau so lange, wie er professioneller Magier ist.

Besonders stolz ist der 48-Jährige auf eine Kiste, die etwas weiter hinten im Raum steht. „Hier ist die Fühlbox“, erklärt er. Während einige seiner Darbietungen Tricks beinhalten, die ursprünglich andere Künstler entworfen haben, hat er diese Illusion komplett selbst erfunden und mit einem Konstrukteur entwickelt. „Sie wird jetzt von vielen Kollegen auf der ganzen Welt gezeigt.“ Und so läuft sie auf der Bühne ab: Ein Freiwilliger greift in die Box, befühlt darin einen Gegenstand. Als er diesen anschließend hervorholt, handelt es sich plötzlich um etwas ganz anderes, als beim Ertasten identifiziert. Was vorher weich und angenehm, entpuppt sich zum Beispiel als Kaktus.

Festival in St. Wendel: Magie der Straßenzauberei

Wie seine Tricks funktionieren, verrät Keaton natürlich nicht. Das gebietet die Magier-Ehre. Woran er aktuell arbeitet, erzählt er aber gerne. „Ich merke mir unter anderem 30 Begriffe, die mir die Zuschauer zurufen“, berichtet er. „Das ist weniger Magie als Gedächtnisleistung.“ Im neuen Programm, das sich rund ums Thema Gehirn drehen soll, wird Keaton seinen grauen Zellen aber noch deutlich mehr abverlangen. So können Leute aus dem Publikum ihm ein beliebiges Datum von 1582 bis heute nennen, und der Zauberkünstler verrät ihnen nicht nur, um was für einen Wochentag es sich dabei handelt, sondern auch, was an diesem Tag historisch Relevantes geschehen ist. Mentalmagie nennt sich das.

Bevor Harry Keaton sein Häuschen in ein Zauberlabor verwandelt hat, befand sich darin übrigens die Druckerei der Brüder Berthold und Lutz Plaueln. Letztgenannter ist heute nicht nur Vorsitzender des Jazz-Vereins, sondern auch Keatons Werkstatt-Vermieter. Seine Privatwohnung hat der Magier nicht in Offenbach, sondern in Dreieich.

Aktuell ist Harry Keaton mit seinem Programm „Das Magische Klassenzimmer – Schulweisheiten & andere Illusionen“ unterwegs. Auf dem Stundenplan stehen dabei mentale und visuelle Magie – und natürlich wieder jede Menge Hirnakrobatik.

Infos unter www.harrykeaton.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.