Für einen Ausflug nach Heidelberg reicht es nicht

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Zum Auftakt der Woche der Mobilität informierten sich Neugierige über den Stand der Technik.

Offenbach - Stehen die Busse am Marktplatz hintereinander an der Haltestelle, pustet der vordere dem hinteren seine Abgase durch Fenster und Lüftung. Von Stefan Mangold

„Klar freuen wir uns, wenn wir Elektrobusse fahren können“, gibt OVB-Fahrer Dusanic Dragisa zum Auftakt der Europäischen Woche der Mobilität an der eMobile-Station am Marktplatz die Stimmung unter seinen Kollegen wieder. Ein E-Bus befindet sich momentan in der Erprobungsphase. Bei einer Infoveranstaltung konnten sich Neugierige indes informieren, wie es funktioniert, sich ein Elektrofahrrad oder ein Auto auszuleihen, das ebenfalls nicht mit Benzin, sondern mit Strom durch die Stadt fährt.

Viel weiter geht es beim heutigen Stand der Technik nicht. Wer für das Wochenende mit dem E-Auto einen Ausflug von Offenbach nach Heidelberg und zurück plant, kann sicher sein, irgendwo stehen zu bleiben. „Die Reichweite liegt bei 160 Kilometern“, erklärt Bernd Kremer, Geschäftsführer des Carsharing-Unternehmens Stadtmobil, das mit der eMobile-Station zusammenarbeitet. Auch das sei ein Grund, warum es noch dauern dürfte, bis es in den Innenstädten leiser und sauberer zugeht.

Zehn Stunden an der Ladestation

Eine leere Batterie braucht zehn Stunden an der Ladestation, bis sie wieder voll ist. Das Modell des norwegischen Autofabrikanten Think, das sich Führerscheinbesitzer an der eMobile-Station ausleihen können, kostet im Moment noch 40.000 Euro. Ein teurer Spaß, den sich nur Betuchte als Spielerei leisten können, „solange die Produktion nicht in Serie geht“, so Kremer. Die zukünftigen Tankstellen müssten in der Lage sein, Batterien auszuwechseln. „Eine israelische Firma arbeitet an einem Konzept.“

Die Fahrt in einem Elektromobil gestaltet sich jedenfalls angenehm dezent. Startet der Fahrer den Motor, ist absolut nichts zu hören. Manches Schuhwerk trippelt wesentlich lauter über den Bürgersteig als das Elektromobil mit Bernd Kremer am Steuer die Berliner Straße Richtung Kaiserlei fährt. Fußgänger und Radfahrer, die sich im Straßenverkehr auf ihr Gehör verlassen, müssen ihre Gewohnheiten mit der Zeit ändern.

Alternative zum Auto

Für die beiden Autos gelten Leasingverträge zwischen Verleihern und Händlern. Die 15 elektrischen Fahrräder in den Boxen stammen von Guido Engel. Der verkauft in seinem Geschäft mit dem Namen „lautlos“ in Dreieichenhain fast die gesamte Palette von Elektromobilen. Die Hauptkundschaft für die E-Fahrräder, die so genannten Pedelecs, seien Rentner, sagt Engel, der zusätzlich noch einige elektrische Motorräder ausstellt. Die Reichweite mancher Fahrräder betrage bei optimalen Verhältnissen an die 100 Kilometer, „nach Angaben der Hersteller“. Es hänge jedoch von der Strecke ab, wie weit es geht.

Wer etwa den prominenten Anstieg der Tour de France nach L’Alpe d’Huez mit Unterstützung eines Elektromotors radeln wolle, „leert wohl schon nach 15 Kilometern den Akku“. Ohnehin liege die Unterstützung durch den Motor bei maximal 200 Watt. Der Nutzer eines Pedelecs müsse auf jeden Fall selbst in die Pedale treten, „sich nur auf den Sattel setzen und Tralala machen, das geht nicht“.

Das E-Fahrrad sei eine Alternative zum Auto, wenn es etwa darum gehe, „zum Bäcker zu fahren, um Brötchen zu holen“. Im Vordergrund stehe nicht die sportliche Ambition. Auch für denjenigen, der bei schönem Wetter mit dem Fahrrad ohne Schwitzen zur Arbeit fahren wolle, „ist ein Pedelec eine echte Alternative“.

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