Was wen einen Dreck kümmert

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Bäume weg, Container hin - normalerweise führt sowas zu Protesten. An der Waldhofer Grundschuldependance allerdings kündigt sich so der Neubau an. Und der wird heiß ersehnt.

Offenbach - Vor dem Positiven wolle er das Negative ansprechen. So eröffnet Horst Schneider im Waldhofer Gemeindehaus der evangelischen Kirche an der Schutzbaumstraße den Abend. „OB vor Ort“ nennt sich die Tournee des Oberbürgermeisters durch die Stadtteile. Von Stefan Mangold

Und für das Negative steht, ganz egal wo, immer der städtische Haushalt. Vor einem Jahr hätte er sich trotz der fiskalischen Dauermalaise „nicht vorstellen können, dass sich die Lage dermaßen verschärft“.

Die Lage, die hänge natürlich mit der Situation des Klinikums zusammen, dessen betriebswirtschaftliches Desaster die Stadt mit Millionenbeträgen stemmen müsse. Der Gedanke, den Neubau aus dem laufenden Betrieb zu finanzieren, habe sich „als Quadratur des Kreises herausgestellt“. Er gehe davon aus, dass die Stadt auch in den nächsten Jahren „unter den gegebenen Finanzstrukturen“ aus einer haushaltspolitisch prekären Lage agieren werde.

Auf Habenseite sieht Schneider Entwicklung des Hafenviertels

 Einen Tag zuvor habe er „mit einem seriösen Investor Gespräche über den zweiten Bauabschnitt geführt“. Im neuen Wohngebiet An den Eichen beklatschte man anfangs „jedes verkaufte Haus“. Mittlerweile sei die Nachfrage groß. Hyundai Deutschland verlege den Hauptsitz nach Offenbach; der Neubau der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Osten werde sich auf die Entwicklung des Hafenviertels positiv auswirken.

Und, ach ja: In Waldhof werde tatsächlich die Grundschule neu gebaut, „und eine Turnhalle, die der Regierungspräsident hoffentlich genehmigen wird“, benennt Schneider Gutes für die Bürger im Ortsteil.

Die tragen dem OB ihre anderen Probleme vor. Etwa das des Mülls vor einem Haus an der Ottersfuhrstraße, den ein Bewohner „täglich aus seinem Küchenfenster sieht“. Und nächtens, wenn er beobachte, wie sich dort Ratten versorgten. Den Darmstädter Eigentümer kümmere der verslumte Zustand des Waldhofer Anwesens einen Dreck. Seiner Pflicht, zu kehren und im Winter den Gehweg von Eis und Schnee zu befreien, komme der Bauverein nicht nach, Briefe ignoriere er. Frank Weber, Vize-Leiter des Ordnungsamts, schreibt eifrig mit.

Außerdem missfällt der Zustand der Wege

Besonders der am Friedhof neben dem Bieberbach – was auch für die Stadt ein Problem sei, wirft Hartmut Luckner vom Amt für Umwelt ein. Nach dem Wassergesetz müsse der befestigte Weg „zehn Meter vom Bach weg sein“. Dort aber liege das Feld eines Bauern. „Wir wollen keine Promenade, wie es Bürgermeisterin Birgit Simon behauptet hatte“, erklärt ein Waldhofer. Horst Schneider vermutet, „dass sich die Löcher mit ein paar Eimern Bessunger Kies auffüllen lassen“. Er werde sich darum kümmern.

Anderes Problem ist der Häufchen-Tourismus. Im Internet, erzählt eine Frau, gelten die Wiesen zwischen Waldhof und Bieber als Tipp für Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner sonst nirgends frei laufen lassen könnten. Viele hätten die Tiere jedoch nicht im Griff. Und mancher Bürger traue sich schon nicht mehr, dort entlang zur S-Bahn zu gehen. Der SPD-Stadtverordnete Peter Janat schlägt als Gegenmaßnahme vor, den Parkplatz an der Würzburger Straße dicht zu machen. Mittags um vier führen fast täglich acht Autos vor, die bis zu fünf Hunden pro Wagen auf dem Areal toben ließen, das die Anwohner „Hundeklo“ nennen. Eine Frau, selbst Hundebesitzerin, schlägt Kontrollen der Stadtpolizei vor. „Das diszipliniert die Leute zumindest für eine gewisse Zeit.“

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